Kulturfieber scheint ausgebrochen Schlangestehen als sozialer Akt

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Norman Rosenthal von der Royal Academy of Arts.

Norman Rosenthal von der Royal Academy of Arts.

Drei Fragen an Norman Rosenthal

"Was nützt es, wenn ein Vermeer irgendwo einsam hängt", sagt Norman Rosenthal, der als Exhibitions Secretary an der Royal Academy of Arts in London zuständig für alle Leihgaben ist, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Fragen stellte Juliane Lutz:

Herr Rosenthal, bei dem Ausstellungsboom, der derzeit herrscht, reisen ständig sehr kostbare Kunstwerke durch die ganze Welt. Schadet das nicht den Exponaten?

Kunst lässt sich nur am Leben erhalten, indem man sie ausstellt. Was nützt es, wenn ein Vermeer irgendwo einsam hängt? Wer nur ein Bild von ihm sieht, der versteht ihn nicht. Aber in einer guten Ausstellung, geschickt in Bezug gebracht zu anderen Werken und Künstlern, kann mancher seine Freude an ihm entdecken. Ausstellungen sind zudem demokratisch - durch sie bekommen viel mehr Leute die Chance, bestimmte Kunstwerke zu sehen. Wenn auch nur ein Besucher durch einen Besuch einen positiven Anstoß für sein Leben bekommt, dann ist das allein schon Rechtfertigung genug für eine Ausstellung.

Was halten Sie von der Tendenz zu so genannten Blockbuster-Ausstellungen?

Mir gefällt der Begriff nicht. Er klingt so abwertend. Manche Ausstellungen müssen groß sein, um Kunst zu beweisen. Und Erfolg ist gut für die Kunst. Zudem gab es schon immer Mega-Schauen, zum Beispiel die Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris. Da kamen Millionen.

Was zieht die Leute so massenhaft in Museen und Ausstellungshallen?

Sie haben Lust, schöne Dinge zu sehen, und wollen etwas lernen. Kultur macht den Menschen doch schließlich erst aus.

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