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Marktführer Torqeedo Das Geschäft mit Elektro-Booten boomt

Auch auf dem Wasser ist der Diesel unter Druck. Insbesondere in der Binnenschifffahrt sind Elektroantriebe schon heute eine realistische Alternative.
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Elektroboot

München Wenn Klima-Aktivistin Greta Thunberg auf der Hochsee-Yacht „Malizia“ in einigen Tagen in New York ankommt, werden beim Andocken und für den Transport der Passagiere an Land kleine Boote mit Elektromotor zum Einsatz kommen. Die Elektromobilität ist auf kleineren Strecken auch auf See ein großes Thema geworden.

Davon profitiert insbesondere der deutsche Weltmarktführer bei Elektromotoren für Boote, Torqeedo, der auch die Antriebe für Thunbergs Tenderboote zur Verfügung stellt. Man mache die Mobilität auf dem Wasser „sicherer, sauberer und nachhaltiger“, sagte Torqeedo-Gründer Christoph Ballin.

Die Perspektiven der Elektromobilität auf dem Wasser hatte Torqeedo früher als andere Unternehmen erkannt – und ist heute unangefochtener Marktführer mit derzeit laut Branchenschätzungen etwa 40 Millionen Umsatz und einem Weltmarktanteil von 50 Prozent. Das Wachstumspotenzial ist nach Einschätzung Ballins enorm: „In einigen Jahren kann der weltweite Markt 1,5 Milliarden Euro groß sein.“

Davon profitiert auch Deutz, zu dem Torqeedo seit knapp zwei Jahren gehört. Der traditionsreiche Motorenbauer wollte sich Expertise bei Elektroantrieben zu kaufen. „Die Entwicklungen in der Automobilindustrie kommen zeitverzögert auch immer bei uns an“, sagte Deutz-Chef Frank Hiller dem Handelsblatt.

Es sei klar gewesen, dass Elektro auch bei Offroad-Motoren und bei Antrieben für den Materialtransport zum Beispiel mit Gabelstaplern kommen werde. Torqeedo könne auch nach der Übernahme in seinem Kernsegment Wasser wachsen – und Deutz profitiere vom Technologie-Transfer in die neue Sparte E-Deutz. „Eine Win-win-Situation.“

Mit Booten hatte Torqeedo-Gründer Ballin früher nicht viel im Sinn. Doch als der damalige Gardena-Manager nach Starnberg zog, kaufte er sich doch ein altes Holzboot . Der See war nah. Von dem Elektromotor – auf dem Naherholungssee sind nur solche zugelassen – war sein Kollege, der Gardena-Technikvorstand Friedrich Böbel nicht sonderlich angetan. Er kannte sich ein wenig aus, auch in der Gartengeräte-Branche sind Elektroantriebe für Rasentrimmer und Mäher ein großes Thema.

Und so beschlossen die beiden, selbst einen Elektromotor zu entwickeln. „Wir haben uns damals gesagt: Wir können das beste Produkt der Welt entwickeln“, erinnert sich Ballin.

Weniger Wartung, mehr Effizienz

Der selbstbewussten Ansage ließen die beiden Gründer Taten folgen. Mit ihrem Unternehmen Torqeedo stießen sie in eine Marktlücke. Damals gab es zum Beispiel für Verleihboote handwerklich gefertigte Antriebe mit konventioneller Motortechnik und Bleibatterien. Die Ex-Gardena-Manager entwickelten Hightech-Motoren mit deutlich besserem Wirkungsgrad und Lithium-Batterien.

Das Unternehmen setzte von Anfang an auf sogenannte bürstenlose, elektronisch kommutierte Motoren. Bei klassischen Elektroantrieben mit Schleifkontakten liegt das magnetische Feld, in dem das Drehmoment erzeugt wird, recht weit innen. Dadurch ist diese Bauweise eher drehmomentschwach. Braucht man das Boot nur für die Annäherung beim Angeln, ist das kein Problem. Doch sind die Ansprüche heute höher.

