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Künstliche Intelligenz Roboter in der Sinnkrise: Softbank produziert „Pepper“ vorerst nicht mehr

2015 trat der Roboter mit menschlichen Features an, um den Alltag der Menschen zu begleiten. Doch der Durchbruch blieb aus. Eine Chance auf eine Zukunft hat Pepper aber noch.
29.06.2021 - 15:10 Uhr Kommentieren
Softbank stellt den Roboter mit menschlichem Antlitz nicht mehr her. Quelle: Reuters
Roboter Pepper

Softbank stellt den Roboter mit menschlichem Antlitz nicht mehr her.

(Foto: Reuters)

Tokio Das Aufsehen war groß, als das Maschinenwesen mit menschlichem Aussehen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Gestatten: „Pepper“, so groß wie ein Schulkind, mit großen Augen, beweglichen Fingern und einem Display auf der Brust.

Doch die Karriere des einst gefeierten Robotermodells erfährt nun einen harten Bruch. Denn der Hersteller und Technikinvestor Softbank hat dem maschinellen Gefährten vorerst den Stecker gezogen.

Wie jetzt in Japan bekannt wurde, hat das Unternehmen schon 2020 die Produktion seines Aushängeschilds gestoppt, weil wegen fehlender Nachfrage immer mehr Peppers im Lager stehen blieben. Softbank Robotics erklärte der Wirtschaftszeitung „Nikkei“ zwar, dass die Produktion wieder aufgenommen werde, sobald die Nachfrage anziehe. Aber dafür gibt es bisher keine Anzeichen. Stattdessen forciert die Robotersparte des Konzerns nun die Entwicklung von Nutzwertrobotern für Unternehmenskunden.

Damit nimmt die Laufbahn eines der ambitioniertesten Partnerroboter eine tragische Wende. Als Softbank-Chef Masayoshi Son Pepper 2015 als die Erfüllung seines Jugendtraums vorstellte, orakelte er, dass jener Tag in die Geschichtsbücher eingehen werde. Pepper sollte der erste in Großserie produzierte Partner- und Kommunikationsroboter werden, der dank Künstlicher Intelligenz die Menschen begeistern kann.

So stellte Son auch das Geschäft auf. Als Produktionspartner gewann er den größten Auftragsfertiger der Welt, Foxconn aus Taiwan. Die chinesische Onlinehandelsplattform Alibaba hatte er für den Vertrieb eingeplant und die ambitionierte Marschroute vorgegeben: „In 30 Jahren werden smarte Roboter ein Kerngeschäft Softbanks sein“, versprach Son.

Roboter Pepper: Starker Start, schwache Verkäufe

Bei einem Kaufpreis von unter 2000 Euro schlugen auch viele Unternehmen zu, um Pepper auf Kundenfang zu schicken. Doch mit der Zeit ereilte Pepper das Schicksal vieler anderer Roboter, die direkt unter Menschen leben sollten: Entweder sprach er mit sich selbst, weil kaum ein Kunde zweimal hielt, um mit ihm zu sprechen. Oder er stand ausgeschaltet mit hängendem Kopf in einer Ecke des Geschäfts herum.

Das Problem: Die Ambitionen seiner Schöpfer waren größer als die Funktionen und intellektuellen Fähigkeiten des Roboters. Pepper sollte sogar eigene Gefühle entwickeln, hatte Son versprochen.

Aber das gelingt nur auf den ersten Blick. Pepper kann nett tanzen oder spritzige Dialoge führen, aber nur wenn man ihm die Kunststücke vorher haargenau eingegeben hat.

Damit war die Enttäuschung vorprogrammiert. Denn mit freien Gesprächen hatte die Roboterinteraktion nichts zu tun, sagt Akemi Tsunagawa, die Gründerin des Start-ups Bespoke.

Sie entwickelt smarte Chatbots, die durch Künstliche Intelligenz mit Nutzern kommunizieren. Als sie vor fünfeinhalb Jahren begann, Chatbots an Hotels zu verkaufen, sah sie Pepper oft in den Lobbys. Nur überforderte es seine Besitzer, ihm Leben einzuhauchen.

