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Luftfahrt Das Flugtaxi-Start-up Fly Now will sich mit einem neuen Ansatz im Markt beweisen

Das Salzburger Start-up will seine üppig finanzierten Wettbewerber mit einer besonderen Strategie schlagen: einem Einsitzer und automatisierten Flügen.
18.05.2021 - 04:17 Uhr Kommentieren
Das Start-up setzt auf automatisches statt autonomes Fliegen. Foto: FlyNow
Fly-Now-Drohne

Das Start-up setzt auf automatisches statt autonomes Fliegen.

Foto: FlyNow

Düsseldorf, Frankfurt Nur ein Sitz statt fünf oder sieben und ein automatisierter Kurzstreckenflug ohne Pilot auf festgelegten Routen: Ein Team ehemaliger Audi- und BMW-Mitarbeiter will mit dem Start-up Fly Now und einem neuen Ansatz in den globalen Flugtaxi-Wettbewerb eingreifen. Schon 2023 soll der Betrieb der eigenen Drohne starten, sagten die Mitgründer Markus Kampitsch und Jens Steingräber dem Handelsblatt.

Die Ziele der Salzburger Firma scheinen noch ehrgeiziger als die großer Konkurrenten: Bislang ist noch kein Prototyp überhaupt abgehoben. Dennoch soll es in zwei Jahren mit den ersten kommerziellen Flügen losgehen. Das planen auch Joby Aviation aus den USA und Lilium aus Deutschland. Die arbeiten aber schon seit Jahren an ihren Flugvehikeln und haben jüngst bei Börsengängen Hunderte Millionen eingesammelt. Fly Now wurde erst 2019 gegründet und hat bisher drei Millionen Euro investiert. Wie soll das funktionieren?

Kampitsch und Steingräber verweisen auf ihren „evolutionären Ansatz“: Das Grundmodell ihrer Drohne soll ebenso für den Waren- wie für den Personentransport einsetzbar sein. So könnte das Start-up mit der Lieferung von Europaletten Flugerfahrung und -daten sammeln und sich den Weg zur Zertifizierung ebnen. Die Zulassung für den Personentransport gilt als die größte Hürde in dem Geschäft.

„Wir wollen das Fluggerät so dumm wie möglich halten.“ Foto: FlyNow
Jens Steingräber

„Wir wollen das Fluggerät so dumm wie möglich halten.“

Foto: FlyNow

Auch diese „Königskür“ will Fly Now von Beginn an ohne Pilot vollführen. „Es braucht bestenfalls Bodenpersonal, das Passagiere zum richtigen Fluggerät führt und die Fensterscheibe wischt“, sagt Finanzchef Steingräber.

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    Möglich werde das durch eine zweite Besonderheit: automatisches statt autonomes Fliegen. „Sie können sich das wie eine Seilbahn vorstellen – nur ohne Seil“, sagt Technologiechef Kampitsch. Während autonome Fluggeräte überall hinfliegen könnten, gehe es hier lediglich um „das reine Abfliegen von Wegpunkten“. Das sei seit Jahrzehnten möglich, sagt der promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur.

    „Wir wollen das Fluggerät so dumm wie möglich halten“

    Tatsächlich steuern Jets am Himmel schon lange von einem Navigationspunkt zum nächsten – häufig gelenkt vom Autopiloten an Bord. Allerdings überwachen immer noch zwei Flugzeugführer diesen Vorgang und können im Notfall eingreifen. Sonst würde wohl kaum ein Fluggast einsteigen.

    Die Fly-Now-Gründer sind gleichwohl von der Sicherheit ihres Systems überzeugt. „Wir wollen das Fluggerät so dumm wie möglich halten“, sagt Steingräber. Konkret heißt das: Die Drohne soll gar keine komplizierten Entscheidungen treffen können. Vielmehr soll eine übergeordnete Instanz eine Flugroute festlegen und ein Zeitfenster vergeben. Ein Unfallvermeidungssystem soll unerwartete Hindernisse erkennen. Es soll die Drohne automatisch in der Luft stoppen, bis der Weg wieder frei ist.

    „In ersten Einsatzszenarien wollen wir die Überbrückung von geografischen Hindernissen – also ein Tal, der Gardasee oder der Bosporus – bewerkstelligen“, sagt Kampitsch. Zudem hat das Team Häfen als potenzielle Abnehmer für Cargo-Drohnen identifiziert.

