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Jules Verne an ISS angedockt Einparken bei 28 000 Kilometern pro Stunde

Der erste europäische Weltraumfrachter „Jules Verne“ ist an der Internationalen Raumstation ISS angekommen. Der vollautomatische Transporter dockte um 16.46 Uhr deutscher Zeit selbstständig an die Station an - ein kniffliges Manöver 400 Kilometer über der Erde.
Die Illustration zeigt den Raumfrachter Jules Verne (l.) bei der Annäherung an die Raumstation ISS. Foto: dpa

Die Illustration zeigt den Raumfrachter Jules Verne (l.) bei der Annäherung an die Raumstation ISS. Foto: dpa

PARIS. Hochspannung im All: 400 Kilometer über der Erde hat der europäische Raumfrachter "Jules Verne" am Donnerstag an die Raumstation ISS angedockt. Zentimeter für Zentimeter näherte sich der unbemannte Frachter am Nachmittag der Raumstation, bis der ein Meter lange Andockarm im russischen Swesda-Modul verschwand und der Kugelverschluss zuschnappte - bei einer Reisegeschwindigkeit von 28 000 Kilometern pro Stunde.

„Einer der größten Momente der europäischen Raumfahrt“, sagte Elena Grifoni-Winters, bei der Europäischen Raumfahrtagentur ESA für die bemannte Raumfahrt zuständig. Denn „Jules Verne“ ist ein Meilenstein, mit dem sich die ESA einen ersten eigenen Zugang ins All verschafft und endgültig zum unverzichtbaren Partner für die ISS etabliert. Der Frachter ist jetzt fester Bestandteil der zur Zeit mit drei Astronauten besetzten Raumstation.

Das lasergesteuerte automatische Andockmanöver wurde live ins ESA-Hauptquartier in Paris übertragen. „Der Spielraum des Frachters ist nur zwei Zentimeter“, berichtete Grifoni-Winters. Hätte „Jules Verne“ seine Andockbuchse verfehlt, wäre das Fahrzeug per Knopfdruck von den Astronauten der ISS auf eine Parkposition zurückbefördert worden.

Die geglückte Premiere ist bereits der dritte Raumfahrterfolg der Europäer in den vergangenen drei Monaten. Im Februar hatte ein US-Shuttle das in Bremen gebaute Weltraumlabor „Columbus“ zur Raumstation transportiert. Es funktioniert nach Angaben des Raumfahrtkonzerns EADS Astrium bisher einwandfrei. Am 9. März hatte dann eine Ariane-5-Trägerrakete das „Automatische Transferfahrzeug“ (ATV) in eine Umlaufbahn gebracht.

Der zehn Meter lange und 20 Tonnen schwere Frachter war mit der Rakete vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guyana ins All gestartet. Seitdem raste der Zylinder hinter der ISS her, die spektakuläre „Verfolgungsjagd“ war in den vergangenen Tagen am Himmel zu beobachten. Am Mittwoch näherten sich beide bereits auf zwölf Meter an.

Mit seiner Nutzlast von 7,5 Tonnen wird der High-Tech-Transporter ein zentraler Pfeiler für die Versorgung des „Außenpostens der Menschheit im All“. Der Prototyp „Jules Verne“ liefert Nahrung, Wasser, Sauerstoff und Treibstoff. Er muss noch zwei weitere Hürden nehmen, bevor die Mission insgesamt als Erfolg gilt. „Jules Verne“ wird sechs Monate lang mit der ISS verbunden bleiben und mit seinem Triebwerk die ständig absinkende Raumstation im August auf eine höhere Umlaufbahn führen. Nach dem Abkoppeln von der ISS endet das ATV als „Luxus-Müllcontainer“: Die Astronauten beladen ihn mit allem, was sie nicht mehr brauchen, bevor in der Atmosphäre über dem südlichen Pazifik verglüht.

Von 2010 bis 2013 sind schon die vier nächsten ATV-Flüge geplant, die Baukosten pro Fahrzeug liegen bei 350 Millionen Euro. Der Transport und die vor 13 Jahren beschlossene Entwicklung der ersten Mission haben die ESA und ihre Partner 1,3 Milliarden Euro gekostet.

Ingenieure von EADS Astrium arbeiten bereits an einer Weiterentwicklung des Transporters für zukünftige Missionen zum Mond und Mars. Außerdem laufen Studien für eine landefähige Version.

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