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Konsumgüterkonzern So will Henkel die Nummer eins bei Klebstoffen bleiben

Das Klebstoffgeschäft trägt knapp die Hälfte zum Umsatz des Dax-Konzerns bei. Doch Henkel muss sich einiges einfallen lassen, um Weltmarktführer zu bleiben.
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Henkel: So will der Konzern Weltmarktführer bei Klebstoffen bleiben Quelle: Thomas Ernsting/laif
Hitzetest für Schäume

Henkel entwickelt Kleb- und Dichtstoffe, um Autokarosserien leichter zu machen.

(Foto: Thomas Ernsting/laif)

Heidelberg Der Knall ist ohrenbetäubend, als die schwarze Mercedes-Limousine gegen den Betonklotz donnert. Die ganze linke Front des Wagens wird zusammengequetscht. Die Motorhaube faltet sich zusammen. Aber die Windschutzscheibe bleibt unversehrt und fest im Rahmen.

Mit diesem spektakulären Crashtest auf einer Teststrecke will Henkel beweisen, wie zuverlässig seine Produkte aus der Klebstoff-Sparte sind. Denn die Frontscheibe war erst 30 Minuten vorher ausgetauscht und mit Klebstoff des Düsseldorfer Konzerns befestigt worden.

„Die Windschutzscheibe ist sehr wichtig bei einem Frontalzusammenstoß, weil sie zur Stabilität und zur reibungslosen Funktion des Airbags beiträgt“, erläuterte Kourosh Bahrami, Corporate Vice President der Henkel-Klebstoffsparte. Der Klebstoff kommt aus Europas größtem Klebstoffwerk von Henkel in Heidelberg.

Die Autoindustrie gehört wie auch die Elektronik- und die Flugzeugbranche zu den wichtigsten Sparten des Klebstoff-Geschäfts von Henkel. Das trug im vergangenen Jahr knapp die Hälfte zum Konzernumsatz von 19,9 Milliarden Euro bei. Henkel ist für Marken wie Persil, Pritt und Fa bekannt.

„Unser Anspruch ist es, mit unserem Klebstoffgeschäft immer schneller zu wachsen als die Industrieproduktion“, sagte Jan-Dirk Auris, Vorstand für die Klebstoffsparte bei Henkel, dem Handelsblatt. „Das haben wir mit einem Plus von durchschnittlich mehr als drei Prozent in den letzten zehn Jahren auch immer geschafft. Ich bin davon überzeugt, dass uns das auch in Zukunft gelingen wird.“

Doch da die Autoindustrie in diesem Jahr nach Schätzungen des Center of Automotive Management aus Bergisch-Gladbach weltweit fünf Prozent weniger Pkws absetzen wird, leidet auch der Zulieferer Henkel. Autos sind ein wesentlicher Teil des Bereichs „Transport und Metall“, der 20 Prozent der Klebstoffsparte ausmacht. Henkel rechnet deshalb dieses Jahr nur mit einem organischen Wachstum seiner Klebstoffsparte von minus eins bis plus eins Prozent.

Enge Kooperation mit der Autoindustrie

Auris muss alles daransetzen, um die Position als Weltmarktführer des Geschäftsbereichs zu verteidigen, der Produkte zum Kleben, Dichten und Beschichten produziert. Das heißt: Er muss neue Technologien für Autos, Smartphones und Flugzeuge entwickeln, um Wettbewerber wie die US-Konzerne H.B. Fuller und 3M oder das Schweizer Unternehmen Sika auf Abstand zu halten. „Rund 30 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir mit Produkten, die wir erst in den vergangenen fünf Jahren eingeführt haben“, sagt Auris.

Durch die enge Kooperation mit der Autoindustrie entstehen besondere Klebstoffe wie die für die Frontscheiben. In einem Testcenter des 14 Fußballfelder großen Werks am Rande von Heidelberg greift sich ein weißer Roboter eine Glasscheibe. Er dreht sie, während ein anderer Roboter millimetergenau den Klebstoff rund um die Scheibe aufträgt.

Das muss sehr schnell gehen. Denn in der Autoproduktion von Henkel-Kunden wie BMW, Daimler oder VW wird der Pkw 180 Sekunden nach dem Einkleben auf den Kopf gestellt. Da muss die Scheibe bombenfest sitzen.

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Die Zeiten sind schon lange vorbei, in denen Konzerne wie Henkel fertige Produkte entwickelten und sie dann der Industrie anboten. Heute arbeiten die Entwickler im sogenannten Automotive Application Center in Heidelberg eng mit ihren Kunden zusammen. „Wir steigen immer früher in den Entwicklungsprozess mit der Industrie ein“, sagt Auris. „Wir sprechen immer als Erstes mit den Designern der Unternehmen, um neue Produkte zu entwickeln.“

So arbeitet ein Team in Heidelberg, schon mehrere Jahre bevor ein neues Automodell auf den Markt kommt, an leichteren Konstruktionen für die Karosserie. Ein Entwickler dreht das 3D-Modell einer Autotüre auf dem Computerbildschirm in alle Richtungen, um zu testen, wie sich die Konstruktion noch verbessern lässt. Henkel liefert zwar keine Blechteile, aber spezielle Kleb- und Dichtstoffe, die bei Hitze aufschäumen und sich dann in der Türe verteilen.

Diese speziell für jedes Automodell konstruierten Teile sind leichter als die bisherigen Bleche, aber ebenso stabil. So können die Autohersteller das Gewicht von Elektroautos verringern und einen Teil des Gewichts der großen Batterien ausgleichen.

Produkte für ein paar Cent

Henkel versucht, seine Marktstellung im Klebstoff-Geschäft auch dadurch zu verteidigen, dass es für die Produktion von Autos, Smartphones oder Getränkedosen möglichst viele kleinere Anwendungen vom Kleben über das Abdichten bis zum Beschichten verkauft.

„Unser Anteil an vielen Produkten liegt häufig im Bereich von ein paar Euro oder Cent“, so Vorstand Auris. Henkel sei aber für die Hersteller unverzichtbar, „weil wir mit unseren Lösungen zahlreiche Neuentwicklungen erst ermöglichen“, sagt er selbstbewusst.

Damit dies so bleibt, investiert er kräftig. Am Konzernsitz in Düsseldorf baut Henkel gerade ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum für die Klebstoffsparte für 130 Millionen Euro. Dort sollen künftig 350 Forscher und Entwickler aus bisher 50 Einzellabors zusammenarbeiten.

In Spanien hat der Konzern erst vor Kurzem sein europäisches Fertigungszentrum für die Luftfahrtindustrie eröffnet – eine 35-Millionen-Euro-Investition. Dort arbeitet Henkel daran, das Gewicht und den Treibstoffverbrauch von Flugzeugen mit neuen Technologien und Materialien zu verringern – ein lohnendes Geschäft.

Im zweiten Quartal zumindest ist der Umsatz der Klebstoffsparte mit der Luftfahrtindustrie laut Vorstandschef Hans Van Bylen „zweistellig gewachsen“.

Mehr: Für 2019 musste Henkel seine Prognose kürzen, denn das Beauty-Geschäft läuft nicht wie gehofft. Die Blitzanalyse für das zweite Quartal.

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