    „Sie können sich das wie eine Seilbahn vorstellen – nur ohne Seil.“ Foto: FlyNow
    Markus Kampitsch

    „Sie können sich das wie eine Seilbahn vorstellen – nur ohne Seil.“

    Foto: FlyNow

    So werde etwa im Hamburger Hafen bereits ein Drohnenprojekt durchgeführt, für das sich Fly Now bewerben will. „Lieferungen in kleineren Losgrößen wie die Bordapotheke und persönliche Waren für die Leute auf dem Schiff lassen sich super über eine Drohne abwickeln“, sagt Kampitsch. Außerdem sei man mit Behörden in Ruanda wegen eines Testlaufs mit Medikamentenlieferungen im Gespräch.

    Allerdings: Am Hamburger Hafen träumt man von Industriedrohnen, die zum Beispiel Ölproben ins Labor fliegen. Und das Unternehmen Zipline hat nach eigenen Angaben in mehreren Ländern Afrikas bereits 130.800 kommerzielle Lieferungen ausgeführt – mit einer Traglast von wenigen Kilo. Fly Now muss sich hier erst noch behaupten.

    Grafik

    Die 210 Kilogramm schwere Drohne der Firma soll eine Person oder 120 Kilogramm Nutzlast transportieren. Die aktuelle Batterietechnik schafft dabei eine Strecke von bis zu 50 Kilometern bei einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde und einer Flugdauer von maximal 30 Minuten. Stolz sind die Gründer auch auf den in Simulationen erreichten „Soundpegel eines Geschirrspülers“, wie Steingräber sagt. Das wird entscheidend, wenn es um die Zulassung für Wohngebiete geht.

    Aber gibt es im Markt überhaupt Bedarf für Fly Nows „Brückentechnologie“? Georg Stockinger vom Berliner Fly-Now-Investor Paua Ventures sieht die noch vagen Pläne gelassen. „Der nächste Schritt ist, die Drohne zu bauen und den Jungfernflug zu beweisen, und das wird ungefähr in einem halben Jahr passieren“, sagt er. Erst dann könne man ernsthaft mit möglichen Abnehmern oder Pilotkunden sprechen. Derzeit wird dafür eine Finanzierungsrunde über mindestens zehn Millionen Euro geplant.

    Die Drohne soll eine Person oder 120 Kilogramm Nutzlast transportieren. Foto: FlyNow
    Fly-Now-Drohne

    Die Drohne soll eine Person oder 120 Kilogramm Nutzlast transportieren.

    Foto: FlyNow

    Investoren und Unternehmer weltweit glauben, dass Flugtaxis im Mobilitätsmix der Zukunft einen Platz haben werden. Schätzungsweise bis zu 400 Start-ups und Ableger etablierter Unternehmen arbeiten an elektrisch startenden Flugvehikeln. Die meisten fokussieren sich auf den Transport von Menschen in Metropolregionen und über längere Distanzen von bis zu 300 Kilometern. Im ersten Schritt gelten sie vor allem als Alternative zum Taxi oder zum ICE für Manager und gut betuchte Touristen.

    Auslese bei Flugtaxifirmen erwartet

    Aus der Sicht von Stockinger ist das Fly-Now-Konzept insbesondere für Städte geeignet, die durch einen Fluss getrennt sind. „Wenn man dort über die nächste Brücke muss und im Stau steht, braucht man zwei bis drei Stunden für eine Strecke, die man in ein paar Minuten überfliegen könnte“, sagt er.

    Angesichts vieler technischer und regulatorischer Herausforderungen warnen Kritiker allerdings vor überzogenen Erwartungen, selbst innerhalb der Szene. „Weltweit werden über 400 Konzepte für elektrische Senkrechtstarter entwickelt. Die große Mehrheit davon wird kommerziell niemals zu realisieren sein“, warnt Brandon Robinson, CEO und Mitgründer des Flugtaxiunternehmens Horizon Aircraft.

    Stockinger weiß, dass Fly Now zu seinen risikoreicheren Investments zählt. Neben der Strategie für die Markteinführung und der Erfahrung der Gründer mit Mobilitätskonzepten hat ihn die Kostenstruktur überzeugt. Einerseits fallen vergleichsweise geringe Infrastrukturkosten an. Statt komplexer Vertiports braucht Fly Now im Grunde nur ein kleines Ladepad, mit dem sich der Drohnen-Akku nach der Landung sofort verbindet und wieder auflädt. Hinzu kommen eine Sicherheitszone und Brandschutzmaßnahmen.

    Andererseits sind die kalkulierten Stückkosten niedrig. Fly Now rechnet mit einem Verkaufspreis von 68.000 Euro und 50.000 Euro Marge. Wettbewerber wie das deutsche Volocopter und das chinesische Ehang starten bei fast 300.000 Euro. Zugrunde liegen Schätzungen von 10.000 jährlich produzierten Drohnen ab dem dritten Jahr.

    Mehr: Flugtaxifirma Lilium geht an die Börse – und will mit Siebensitzer den Durchbruch schaffen

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