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Milliardenmarkt Biotechnologie Wenn Zeltplanen sich selbst reparieren

Nach Medikamenten und Waschenzymen werden bald auch Textilien, Kosmetika, Plastik oder Baustoffe biotechnisch hergestellt – mit ganz neuen Eigenschaften. Die Produktionsverfahren sind umwelt- und ressourcenschonend.
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Die Biotechnologie dringt in klassische Domänen der Chemieindustrie vor. Quelle: dpa

Die Biotechnologie dringt in klassische Domänen der Chemieindustrie vor.

(Foto: dpa)

DüsseldorfKein Zelt hält ewig dicht, wenn es wie aus Eimern schüttet. Irgendwann beginnt es, hereinzutropfen – vorzugsweise dort, wo die Zeltbahnen aneinandergenäht wurden. Hier haben die Nadeln Löcher hinterlassen. Aus demselben Grund lässt auch der modernste Multifunktionsanorak irgendwann Wasser durch.

Doch wenn es nach Thorsten Eggert geht, müssen in Zukunft kein Zelturlaub und keine Bergtour mehr wegen durchnässter Schlafsäcke abgebrochen werden. Denn der Chef des Düsseldorfer Biotechnikunternehmens Evocatal ist gerade mit seinen Kollegen dabei, synthetischen Stoffen für Zelte und Outdoor-Bekleidung quasi magische Selbstheilungskräfte zu verleihen.

Gelingt, woran die Entwickler arbeiten, werden sich Nahtlöcher in Zukunft nach der Fertigung absolut regendicht verschließen. Und sogar Risse könnten – etwa nach einem Sturz – von selbst verheilen.

Die Idee: Garne, aus denen High-Tech-Textilien gewebt werden, bekommen einen Überzug aus bioaktiven Substanzen. Diese sogenannten Enzyme werden von Eggert & Co. so getrimmt, dass sie Synthetikfasern regelrecht verschweißen. Forschungspartner der Düsseldorfer ist das schottische Unternehmen Coats, der weltgrößte Lieferant von Industrienähgarnen.

Dass Biotechnologen sich mit Outdoor-Klamotten befassen, ist neu. Denn bisher machten biotechnische Herstellungsverfahren vor allem bei Waschmittelenzymen, Futterzusatzstoffen, Biogas, Vitaminen oder Medikamenten Furore.

Aus der Medizin etwa ist die Biotechnik gar nicht mehr wegzudenken. Sie ist beispielsweise Grundlage für Biowirkstoffe, die Krebszellen attackieren und mit chemischen Methoden unmöglich herzustellen sind. Jüngster Beleg des Biotech-Erfolgs: Gerade eroberte das Rheumamedikament Humira mit einem Quartalsumsatz von weltweit 2,4 Milliarden Dollar Platz eins der bestverkauften Medikamente.

Nun soll sich die Erfolgsgeschichte der Mikroben in neuen Branchen wiederholen. Eggerts selbstheilende Textilien sind nur eine Option von vielen. So erobert die sogenannte weiße Biotechnologie ganz neue Produktfelder – von der Hautcreme bis zur Baustelle. Sie dringt dabei in klassische Domänen der Chemieindustrie vor.

Milliarden kleinster Monteure
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