Bei den Torqeedo-Motoren rotieren die Magneten außen um den Stator. Weil auf der Außenseite mehr Platz ist, können zudem doppelt so viele Magneten verwendet werden. Die Folge ist ein viel höheres Drehmoment mit einer besseren Beschleunigung. Die Motoren des bayerischen Unternehmens erzeugen zudem das für den Motorenlauf benötigte Wechselfeld über eine elektronische, digitale Schaltung. Klassisch erfolgte das über Schleifkontakte, sogenannte Bürsten. Der Verzicht darauf erhöht die Effizienz und erfordert weniger Wartung.

Von effektiveren Motoren profitieren nicht nur die wohlhabenden Bootsbesitzer am Starnberger See. „Früher musste man sich überlegen: Bis zu welchem Restaurant am See kann ich fahren“, sagt Ballin. Heute sei die Reichweite wegen des höheren Wirkungsgrades auf Gewässern wie dem Starnberger See kaum noch ein Thema.

Zum Start von Torqeedo war der Elektromotor-Markt für Boote eine von vielen vernachlässigte Nische. Heute sieht das ganz anders aus. Die Energiewende ist auch zu Wasser ein großes Thema geworden. Weltweit pendeln viele Fähren schon geräusch- und abgasfrei über die Gewässer, auch die Besitzer von Segeljachten fahren so gern in den Hafen ein.

Die Weltklimakonferenz hatte die Energiewende auch auf hoher See ausgerufen. Gerade große Containerschiffe sind oft wahre Dreckschleudern, Ruß und Stickoxide werden meist ungefiltert ausgestoßen. Vollelektrische Antriebe sind bei Schiffen noch in weiter Ferne, hier arbeiten die Anbieter eher an Filterlösungen und zum Beispiel an Motoren, die mit LNG, also Flüssiggas betrieben werden.

Fähren sollen elektrisch fahren

Ganz anders sieht das bei Booten und Fähren auf Binnengewässern aus. So entwickelt zum Beispiel die Schweizer Werft Shiptec hybridelektrische Antriebe, meist eine Mischung aus Diesel- und Elektroantrieb. Der neue Katamaran „Bürgenstock“ auf dem Vierwaldstätter See zum Beispiel fährt bei Langsamfahrten in Stadtnähe im Batteriebetrieb.

Wenn der Schiffsführer weiter draußen beschleunigt, schaltet der Antrieb automatisch auf Diesel um – dann werden auch die Batterien wieder aufgeladen, die das Bordnetz mitversorgen. „In den letzten fünf Jahren ist so viel Bewegung in den Markt gekommen wie in den 50 Jahren zuvor nicht“, sagt Shiptech-Manager Martin Einsiedler.

Der Fährbetrieb ist auch für Torqeedo ein wichtiges Thema. Vor einigen Monaten nahm der thailändische Premierminister Prayut Chan-o-cha in Bangkok das erste vollelektrische Boot mit einem Torqeedo-Motor für den Pendelverkehr in Betrieb. Die Fähre sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Smart City mit einem umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrssystem, sagte Ekarin Vasanasong vom Betreiber KT BMA – und kündigte an, schon bald mehr Schiffe mit batterieelektrischem Antrieb in die Flotte aufzunehmen.

So einen großen Markt als Start-up zu entwickeln ist eine Herausforderung. Da zudem klar war, dass die frühen Venture-Capital-Investoren wie zum Beispiel Intershop-Gründer Stephan Schambach eines Tages den Exit suchen würden, entschieden sich die Torqeedo-Eigner für den Verkauf. Er habe einige Start-up-Ratgeber gelesen, sagt Ballin, und da habe ein Ratschlag gelautet: „Man sollte nicht an die verkaufen, die die höchste Bewertung bieten, sondern an die, mit denen man auch in schwierigen Zeiten gut und verlässlich zusammenarbeiten kann.“  Und da erschien ein großes S-Dax-Unternehmen wie der Motorenbauer Deutz mit seinen zuletzt knapp 1,8 Milliarden Euro Umsatz als genau der richtige Partner.

