Massenauflauf der Riffhaie Stelldichein der Fressmaschinen

Ein kleines Atoll erlebt alljährlich einen wahren Ansturm von Riffhaien. Bis zu 700 Raubfische bevölkern dann einen engen Meereskanal – viel mehr, als das Gebiet eigentlich ernähren kann. Doch hungern muss hier niemand.
Alljährlich versammeln sich hunderte der Raubfische in einem engen Meereskanal und warten auf Beute. (Foto: Guillaume Funfrock/Macquarie University)
Graue Riffhaie

Alljährlich versammeln sich hunderte der Raubfische in einem engen Meereskanal und warten auf Beute. (Foto: Guillaume Funfrock/Macquarie University)

HeidelbergSeit 2006 werden Haie rund um die Atolle Französisch-Polynesiens verstärkt geschützt; die Südseeinseln weisen daher einige der gesündesten Haipopulationen weltweit auf. Die strengen Gesetze sind jedoch nicht der Grund für eine einzigartige Ansammlung an Grauen Riffhaien (Carcharhinus amblyrhynchos) rund um die Fakarava-Inselgruppe.

Bis zu 700 Exemplare versammeln sich hier jeden Winter in einem nur 100 Meter breiten und 30 Meter tiefen Meereskanal zwischen den Eilanden – die weltgrößte Ansammlung dieser Raubfische, die Forscher bislang kennen. Zum Sommer sinkt ihre Zahl dann zwar auf 250 Tiere ab, doch übersteigt ihre Menge immer noch die eigentliche Kapazität des lokalen Ökosystems. Dazu kommen Individuen von vier weiteren Haiarten, so dass insgesamt bis zu 900 der Raubfische gleichzeitig vor Ort sein können.

Begehrte Räuber
Jäger als Gejagter
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Der Jäger der Meere ist längst zum Gejagten geworden. Das Geschäft mit dem Hai ist derart lukrativ, dass mehrere Haiarten bereits akut gefährdet sind. Doch wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz der Tiere scheitern immer wieder am Einspruch der internationalen Fischereilobby. Foto: ap

Spuren einer Hai-Attacke
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Haie sind gefährliche Raubtiere, immer wieder kommt zu Attacken auf Surfer, Schwimmer oder Taucher. Das Risiko, von einem Hai angegriffen zu werden, ist allerdings deutlich geringer als etwa die Gefahr, durch Blitzschlag zu Schaden zu kommen. So verzeichnete die ISAF ( International Shark Attack File) für 2007 insgesamt 71 Hai-Attacken, ein Mensch wurde dabei getötet. Foto: rtr

100 Millionen getötete Haie pro Jahr
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Dem stehen rund 100 Millionen durch den Menschen getötete Haie pro Jahr gegenüber. Ob Fleisch, Flossen, Haut, Knorpel, Leber oder Zähne - es gibt kaum ein Körperteil des Raubfischs, das sich nicht vermarkten lässt. Und die Gewinnspannen sind verlockend: Je nach Art des Materials steigt der Preis auf dem Weg vom Fisch zum fertigen Endprodukt um bis zu 7500 Prozent. Foto:

Haifischflossen
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Die Flossen sind vor allem auf dem chinesischen Markt gefragt. Die als gesundheitsfördernd angesehene Haifischflossensuppe hat sich nach Aufhebung eines unter Mao verhängten Verbots zu einem Statussymbol für reiche Chinesen entwickelt. In Hongkong, dem wichtigsten Umschlagplatz für Haifischflossen, werden bis zu 1500 Dollar für ein "Set" aus vier getrockneten Flossen bezahlt. Foto: rtr

Ein Milliardengeschäft
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Auf dem Flossenmarkt mischen auch die Europäer kräftig mit: Laut Untersuchungen der Meeresschutzorganisation Oceana für das Jahr 2005 war Spanien mit 2,2 Millionen Tonnen getrockneter Flossen nach China zweitgrößter Lieferant für den Markt in Hongkong. Nach Schätzungen werden mit Haifischflossen weltweit pro Jahr 16 Milliarden Euro verdient. Foto: rtr

Unter Pseudonym in den Topf
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In europäischen Küchen wird dagegen eher das Fleisch der Räuber geschätzt. Auf rund 100.000 Tonnen jährlich belaufen sich die Haifänge in der EU. Was nicht in den außereuropäischen Export geht, landet meist unter Pseudonym im heimischen Kochtopf: "Schillerlocke", "Kalbsfisch", "Seeaal" oder "Seestör" sind nur einige der Namen, unter denen Haifischfleisch angeboten wird. Foto: rtr

Zähne sind begehrt
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Trophäe, Schmuckstück oder traditionelle Waffe: Auch die Zähne der Raubfische sind begehrte Handelsware. Foto: ap

Die Haie stellen damit die örtliche Nahrungspyramide auf den Kopf, so Johann Mourier von der Macquarie University in Sydney und seinem Team. Die normalerweise hier vorhandenen Beutefische reichen für solch eine große Zahl von Raubfischen nämlich gar nicht aus.

Dennoch wandern die Haie über Wochen und Monate nicht zur Jagd aus dem Kanal ab, wie die Biologen mit Hilfe von kleinen Sendern herausgefunden haben. Die 13 damit ausgestatteten Haie waren meist wenig mobil – stattdessen warteten sie darauf, dass die Beute zu ihnen schwamm. Und das geschieht tatsächlich alljährlich im Winter der Südhalbkugel, wenn tausende Zackenbarsche in den Kanal schwimmen, um dort zu laichen.

Arten wie Epinephelus polyphekadion suchen dann im Juni und Juli aus einem Umkreis von 50 Kilometern und mehr den Kanal auf, um sich zu paaren und Eier abzulegen. Liegt die normale Fischbiomasse während der überwiegenden Zeit des Jahres bei etwa 17 Tonnen und damit deutlich unter den Futterbedürfnisses der Haie, steigt sie mit Ankunft der Zackenbarsche auf mehr als 30 Tonnen an – deutlich mehr, als die Haie fressen können.

Eine heikle Balance
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