„Das Gehirn von Pepper muss separat eingerichtet werden“, erklärt die Expertin die Schwachstelle im Konzept. „Es gab nur wenige Einrichtungen, die in der Lage waren, Pepper richtig zu nutzen.“ Sie wundert sich daher, dass Pepper nicht schon früher ausgeschaltet wurde.

Roboter sind wichtige Helfer im Alltag geworden

Andere Hersteller haben den Abschied von komplexen Humanoiden schon früher vollzogen. Denn die Hardware ist schlicht noch zu teuer für einen Massenmarkt, und die Künstliche Intelligenz ist noch immer nicht ausgereift genug, um viel mehr als spezialisierte Chatbots zu betreiben.

Doch damit stoppen die Roboter ihren Vormarsch in den Alltag nicht, sondern versuchen, an anderen Stellen einzuhaken.

Ein Ansatz sind simple Kommunikationsroboter, die sich kaum bewegen können und an die Kunden keine hohen Erwartungen stellen. Der Elektronikkonzern Panasonic hat gerade eine Art Strickkissen mit Schwanz finanziert. „Nicobo ist ein schwacher Roboter, der im Schlaf spricht, pupst und wie ein Mitbewohner ist, der die Menschen zum Lächeln bringt“, werben die Entwickler.

Ein anderer Weg sind nutzwertige Helfer. Sie kommen oft in der Gestalt bekannter Produkte daher, die durch Sensoren und Motoren automatisiert werden. Roboterstaubsauger sind ein auch in Europa bekanntes Beispiel.

In Japan gibt es allerdings noch weitere Hits. High-End-Klos öffnen dort schon seit Jahren selbst die Deckel, spülen und föhnen das Gesäß und betätigen die Spültaste.

Softbanks Robotertraum lebt fort – mit Nutzwertrobotern

Auch Sons Vision, in 30 Jahren zu einem großen Roboterhersteller zu werden, ist noch nicht ausgeträumt. Zwar verkaufte Softbank den legendären US-Roboterhersteller Boston Dynamics, den die Japaner von Google erworben hatten, an Südkoreas Autohersteller Hyundai.

Aber Softbank Robotics ist ebenfalls auf Nutzwert umgeschwenkt und bringt nun Roboter für Restaurants auf den Markt. Das Modell „Whiz“ saugt schon länger automatisch in Restaurants.

Der Kunde fährt den Roboter an einen festgelegten Startpunkt, und schon spult Whiz seinen gespeicherten Raumplan ab. Mit dem größeren „RS26“ werben die Pepper-Väter nun auch um Unternehmen, die größere Hallen unbemannt reinigen wollen.

Statt auf humanoide Modelle setzt Softbank auf Roboter, die automatisiert Nutzen bringen. Quelle: Issei Kato
Pepper und Whiz

Statt auf humanoide Modelle setzt Softbank auf Roboter, die automatisiert Nutzen bringen.

(Foto: Issei Kato)

Im Herbst 2020 stellte Softbank zudem „Servi“ vor, eine Weiterentwicklung des Servierroboters von Softbank-Partner Bear Robotics. Der rollende Serviertisch hat zwei Tablett-Ebenen und einen Korb für abgeräumtes Geschirr. Er kann mit bis zu 35 Kilogramm an Speisen und Getränken beladen werden.

Derzeit läuft in Japan eine Testkampagne für das Modell. Die ersten 1000 Bewerber können Servi einen Tag lang kostenlos testen.

Die Ideen reichen noch nicht aus, um die geplatzten Pepper-Träume aufzuwiegen. Laut Medienberichten will Softbank Robotics weltweit Personal abbauen, darunter auch in Frankreich, wo Softbank den bekannten Roboterentwickler Aldebaran gekauft hatte. Aber die Pläne bleiben ambitioniert.

Um dem Geschäft mit Unternehmenskunden mehr Schwung zu verleihen, gründete Softbank im Februar ein Joint Venture mit dem japanischen Haushaltsgerätehersteller Iris Ohyama. Bis 2025 will das Duo immerhin Nutzwertroboter im Wert von 800 Millionen Euro verkaufen.

Mehr: Streichelroboter im Test: Wenn Minimaschinen sich in Herzen schnurren sollen

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