Seit knapp zwei Jahren gehört das Gilchinger Unternehmen nun zu Deutz. „Wir können viele Synergien nutzen“, sagt Ballin. Wenn E-Deutz erst einmal voll entwickelt sei, sagt Ballin, könne man zum Beispiel gemeinsam Teile kaufen und Antriebe entwickeln, die modifiziert in beiden Anwendungen genutzt werden können.

Auch Deutz-Chef Hiller ist mit den ersten beiden Jahren sehr zufrieden. Es sei von Vorteil, dass Torqeedo eigentlich auf ganz anderen Gebieten aktiv sei. Das frühere Start-up habe das Know-how, um ganze Systeme zu entwickeln. Das Applikationswissen zum Beispiel im Agrarbereich aber liege bei Deutz – so komme es nicht zu Kompetenzstreitigkeiten. „Die Projekte laufen gut an.“ Erste Prototypen mit E-Motoren seien bereits ausgeliefert, im nächsten Jahr ist Serienstart.

Torqeedo weitet die Produktpalette kontinuierlich aus und setzt dabei auf vollintegrierte Systeme. Wichtig sei es, immer die überlegene Lösung zu haben, sagt Ballin. Es reiche nicht, einen umweltschonenden Motor zu haben. „Er muss auch Spaß machen.“ Mit diesem Ansatz werden die Motoren für immer mehr Bootsgattungen attraktiv. In diesem Jahr wurde der 100.000. Motor verkauft. „Ich hätte gedacht, dass es noch schneller geht“, sagt Ballin. Bei der Lektüre von Start-up-Tipps habe er an die klassische Warnung, dass es immer langsamer vorangeht, als man denkt, nicht geglaubt.

Viele Start-up-Gründer versprechen bei einer Übernahme zwar, langfristig an Bord zu bleiben. Doch spätestens nach zwei Jahren sind viele dann doch gegangen. „Ich werde im September nicht weg sein“, sagt Ballin. „Die Phasen, die vor uns liegen, sind die spannendsten.“ Der Vorstandschef jedenfalls ist noch voller Tatendrang.

Mehr: Thunberg wird am UN-Klimagipfel in New York und der Klimakonferenz in Chile teilnehmen. Statt mit dem Flugzeug anzureisen, will die junge Schwedin den Atlantik aber mit einem speziellen Boot überqueren.

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1 Kommentar zu "Marktführer Torqeedo: Das Geschäft mit Elektro-Booten boomt"

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  • Für eine saubere Elektromobilität sollten wir aber in jedem Fall überlegen auf jegliche Verbrennung fossiler Brennstoffe zu verzichten. Das gilt zu Land, zu Wasser und in der Luft. Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch - das ist für die Berliner Neutrino Energy Group vollkommen klar. Allerdings werden Zwischenstopps an den Ladesäulen demnächst der Vergangenheit angehören. Die Autos der Marke Pi beziehen ihre Energie aus Energiewandlern, die diese aus Strahlung gewinnen. Dabei geht es um sehr leichte Elektrofahrzeuge, deren Karosserie nicht aus Aluminium besteht, sondern aus Karbon. Dieses Kohlenstoffverbundmaterial ist nicht nur extrem leicht, sondern ermöglicht auch die problemlose Integration der Energiewandler. Somit kann der gesamte Fahrzeugkörper für die Energiegewinnung genutzt werden. Der griechische Buchstabe Pi wurde als Markenname gewählt, weil er für Unendlichkeit steht. So wie Fotovoltaikanlagen Strom aus dem sichtbaren Licht gewinnen, wandelt die Neutrino-Voltaik nicht-sichtbare Strahlung in Energie um. Damit ergibt sich ein bedeutender Vorteil: diese Energiegewinnung ist nicht vom Tageslicht abhängig. Die extrem kleinen, hochenergetischen Teilchen stehen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, an jedem beliebigen Ort zur Verfügung. Hier müssen Hersteller neue Patente nutzen.

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