Kennewick-Man DNA-Test klärt Herkunft des US-Knochenmanns

Um den 8500 Jahre alten Kennewick-Man tobt seit Jahren ein erbitterter Streit. Indianer betrachten ihn als Vorfahren und wollen die in einem Museum liegenden Knochen bestatten. Forscher bringen nun Klarheit in die Sache.
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So könnte der Mann ausgesehen haben, dessen Knochen 1996 nahe Kennewick entdeckt wurden.
Gesichtsrekonstruktion des Kennewick-Toten

So könnte der Mann ausgesehen haben, dessen Knochen 1996 nahe Kennewick entdeckt wurden.

BerlinSeit Jahren streiten sich Ureinwohner Nordamerikas und die US-Behörden um ein 8500 Jahre altes Skelett – jetzt hat ein DNA-Test mehr Klarheit in den Fall gebracht. Die Überreste des Mannes weisen genetisch die meisten Übereinstimmungen mit heute lebenden Ureinwohnern Nordamerikas auf, wie ein Forscherteam in der Fachzeitschrift Nature vom Donnerstag schrieb.

Der Streit reicht in das Jahr 1996 zurück, in dem zwei Männer in Kennewick im US-Bundesstaat Washington menschliche Knochen fanden. Nach weiteren Funden konnten rund 90 Prozent des Skeletts rekonstruiert werden, das Alter wurde auf 8500 Jahre datiert. Wissenschaftler nannten ihn den „Kennewick Man“.

Fortschrittliche Waffen schon vor 70.000 Jahren
Steinzeitwaffen
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Der anatomisch moderne Mensch hat sich vermutlich vor rund 100.000 Jahren in Afrika entwickelt. Unklar war allerdings, ab wann unsere Vorfahren über die Fähigkeit zum Bau von komplexen Werkzeugen verfügten. Funde in den Pinnacle Point Höhlen (Bild) an der südafrikanischen Küste könnten nun Licht in dieses Dunkel bringen.

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Bei Ausgrabungen entdeckten Forscher der Arizona State University winzige Steinklingen, die vermutlich als Teile von Waffen verwendet wurden. Ihr Alter bestimmten die Wissenschaftler auf 71.000 Jahre. Damit wären diese sogenannten Mikrolithen mindestens 6000 Jahre älter als die bislang ältesten vergleichbaren Funde.

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Viele der gefundenen Steinspitzen waren  an einer Seite abgestumpft – ein Hinweis darauf, dass sie, wie in dieser Rekonstruktion, an Holz- oder Knochenstäben befestigt wurden, um als Spitzen für Pfeile und Wurfspeere zu dienen.

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Zudem wurde das Rohmaterial offenbar vorher erhitzt, um es besser zu den kleinen Spitzen verarbeiten zu können.

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Damit verfügten die Bewohner der Pinnacle-Point-Höhlen schon vor 71.000 über vergleichsweise fortschrittliche Fernwaffen, mit denen sie auf der Jagd oder im Kampf das eigene Verletzungsrisiko minimieren konnten.

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Nach Ansicht der Forscher könnten solche Pfeile und Speere ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass sich der moderne Mensch letztlich gegen den technisch weniger beschlagenen Neandertaler durchgesetzt hat.

Die Gebeine lagern derzeit in einem Museum in Seattle. Doch fünf Indianerstämme aus der Fundregion ehren den Kennewick-Mann als frühen Ahnen. Sie fordern die Überführung der Knochen, um sie nach ihren Ritualen zu bestatten.

Nach einem US-Gesetz können die Ureinwohner über die Überreste ihrer Vorfahren selbst bestimmen. Allerdings wandten einige Forscher gegen eine solche Rückgabe ein, der Kennewick-Mann sei kein Vorfahr der Indianer. Eine gerichtlich angeordnete Studie ergab 2014, dass die Anatomie des Kennewick-Mannes sich deutlich von heutigen Indianern unterscheide und eher Bewohnern von Japan oder Polynesien ähnelt.

Nun setzte das Forscherteam, das von zwei Wissenschaftlern vom Naturkundemuseum Dänemark geleitet wurde, dieser Einschätzung die Ergebnisse seines DNA-Tests entgegen. Dazu hatten die Wissenschaftler vorsichtig rund 200 Milligramm DNA-Material aus einem Handknochen entnommen. Dieses Material glichen sie mit DNA-Daten aus einer Datenbank von Freiwilligen aus der ganzen Welt ab.

„Wir finden, dass der 'Kennewick Man' den modernen Ureinwohnern Amerikas ähnlicher ist als jeder anderen Bevölkerungsgruppe weltweit“, stellten die Forscher fest. Als besonders eng verwandt stuften sie die Bewohner des Colville Reservats ein, in dem einer der fünf Stämme lebt, die das Skelett für sich beanspruchen. Damit dürfte der Streit um die Gebeine in eine neue Runde treten.

  • afp
  • dpa
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