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Künstliche Intelligenz Diese Funktionen hat der erste intelligente Backofen von Bosch

Der Hausgeräte-Hersteller will den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in seinen Angeboten weiter ausbauen. Bosch selbst bezeichnet das als Testballon.
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BSH hat für die neue Ära des vernetzten Haushalts eine recht gute Ausgangsbasis. Quelle: Unternehmen
Smarter Backofen von Bosch

BSH hat für die neue Ära des vernetzten Haushalts eine recht gute Ausgangsbasis.

(Foto: Unternehmen)

München Wie ein perfekter Schweinebraten aussieht, da hat jeder eine andere Vorstellung. Ein erster intelligenter Backofen von Bosch soll ambitionierten Hobbyköchen jetzt helfen, den Braten zum perfekten Zeitpunkt aus dem Rohr zu nehmen. „Das ist ein erster Testballon“, sagte Thomas Salditt, Manager bei Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) in der Digitalsparte, dem Handelsblatt in München.

Der Konzern arbeite daran, in den nächsten Jahren immer mehr Geräte mit Künstlicher Intelligenz auszustatten. „In Asien ist die Erwartungshaltung der Konsumenten schon deutlich höher, doch schon bald wird das Thema auch in weiten Teilen der westlichen Welt Einzug halten“, ist Salditt überzeugt.

Europas größte Hausgerätehersteller ist derzeit selbst im Umbruch. Anfang Juli verkündete die Bosch-Tochter überraschend den sofortigen Abschied von Vorstandschef Karsten Ottenberg. Im vergangenen Jahr hatte die BSH den ersten Umsatzrückgang seit fast zehn Jahren hinnehmen müssen. In so einer Situation sehe sich ein Alleineigentümer wie Bosch genauer an, welche der vielen Digitalprojekte Ottenbergs sich wirklich auszahlten, sagte ein Insider.

Doch Salditt betont, BSH werde unabhängig von Managementwechseln oder konjunkturellen Schwankungen die Digitalisierung vorantreiben. „Das ist und bleibt ein zentrales Thema.“ BSH werde die Kompetenzen weiter ausbauen, das Thema Software gewinne immer mehr an Bedeutung.

Man werde aber genau darauf achten, welche Entwicklungen einen wirklichen Kundennutzen bringen. KI werde dabei eine zentrale Rolle spielen. „Künstliche Intelligenz ist ein Thema, das sich alle Hersteller derzeit sehr genau anschauen“, sagte Salditt.

Kundeninteresse ist elementar

Das Smart Home, zu Deutsch vernetzter Haushalt, ist in der Branche schon lange Thema. Schon vor Jahrzehnten sprachen Experten vom Kühlschrank, der das Essen selbstständig nachbestellt. Gekommen ist er nicht – weil die Kunden nicht danach verlangten.

Daher ist bei aller Euphorie immer eine gewisse Skepsis angebracht. Inzwischen aber stoßen vernetzte Produkte wie die Waschmaschine, die per App informiert, wenn sie fertig ist, zunehmend auf Interesse. Auch gibt es inzwischen Geschirrspüler, die die Reinigungstabs selbst nachbestellen können.

BSH hat für die neue Ära eine recht gute Ausgangsbasis. Der Konzern hatte bereits vor fünf Jahren die Plattform Home Connect gestartet, an die auch Geräte anderer Hersteller angeschlossen werden können. Vor gut einem Jahr hatte Ottenberg dem Handelsblatt gesagt, mittlerweile sei weltweit eine siebenstellige Zahl von Geräten an Home Connect angeschlossen. Mehr als ein Drittel der Besitzer hätte die Plattform auch regelmäßig genutzt.

Neuere Zahlen gibt es nicht. Die Kunden nutzen Salditt zufolge die vernetzten Geräte beispielsweise oft bereits, um die Kaffeemaschine morgens vom Bett aus zu starten. Dank Home Connect hat BSH so einen vergleichsweise großen Datenpool, um auch Algorithmen für den Einsatz Künstlicher Intelligenz zu programmieren.

Laut Prognosen von IDC dürfte der Smart-Home-Markt in diesem Jahr um mehr als ein Viertel auf mehr als 830 Millionen verkaufte Geräte wachsen. Dabei dominieren Amazon mit Alexa und Google Home mit ihren Assistenten, über die zum Beispiel mit Sprache das Licht gesteuert werden kann. Diese Assistenten könnten dafür sorgen, dass immer mehr Geräte ansteuerbar und digital vernetzt werden. IDC erwartet, dass der Markt in den nächsten Jahren im Schnitt um 17 Prozent wachsen dürfte.

