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LaserkommunikationWie der Raketeningenieur Bulent Altan die Welt mit schnellem Internet versorgen will

Bulent Altan hat Raketen für Elon Musk entwickelt. Bei der Münchener Firma Mynaric treibt er den Bau von Weltraumlasern voran – und will so auch die europäische Raumfahrt stärken.Felix Holtermann 26.10.2022 - 07:38 Uhr Artikel anhören

Der Manage mit türkischen Wurzeln gehörte zu den ersten Mitarbeitern von SpaceX.

Foto: Mynaric

New York. Lange stand die private Raumfahrtbranche nicht mehr so im Fokus wie heute. Der Krieg in der Ukraine zeigt, welchen Unterschied Satellitenkonstellationen wie Starlink machen können. Die Tochter von Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX versorgt die ukrainischen Truppen mit schnellem Internet. Und geht es nach Bulent Altan, dann soll das Internet aus dem Weltraum in Zukunft noch schneller werden.

„Die Welt sieht aktuell, was Satelliten leisten können“, sagt der Mynaric-Chef. Laut seiner Vision sollen bald viele Trabanten mit Technik der Münchener Weltraumfirma ausgestattet sein: Das 2009 gegründete, in Frankfurt und New York an der Börse notierte Unternehmen stellt hochentwickelte Laser her.

Diese erlauben Flugzeugen, Satelliten und Raketen, untereinander und mit Bodenstationen zu kommunizieren – und das mit bis zu zehn Gigabit pro Sekunde, also einer deutlich höhere Datenrate als per Funk.

Die Technik könnte bald noch wichtiger werden – Beispiel Ukrainekrieg: „Die russischen Truppen haben Mobilfunktürme zerstört. In künftigen Konflikten könnten Unterseekabel zum Ziel werden“, sagt Altan. „Und schon ist eine Region abgeschnitten vom Internet.“ Ähnliches könne bei einer Naturkatastrophe passieren. „Satellitenkonstellationen wie Starlink oder künftige europäische Alternativen können das verhindern“, sagt Altan.

Spätestens seit der Versorgung der Ukraine mit Internet ist Starlink weltweit ein Begriff. Doch nur wenige Leute kennen Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX so gut wie Altan: Der in Istanbul geborene Manager, der heute in Los Angeles und München lebt, war einer der ersten Mitarbeiter.

Altan studierte Informatik an der TU München, danach in Stanford Luft- und Raumfahrt. Dort trifft er 2004 den Mann, der sein Leben verändern sollte. „Ich war in einer Studentengruppe, die Kleinsatelliten baute“, berichtet er. Eines Tages besucht Elon Musk die Uni und stellt seine Idee einer privaten Weltraumfirma vor. Die Studenten imponieren dem Unternehmer sofort. „Ich war der dritte in meiner Freundesgruppe, den Elon eingestellt hat.“

Altan erinnert sich genau an das Einstellungsgespräch. SpaceX sitzt bei Los Angeles. „Elon sagte: ,Ich habe gehört, du willst nicht nach L. A., da deine Frau bei Google arbeitet. Ich habe schon mit [Google-Gründer] Larry Page gesprochen. Deine Frau arbeitet ab sofort von L. A. aus. Was sagst du jetzt?'“ Tatsächlich wird Altans Frau einen Arbeitstag später versetzt, obwohl Google in Los Angeles kein Büro hat. Altan zieht hinterher und fängt bei SpaceX an.

Schneller Aufstieg bei SpaceX

Schnell steigt der Ingenieur auf. Als einer von drei Vice Presidents ist er verantwortlich für die Entwicklung der Raketen und wird Avionics-Chef, also Leiter der Raketen- und Kapselsteuerung. Die Hälfte des Jahres ist er unterwegs, oft in Texas und in Florida, wo die Raketen getestet und gestartet werden. „Ich mag es, Sachen anzufassen. Nur Powerpoint-Folien im Büro anzuschauen ist nicht meins“, sagt Altan.

2015 und 2016 nimmt Altan eine Auszeit von SpaceX, geht zu Airbus. „Aber die Konzernkultur war nichts für mich.“ Noch einmal kehrt er zurück zu Musks Firma, bevor er sie 2017 endgültig verlässt. „SpaceX ist großartig, aber auch eine etwas introvertierte Firma. Ich musste meinen Horizont erweitern, wollte sehen, was wir in der europäischen Raumfahrt erreichen können“, erklärt er.

