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Spinnenseide

Der synthetische Verbundstoff kann Schocks gut absorbieren.

(Foto: dpa)

Kooperation mit Start-up Airbus könnte bald Flugzeuge aus synthetischer Seide herstellen

Airbus schließt eine Kooperation mit dem Start-up Amsilk. Gemeinsam wollen sie Materialien für den Flugzeugbau auf Basis synthetischer Seide entwickeln.
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MartinsriedDie Flugzeugindustrie ist ständig auf der Suche nach neuen Materialien. Kraftstoff ist ein wichtiger Kostenfaktor: So sind leichtere Verbundstoffe wie Carbon zur Fertigung von Flugzeugteilen gefragt.

Airbus wagt sich nun auf einen exotischeren Weg. Der Flugzeugbauer geht eine Kooperation mit dem Start-up Amsilk ein, das eine Faser entwickelt hat, die in ihrer molekularen Zusammensetzung identisch mit Spinnenseide ist.

Amsilk ist mehrheitlich im Besitz der Gründer des Arzneimittelherstellers Hexal, Andreas und Thomas Strüngmann. Am Firmensitz in Martinsried bei München wertete man den Deal mit Airbus als eine Art „technologischen Ritterschlag“.

„Wir sind sehr stolz“, sagte Vorstandschef Jens Klein dem Handelsblatt. Wenn ein Großkonzern wie Airbus eine Technologie prüfe und dann weiterentwickeln wolle, sei dies ein Signal. „Die Technologie hat langfristig enormes Potenzial – auch und gerade finanziell.“

Bei dem Verfahren zur Entwicklung synthetischer Spinnenseide werden Kolibakterien genetisch so manipuliert, dass sie in großen Stahltanks Eiweißstoff produzieren. Daraus wird getrocknetes Seiden-Pulver gewonnen, dass dann in Textilien, Kosmetika oder als Ummantelung von Implantaten genutzt werden kann.

Biosteel („biologischer Stahl“) nennt Amsilk sein synthetisches Seidenprodukt. Der Vorteil gegenüber anderen Werkstoffen: Synthetische Seide ist widerstandsfähig, flexibel und weich.

Das macht es auch für die Luftfahrtbranche interessant. „Der Nachteil von Carbon ist, dass Flugzeuge nach einem Einschlag oft am Boden bleiben müssen, weil Teile ausgetauscht werden müssen“, sagte Klein. Bei Carbonteilen sorgen also schon kleinere Schäden für Probleme im Betrieb. Gefragt sei hingegen Material, das Schocks absorbieren kann. Spinnenseide sei dafür besonders geeignet.

Amsilks Biosteel basiert auf Forschungen von Thomas Scheibel, Professor für Biomaterialien an der Uni Bayreuth. Um die oft schwerfällige Kommerzialisierung solcher Innovationen zu stemmen, wurde Jens Klein geholt. Der Manager hatte bereits Erfahrungen in Großkonzernen wie Fresenius und Evonik gesammelt.

2014 kam er als CEO zu Amsilk. Er brachte viele geschäftliche Kontakte mit in das Unternehmen, wovon das Start-up profitierte. Adidas zum Beispiel präsentierte 2016 den Prototyp eines Schuhs, dessen Obermaterial aus Biosteel-Fasern gefertigt wurde.

Bisher ist es aber die Kosmetikbranche, die das Geschäft von Amsilk am stärksten treibt. „Die Kosmetik ist die am niedrigsten hängende Frucht“, drückte es Klein aus. Herkömmliche Nagellacke dichten in der Regel den Nagel so ab, dass kein Sauerstoff durchkommt. Die synthetisch hergestellten Seidenproteine bilden dagegen im Nagellack einen atmungsaktiven Schutzfilm, so dass ein wasserdampf- und sauerstoffdurchlässiger Lack entsteht.

Langfristig aber habe der Mobilitätssektor mit der Luft- und Raumfahrt und vor allem der Elektromobilität ein noch größeres Potenzial. Hier sei Biosteel bezüglich der Kosten durchaus konkurrenzfähig gegenüber anderen Technologien.

Die Kooperation mit Airbus könnte also ein Signal sein. Airbus und Amsilk wollen nach eigenen Worten eine „neue Ära der Verbundwerkstoffe für den Einsatz in der Luft- und Raumfahrtindustrie“ starten. In der Luftfahrindustrie sind die Anforderungen an Materialien besonders hoch – auch, was die Zulassung betrifft.

Bei dem Verfahren zur Entwicklung synthetischer Spinnenseide werden Kolibakterien genetisch so manipuliert, dass sie in großen Stahltanks Eiweißstoff produzieren.
Amsilk

Bei dem Verfahren zur Entwicklung synthetischer Spinnenseide werden Kolibakterien genetisch so manipuliert, dass sie in großen Stahltanks Eiweißstoff produzieren.

Schnelle kommerzielle Erfolge erwartet Klein hier zwar nicht. Langfristig aber seien die Chancen groß. Airbus zahlt im Rahmen der Kooperation eine Vergütung. Beteiligen wird sich der Flugzeugbauer an dem Start-up aber nicht.

Carsten Rudolph, Geschäftsführer des Netzwerks BayStartUp, beobachtet die Entwicklung von Amsilk, seit es 2006 am Businessplan-Wettbewerb in München teilnahm. „Einen Partner wie Airbus zu gewinnen, ist für jedes Start-up eine Auszeichnung und kann die Unternehmensentwicklung massiv beschleunigen“, sagte er dem Handelsblatt.

Vorstandschef Klein, der in Mannheim studiert und in New York seinen MBA gemacht hat, war bei einer seinen früheren Stationen bei der Holding Bio Capital AG einst maßgeblich an Börsengängen von Beteiligungen in New York und Frankfurt beteiligt. Ob das auch eine Option für Amsilk ist? „Das ist aktuell kein Thema, könnte aber einmal eines werden. Wer weiß.“

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