Klimawandel Hochwasserschutz-Technik als niederländischer Exportschlager

Seit Jahrhunderten kämpfen die Niederländer gegen Wasser und bedrohliche Fluten. In Zeiten des Klimawandels und steigender Meeresspiegel wird dieses Knowhow immer wertvoller. Neue Technologien schützen vor Überflutungen.
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Der High-Tech-Deich am historischen Hafen von Spakenburg kann bis zu 80 Zentimeter hoch ausgefahren werden. Quelle: dpa
Super-Deich in den Niederlanden

Der High-Tech-Deich am historischen Hafen von Spakenburg kann bis zu 80 Zentimeter hoch ausgefahren werden.

(Foto: dpa)

Spakenburg Historische Fischerboote gleiten an diesem klaren Morgen ruhig über das Wasser der niederländischen Hafenstadt Spakenburg. Vor gut einem Jahrhundert schlugen diese Boote noch gegen die Häuser am Hafen, als ein schwerer Sturm den malerischen Fischerort verwüstete. Heute schützt eine innovative Deichkonstruktion den Ort 50 Kilometer südöstlich von Amsterdam.

Die 300 Meter lange Barriere ist in den Gehweg eingelassen, wenn sie nicht gebraucht wird. Bis zu 80 Zentimeter hoch kann sie ausgefahren werden. Angehoben wird sie von eben jenem Wasser, das sie abhalten soll. Es ist nur ein Beispiel für den Einfallsreichtum der Niederlande, die sich seit Jahrhunderten im Kampf mit dem Wasser befinden. Und genau diese Technologie wird zunehmend zu einem lukrativen Exportgeschäft.

„Wir leben hier an einem leicht verwundbaren Ort“, sagt Roeland Hillen, Direktor des Niederländischen Flutschutzprogramms. „Wir müssen uns anpassen, um zu überleben.“

Das trifft auch auf zahlreiche andere Länder zu, die von Überschwemmungen bedroht sind und die gerade am Weltklimagipfel in Bonn teilnehmen. Den Vorsitz bei dem Treffen mit Vertretern von rund 195 Nationen haben die Fidschi-Inseln, jener kleine Inselstaat, der ganz besonders hart getroffen wird, wenn die Pegel der Meere steigen.

Der Terminator auf Umwelt-Mission

„Wir werden die Folgen des Klimawandels in der ganzen Welt vor allem über das Wasser zu spüren bekommen“, sagt Henk Ovink, niederländischer Sondergesandter für Internationale Wasserangelegenheiten, der ebenfalls in Bonn dabei ist.

Die niederländische Regierung hat dieses Jahr zusammen mit Japan und dem UN-Umweltprogramm ein Globales Exzellenzzentrum für Klimaanpassung in den Niederlanden auf den Weg gebracht. Der offizielle Start dafür sollte am Dienstag am Rande der Bonner Konferenz erfolgen. Ziel ist laut Regierung, „in allen Teilen der Welt diejenigen zu unterstützen, die Probleme haben, die Anpassung an das Klima in die Praxis umzusetzen“.

Das Zentrum in den Niederlanden anzusiedeln war eigentlich selbstverständlich. 26 Prozent des Landes mit seinen 17 Millionen Einwohnern liegen unter dem Meeresspiegel. 29 Prozent des Landes sind von Überflutungen durch Flüsse bedroht. Der Kampf, das Land trocken zu halten, ist seit Jahrhunderten ein konstanter Faktor im Leben der Nation. Seinen Sitz wird das Zentrum in Groningen haben, ein weiteres Büro ist zudem im Rotterdam geplant.

Rund eine Milliarde Euro wendet die niederländische Regierung jedes Jahr für den Hochwasserschutz auf. Das Geld fließt in die Instandhaltung auf Verstärkung von Deichen und Dämmen sowie andere Wasserprojekte. Bis zum Jahr 2050 wolle das Land 1900 Kilometer Dämme und Deiche verstärkt haben, sagt Flutschutzexperte Hillen.