15 Jahre lang entwickelte Bülent Altan unter anderem die Falcon-Raketen des Raumfahrtunternehmens in Kalifornien.

Foto: Reuters

In München gründet Altan mit Partnern Alpine Space Ventures, einen Wagniskapitalgeber für Raumfahrtprojekte. Davor investiert Altan bereits privat in die Raketenfirma Isar Aerospace.

Partner Joram Völklein schwärmt von den Fähigkeiten Altans: Als einer der wenigen Europäer habe der es in der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbranche geschafft: „Bulent hatte einen großen Anteil an der Entwicklung der wiederverwendbaren Rakete, die den Erfolg von SpaceX erst möglich gemacht hat.“

Wachstumsmarkt Space-Laser

Nur als Investor will Altan nicht arbeiten. 2019 zieht es ihn auf die operative Seite zurück. Er wird Chef von Mynaric. Die Geschäftsidee fasziniert ihn. „Bei SpaceX haben wir uns schon früh damit beschäftigt, wie Satelliten miteinander kommunizieren können“, erklärt Altan den Ansatz. „Per Laser können Daten schneller und abhörsicher übertragen werden.“

Das Ziel: schnellere Internetverbindungen im Auto unabhängig von Funklöchern, auf Schiffen und in Flugzeugen. Ihre größte Stärke spielen die Laser beim Einsatz in Satellitenkonstellationen aus: Selbst wenn ein Satellit keinen Kontakt zu einer Bodenstation hat, kann er per Laser mit anderen Trabanten Kontakt aufnehmen – und so mittelbar mit einer weit entfernten Bodenstation kommunizieren. Das kann leistungsfähiges Internet auch in entlegenste Erdteile bringen.

Bisher ist das noch Zukunftsmusik. Die erste Generation der Starlink-Satelliten hat keine Laser an Bord, erst mit der zweiten Generation ist das Standard. Und die Laserterminals kommen bisher nicht von Mynaric – „was wir ändern wollen“, wie Altan sagt.

Wettbewerber Airbus ist seit vielen Jahren am Markt aktiv, SA Photonics stattet das US-Militär mit Laserterminals aus. Aber auch Mynaric hat bereits Großkunden gewonnen: Im März erhielt das Start-up einen 36 Millionen Dollar schweren Auftrag von Northrop Grumman.

Mynaric hat ambitionierte Ziele

Noch ist Mynaric klein. Im vergangenen Jahr machte die Firma 2,7 Millionen Dollar Umsatz bei einem Vorsteuerverlust (Ebit) von 49 Millionen Dollar. Aufgrund von Lieferkettenproblemen dürften die Erlöse im laufenden Jahr stagnieren, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Verlust werde zudem zulegen.

Zu Absatzzielen hält sich Altan bedeckt. 2030 könnten ganze 100.000 Kleinsatelliten gebraucht werden, schätzt er, drei Viertel könnten mit Lasern ausgestattet sein.

Ob OneWeb aus Großbritannien, Kuiper von Amazon, Telesat aus Kanada, Starlink oder künftige europäische Lösungen: „Es gibt keine westliche Satellitenkonstellation, mit der wir nicht sprechen“, sagt Altan. Auch die Bundeswehr sei interessiert. Für die „Secure Connectivity Initiative“ der EU will Mynaric an einer Demonstrationsmission mitarbeiten. Die Nachfrage steigt rasant – in den Auftragsbüchern hat die Firma schon mehr als 250 Einheiten.

Rasche Absatzerfolge dürften auch die Investoren herbeisehnen: Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn analog zu anderen Tech-Werten um mehr als 60 Prozent eingebrochen. 108 Millionen Dollar ist Mynaric an der Börse noch wert. Forrester-Analyst Phil Brunkard hält aber die Technik für vielversprechend. „Setzt sich die Laserkommunikation durch, wird das die Satellitenbranche umwälzen“, sagt er.

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Noch gebe es jedoch Herausforderungen zu überwinden, sagt Brunkard: „Die Technologie befindet sich noch in einem frühen Stadium. Bei der Kommunikation zurück zur Erde kann es Störungen durch Wolken und Feuchtigkeit geben. Und die Abwärtskompatibilität zu bestehenden Satellitenkonstellationen ist nicht gegeben.“ Dennoch glaubt der Raumfahrtexperte daran, dass sich die Technik durchsetzt. „Die Nachfrage ist da.“

Anfang 2023 steht für Mynaric der bis dato wichtigste Schritt der Firmengeschichte an: Eine SpaceX-Rakete soll die ersten Telesat-Satelliten mit Mynaric-Lasern an Bord in den Orbit bringen. Altan will beim Start dabei sein.

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