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Innovationskonferenz Armutszeugnis für das Internet

In München hat die DLD-Konferenz begonnen. Zum Auftakt fordern Experten eine Kehrtwende bei der digitalen Infrastruktur.
18.01.2020 - 20:27 Uhr Kommentieren
Peter Sunde (l-r), Piraten-Politiker und Mitgründer der Website Pirate Bay, Maria Ressa, philippinische Journalistin, Sinan Aral, US-Forscher und Professor am MIT, bei der Innovationskonferenz DLD in München. Quelle: dpa
DLD-Konferenz

Peter Sunde (l-r), Piraten-Politiker und Mitgründer der Website Pirate Bay, Maria Ressa, philippinische Journalistin, Sinan Aral, US-Forscher und Professor am MIT, bei der Innovationskonferenz DLD in München.

(Foto: dpa)

München Manipulation, Hetze und Diskriminierung: Zu Beginn der diesjährigen DLD-Konferenz warnen Experten vor den Nebenwirkungen der Digitalisierung. Wie jedes Jahr bringt die Münchner Konferenz des Burda-Verlags technologische, wirtschaftliche und kulturelle Perspektiven zusammen.

Vor einigen Jahren herrschte auf der Konferenz vor allem Optimismus. Dieses Mal klang auf vielen Panels die Frage an, wie sich all die Probleme lösen lassen, die durch den digitalen Wandel entstanden sind.

Europa könne zu einer „Digital-Kolonie“ der USA oder Chinas werden, mahnte etwa der Europa-Politiker Axel Voss von der CDU bei einer Podiumsdiskussion. Piratenpolitiker Peter Sunde forderte, dass die Menschen Eigentümer ihrer Daten werden müssten und Tech-Konzerne als Kontrolleure der Infrastruktur zerschlagen werden müssten.

„Wir haben die Rolle der Kontrolleure an die Tech-Konzerne übergeben“, sagte die philippinische Journalistin Maria Ressa. Sie warf Facebook und anderen Netzwerken vor, den Aufstieg autoritärer Politiker zu begünstigen, und wies darauf hin, dass ihr Heimatland zum Experimentierfeld der Datenanalysefirma Cambridge Analytica geworden sei, das mit Daten von Facebook-Nutzern wahlentscheidende Kampagnen weltweit entwickeln und ausrollen wollte.

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    An dem Fall der Datenanalysefirma zeigte sie, wie sich Online-Debatten und Kampagnen tatsächlich gesellschaftlich und politisch auswirken können. „Eine Lüge, die eine Million Mal erzählt wird, wird zu einem Fakt“, sagte Ressa.

    Aussichtsreiche Investitionsschwerpunkte

    Das Motto der DLD-Konferenz ist in diesem Jahr: „What are you adding?“ – die Veranstalter fragen die Gäste also, was sie selbst beizutragen haben. Die Frage stellte sich auch bei einem Panel mit Investoren. Mit ihren Millionen können sie maßgeblich mitentscheiden, welche Ideen junger Digitalunternehmer eine Chance bekommen und welche Unternehmen die Zukunft gestalten werden.

    Yaron Valler vom Berliner Investor Target Global forderte, die europäischen Risikokapitalgeber müssten mehr Geld in Bereiche investieren, die echte Innovationen bringen. Bislang fließe viel Kapital in Geschäftsmodelle wie Essenslieferung und Putzservice, sagte er selbstkritisch. Target Global ist beispielsweise in Delivery Hero und den Putzkräfte-Vermittler Tiger investiert. „Das sind Modelle, die das Internet nutzen, um bestehende Services zu vermarkten. Das ist nicht das, was Europas Wirtschaft in den kommenden Jahren voranbringen wird“, sagte er. Dabei sei eine Herausforderung, echte neue Technologien innerhalb der beschränkten Fondslaufzeiten sinnvoll umzusetzen.

    Deep Nishar vom Softbank Vision Fund nannte in München vier aussichtsreiche Investitionsschwerpunkte für die kommenden Jahre: künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge (IoT), Blockchain und Roboter – nach Industrierobotern auch Geräte für den Privathaushalt.

    Der britische Sachbuchautor Andrew Keen wiederum sagte, Europa habe digital etwas sehr Wertvolles beizutragen: nämlich ein demokratisches Fundament, das in China fehle und in den USA wanke.

    Suche nach einem besseren Internet

    In den Diskussionsrunden wurde nicht nur kritisiert. Auch die Frage, wie ein anderes, besseres Internet aussehen könnte, wurde immer wieder debattiert. Eine weltweit viel beachtete Lösung präsentierte der britische Programmierer Dominic Williams, der mit Dfinity eine Alternative zu den großen Clouds von Amazon, Microsoft und Alibaba entwickelt. „Zu den Geschäftsmodellen des Silicon Valley gehört es, möglichst schnell Monopole aufzubauen“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Doch diese Monopole würden später Innovationen behindern.

    Das soll Dfinity ändern. Williams will ein radikal offenes Netz schaffen – und hat dafür immerhin fast 200 Millionen Dollar der weltweit bekanntesten Investoren eingesammelt. Dieses Netz soll Daten speichern und Software ausführen können. Dafür entwickelt Dfinity ein neuartiges Internetprotokoll, das Rechenzentren in aller Welt verbindet. Dieses Netz nennt Williams den „Internetcomputer“.

    Der Clou: Software soll künftig direkt in diesem Protokoll laufen und sogar die Daten sollen in dem Protokoll gespeichert werden. Das bestehende Internetprotokoll wäre dazu nicht in der Lage. Der Vorteil dieses offenen Systems wäre, dass kein Konzern die Infrastruktur beherrschen kann, auf der die Software der Zukunft läuft.

    Um bei der Entwicklung neuer Technologien für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, hat sich in den USA die Organisation Algorithmic Justice League gegründet, für die auch Joy Buolamwini arbeitet. Die Computerwissenschaftlerin warnte, herrschende Diskriminierung und Rassismus würden sich auch in der künstlichen Intelligenz niederschlagen und sie somit verfestigen.

    In Vertretung der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird am Sonntag der EU-Kommissar Thierry Breton erwartet, der in München die digitale Agenda für Europa vorstellen soll. Eine neue EU-Gesetzgebung könnte auch Regeln für die Entwicklung künstlicher Intelligenz und mehr Transparenz bei Wahlwerbung in sozialen Netzwerken enthalten.

    Mehr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befürwortet den Einsatz anonymisierter Daten in der medizinischen Forschung. Angesichts allgemeiner Skepsis beim Thema zieht er einen Vergleich zu US-Unternehmen.

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