Wetterextreme der Erde
Höchste je gemessene Temperatur
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Die bislang höchste Temperatur, die seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erfasst und offiziell anerkannt wurde, erreichte das kalifornische Death Valley (Bild) am 10. Juli 1913: Heiße 56,7 Grad Celsius zeigte das Thermometer in Furnace Creek im Zentrum der Senke an.

Diesen Wert bestätigte die World Meteorological Organization vor wenigen Jahren und legte damit einen langen Streit bei. Denn um diesen Titel konkurrierte auch der libysche Ort El Azizia, an dem am 13. September 1922 sogar 58 Grad Celsius erreicht worden sein sollen. Doch sprach eine Kontrolle der Daten und Fakten der Örtlichkeit letztlich dagegen, dass dieser Höchststand tatsächlich erreicht worden ist.

Tiefste je gemessene Temperatur
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Minus 45,9 Grad Celsius wurden am 24. Dezember 2001 am Funtensee in den Berchtesgadener Alpen gemessen. Das ist Negativrekord für Deutschland, verglichen mit der russischen Antarktisstation Vostok aber fast noch lauschig: Minus 89,2 Grad Celsius am 21. Juli 1983 bilden momentan den Negativpunkt auf dem für extreme Tiefstwerte ohnehin bekannten ostantarktischen Eisschild (Bild).

Schuld an der extremen Kälte ist auch die hohe Lage der Station, die sich auf knapp 3500 Meter Höhe über dem Meer befindet – die dünne Luft begünstigt die winterliche Auskühlung während der Polarnacht zusätzlich.

Der stärkste Regen innerhalb eines Tages
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Inseln in der Passatzone der Erde sind durch zum Teil extreme Niederschlagsgegensätze geprägt – so auch das französische Überseeterritorium La Réunion im Indischen Ozean. Während auf der Westseite im Regenschatten der örtlichen Berge an mindestens 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint, ist es im Südosten klatschnass. Beständig trägt der Südostwind feuchte Luftmassen heran, die sich an den Vulkanen Réunions stauen, abkühlen und abregnen, so dass allein sie schon jährlich rund 8000 Millimeter Regen bringen.

Ins Extrem kann dies aber noch gesteigert werden, wenn die Regenwolken eines Wirbelsturms auf das Eiland 670 Kilometer östlich von Madagaskar treffen: vom 7. auf den 8. Januar 1966 passierte der tropische Zyklon Denise die Insel und lud innerhalb von 24 Stunden 1825 Millimeter Regen auf dem Foc-Foc-Hochplateau der Insel ab – in Hamburg regnet es im ganzen Jahr im Schnitt 770 Millimeter.

Die größten Hagelkörner der Erde
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Erst wenn die Eiskörnchen einen Durchmesser von 0,5 Zentimeter überschreiten, sprechen Meteorologen von Hagel – alles darunter gilt als Graupel. Und während man in Deutschland vor allem die wirtschaftlichen Schäden von Hagel fürchtet, treten in anderen Teilen der Welt bisweilen auch lebensbedrohliche Brocken auf.

Der absolute und anerkannte Rekordhalter ist ein Unwetter vom 14. April 1986 im Bezirk Gopalganj in Bangladesch – damals prasselten bis zu ein Kilogramm schwere Geschosse auf die Erde; insgesamt zählten die Behörden 92 Todesopfer durch das Ereignis. Und während hierzulande meist Hagelkörner mit Durchmessern von nur wenigen Zentimetern vorkommen, maßen Beobachter am 23. Juli 2010 in Vivian, South Dakota, Brocken mit 20 Zentimeter Durchmesser und mehr als 47 Zentimeter Umfang.

Stärkste UV-Einstrahlung
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Wer sich im Mittelmeerraum an den Strand legt, muss mit einem UV-Index von 8 bis 9 rechnen – die Sonnenstrahlung ist dann so intensiv, dass man sich schützen sollte, um Hautschäden zu vermeiden. Verglichen mit den Werten, die Geowissenschaftler in den Anden Boliviens gemessen haben, erscheinen diese Werte wie Kleinkram: Während ihrer Beobachtungen in den Jahren 2003 und 2004 registrierten ihre Sensoren am 29. Dezember einen Indexspitzenwert von 43,3 – mehr hat man zuvor noch nie auf der Erde aufgezeichnet.