Auch Miele setzt KI ein

An der vernetzten Küche arbeiten auch andere Hersteller. So können Käufer von Miele-Produkten zum Beispiel seit kurzem ihre Waschmaschinen und Trocker über die App [email protected] vernetzen. So könnten sich die Betreiber von Altenheimen, Hotels und Handwerksbetrieben auf dem Smartphone informieren lassen, welche Maschine noch läuft und ob sie einwandfrei funktioniert. Ist ein Flusenfilter zu reinigen oder braucht eine Spülmaschine mehr Klarspüler, meldet sich die App per Pushnachricht.

In den Miele-Backöfen der neuen Generation 7000 sind Kameras, die Bilder auf das Smartphone oder Tablet liefern. Per Klick lässt sich der Zustand eines Menüs überwachen und der Garprozess nachregulieren. „Bei neuen Produkten und Services müssen der Kundennutzen im Mittelpunkt stehen und eine einfache Anwendung das oberste Ziel sein“, sagte Miele-Geschäftsführer Axel Kniehl.

Der Einsatz von KI könnte nun der nächste Schritt bei der Digitalisierung des Haushalts sein. „Das ist ein wahnsinnig spannendes Thema. Wir beschäftigen uns intensiv mit potenziellen Anwendungsbeispielen“, sagte BHS-Manager Salditt. Ziel sei es immer, „das Leben des Konsumenten angenehmer zu machen.“

Künstliche Intelligenz könne vor allem bei der Individualisierung helfen. So könnten Algorithmen das Nutzungsmuster der Konsumenten lernen und den Betrieb gezielt optimieren. Wenn zum Beispiel ein Besitzer nachts um zwei gerne noch etwas aus dem Kühlschrank hole, könne dieser zu dieser Zeit auf die optimale Temperatur, und später in einen Sparbetrieb gehen.

Auch heute noch gilt: Längst nicht alle Digitalträume in der Branche werden Wirklichkeit. Groß angekündigt hatte BSH einen digitalen Küchenassistenten namens „Mykie“. Das Gerät sollte Gesten und Sprache verstehen und im Frühjahr dieses Jahres in die Läden kommen.

Der Besitzer sollte dem Gerät beispielsweise sagen, dass er gern eine Quiche machen würde, aber lieber ohne Speck, sondern mit Lamm. Der Assistent sollte dann das angepasste Rezept zusammenstellen – am besten unter Berücksichtigung der Speisekammer-Bestände – und zum Beispiel auch den Ofen auf die richtige Temperatur einstellen. Daraus wurde aber nichts. In Verbrauchertests hätten Nutzer Mykie nicht so gut angenommen wie erhofft, hieß es.

Der Datenpool ist entscheidend

BHS sei noch in einem Lernprozess, gab Salditt zu. Mykie habe verschiedene Elemente, einige davon werde man weiter verfolgen, auch wenn der intelligente Küchenhelfer als eigenständiges Produkt nicht kommen werde. So werde Sprachsteuerung ein wichtiges Thema. Aktuell arbeitet der Konzern an Konzepten einer direkten Sprachsteuerung. BSH-Geräte lassen sich momentan zum Beispiel über Alexa von Amazon steuern.

Im Vorfeld der Branchenmesse Ifa präsentierte Bosch nun das erste Gerät, das intelligent sein soll. „Der Ofen lernt mit jedem Back- oder Bratvorgang dazu“, erklärte Salditt. Die Algorithmen würden die Erfahrungen aus anderen Öfen, wie lange der perfekte Schweinebraten braucht, ebenso berücksichtigen, wie die individuellen Zubereitungspräferenzen des Besitzers – wenn er ihn beispielsweise besonders kross mag.

Der Ofen greife auf ein Thermometer, das die Kerntemperatur des Fleisches messe, ebenso zurück, wie auf Feuchtigkeitssensoren. Die Werte würden kontinuierlich überprüft. „Der Ofen kann dann optimal vorhersagen, wann das Gericht fertig sein wird“, sagte Salditt.

Basis sind die Sensor-Backöfen der Serie 8 von Bosch, die schon heute permanent den Feuchtigkeitsgehalt im Ofen messen und die Temperatur an den Garzustand anpassen, wenn zum Beispiel ein Kuchen gebacken wird. Ähnlich funktioniert es beim Fleisch mit einem Bratenthermometer. Künftig sollen diese nun zusätzlich mit der Künstlichen Intelligenz ausstatten, die vorhersagt, wann das Essen fertig ist.

Wie immer bei Künstlicher Intelligenz aber gilt: Die Prognosen werden besser, je mehr und je häufiger Haushalte die intelligenten Backöfen nutzen. Der Datenpool ist entscheidend. Doch ob sich die intelligenten Backöfen am Markt durchsetzen, wird sich erst noch zeigen. Das lehrt die Erfahrung mit dem Smart Home.

Mehr: Eine Küchenmaschine mit WLAN und Mikrofon – was kann da schon schiefgehen? Der Thermomix-Konkurrent von Lidl weist gravierende Sicherheitslücken auf.

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