Mehrere Faktoren trugen zu diesem Rekordwert bei. So installierten die Forscher ihre Dosimeter am Gipfel des Vulkans Licancabur (Bild) in knapp 6000 Meter Höhe sowie an der Laguna Blance in 4340 Meter Höhe über dem Meer: Die dünne Höhenluft begünstigt hohe Werte für die Einstrahlung, da hier in der Stratosphäre darüber weniger Ozon vorhanden ist, das die UV-B-Strahlung normalerweise herausfiltert. Gleichzeitig stand die Sonne beim Rekord nahe ihrem Zenit. Zudem hatten Aerosole aus saisonalen Waldbränden sowie Unwetter zuvor ebenso zum Ozonabbau beigetragen wie eine starke Sonneneruption zwei Wochen vor dem 29. Dezember.

Stärkste Böen in einem Sturm
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Tornados gehören zu den gefährlichsten Wetterphänomenen der Erde: Es lässt sich kaum voraussagen, wo und wann genau sie entstehen, wohin sie ziehen und welche Gebiete sie treffen. 1200 der manchmal verharmlosend Windhosen genannten Ereignisse treffen allein die US-amerikanische Tornado Alley, eine besonders für ihre Bildung geeignete Region im Mittleren Westen.

Welche Wucht sie entfalten können, zeigen die mit einem fahrbaren Dopplerradar erfassten Windböen eines Tornados, der am 3. Mai 1999 eine Schneise der Verwüstung zwischen Oklahoma City und Moore zog: Eine seiner Böen erreichte die Spitzengeschwindigkeit von 484 Kilometer pro Stunde. Wenn es um mehr als nur eine Windböe geht, ist der Zyklon Olivia Rekordhalter. Er fegte am 4. April 1996 über die australische Insel Barrow mit einer Windgeschwindigkeit von 407 Kilometer pro Stunde.

Stärkster Sturm, der bislang registriert wurde
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Zu den gewaltigsten Wettererscheinungen der Erde gehören die Wirbelstürme der Tropen und Subtropen: Mit Dauerregen und Starkwinden sowie heftiger Brandung an der Küste können sie komplette Landstriche verwüsten.

Der bislang stärkste dieser Extremstürme war der Taifun Tip im Jahr 1979, er erreichte einen maximalen Durchmesser von 2200 Kilometern – und einen Luftdruck von nur 870 Millibar in seinem Auge, der tiefste Wert, der je außerhalb eines (sehr viel kleineren) Tornados gemessen wurde. Da von Taifun Tip keine guten Bilder existieren, hier ein Bild des kleineren Sturms Hagupit, der im Dezember 2014 im westlichen Pazifik wütete.

Auch wenn die Kosten hoch sind - die Expertise und die Technologie der niederländischen Experten werden zunehmend wertvolle Güter. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Exporte in diesem Bereich auf knapp acht Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt. „Wasser ist ein Schatz und eine Bedrohung“, sagt Ovink.

In Spakenburg verweisen die Experten darauf, dass der sich selbst ausfahrende Deich nicht nur ein gutes Beispiel für neue Flutschutztechnologien sei. Er zeige auch, wie sich solche Barrieren in die Stadtplanung einbinden lassen. Wenn die Schutzwand nicht gebraucht wird, versinkt sie im Gehweg und versperrt Touristen wie Einheimischen nicht die malerische Sicht. Die Technologie wird mittlerweile auch in England, Vietnam und China genutzt.

Ovink verweist darauf, dass die Technik in Spakenburg nur eine von zahlreichen Flutabwehrtechniken ist, die die Niederländer entwickelt haben. „Es gibt nicht die eine Maßnahme“, sagt er. „Es geht um eine Kultur, wie man mit dem Wasser lebt.“

  • ap
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