Mission Hayabusa2/Mascot Deutscher Asteroiden-Lander kurz vor dem Ziel

Der deutsche Asteroiden-Lander Mascot an Bord einer japanischen Raumsonde hat sein Ziel fast erreicht. In wenigen Tagen wird er sich auf den Asteroiden Ryugu stürzen.
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In wenigen Tagen wird die Sonde ihr Ziel erreichen, den Asteroiden Ryugu. Mit an Bord ist der deutsche Lander Mascot. Quelle: dpa
Raumsonde Hayabusa2

In wenigen Tagen wird die Sonde ihr Ziel erreichen, den Asteroiden Ryugu. Mit an Bord ist der deutsche Lander Mascot.

(Foto: dpa)

BerlinDie Spannung steigt. Rund 300 Millionen Kilometer von unserer Erde entfernt nähert sich ein schuhkartongroßes Landegerät namens Mascot an Bord eines japanischen Raumschiffs seinem Ziel: dem Asteroiden Ryugu.

Seit vier Jahren reist Mascot, entwickelt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der französischen Raumfahrtagentur CNES, mit der japanischen Raumsonde Hayabusa2 durch die Tiefen des Weltalls. In wenigen Tagen dürften die beiden Ryugu endlich erreichen.

Die Forscher wollen mit der Mission den Ursprüngen unseres Sonnensystems auf die Spur kommen. Asteroiden wie Ryugu, der nach einem unter Wasser liegenden Schloss aus der japanischen Mythologie benannt wurde, sind Gesteinsbrocken, die um die Sonne kreisen. Sie gelten als Überreste aus der Frühzeit unseres Sonnensystems.

Japans Raumfahrtagentur Jaxa rechnet damit, dass das eigene Raumschiff um den 27. Juni herum sein Ziel erreichen wird. Zunächst soll Hayabusa2 den Asteroiden, den der deutsche DLR-Planetenforscher Ralf Jaumann als „schön primitives Objekt“ bezeichnet, vermessen.

Später soll sich die Sonde dem Himmelskörper so sehr nähern, dass sie im dichten Überflug Material von seiner Oberfläche einsaugen und im Jahr 2020 zur Erde bringen kann. Der Lander Mascot (Mobile Asteroid Surface Scout) wird dagegen aus einer Höhe von 100 Metern im freien Fall auf den Asteroiden herabsinken und dort bleiben.

Mission Hayabusa
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Nach sieben Jahren im All kehrt die japanische Asteroiden-Sonde Hayabusa am Sonntag (13. Juni) zur Erde zurück. An Bord die ersten jemals von einem irdischen Raumschiff gesammelten Bodenproben von einem Asteroiden. Fotos: ap; dpa; rtr

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Das Ziel von Hayabusas Reise: der Asteroid Itokawa - hier in verschiedenen Rotationsphasen zu sehen auf Bildern, die Hayabusa 2005 kurz vor Erreichen des rund 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Asteroiden aufnahm.

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Die künstlerische Darstellung zeigt Hayabusa auf seinem Weg durchs All.

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Nach Erreichen des Asteroiden im September 2005 schwenkte Hayabusa zunächst in eine Umlaufbahn ein und machte detaillierte Aufnahmen von dessen Oberfläche.

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Auch während des Anflugs auf den Asteroiden machte die Sonde Aufnahmen - und fotografierte dabei auch den eigenen Schatten (dunkler Fleck rechts oberhalb des Zentrums). Danach sammelte Hayabusa jene Bodenproben ein, die sie jetzt zur Erde bringt.

Überwacht und betrieben wird das zehn Kilogramm schwere Gerät mit seinen vier Instrumenten vom Mascot Control Center des DLR in Köln. „Wir untersuchen mit der Mission ursprüngliches Material aus dem solaren Nebel, mehr als 4,5 Milliarden Jahre alt und kaum verändert“, erklärt Planetenforscher Jaumann in einem Blogeintrag des Raumfahrtzentrums.

„Die größten Herausforderungen werden die Trennung von der Muttersonde und die anschließende Landung sein“, sagte DLR-Projektleiterin Tra-Mi Ho zum Start der Mission am 3. Dezember 2014. Der Asteroid, der anfangs 1999 JU3 genannt wurde, hat einen Durchmesser von nur etwa 900 Metern und lediglich etwa ein 60.000stel der Erdanziehungskraft. Gemessen wurden diese Werte allerdings von der Erde aus – wie groß mögliche Fehlerabweichungen zur Realität sind, wird das Mascot-Team ganz genau erst nach Ankunft in der Umlaufbahn um Ryugu erfahren.

Ryugu ist besonders kohlenstoffhaltig und gehört damit zu einer häufig vorkommenden Klasse von erdnahen Asteroiden. Teleskopmessungen ließen vermuten, dass er Wasser enthält. Es besteht die Möglichkeit, dass solche Asteroiden einst mit Einschlägen auf der Erde auch Wasser zu unserem Planeten gebracht haben könnten.

Ryugu ist zudem ein erdbahnkreuzender Asteroid. Auch wenn er selbst der Erde wohl nie gefährlich werde, wäre es für zukünftige Abwehrmissionen hilfreich, wenn man mehr über diese Art der Asteroiden erfahren würde.

Mascot hüpft von Ort zu Ort

Mit Hilfe verschiedener Sensoren wird sich Mascot auf Ryugu orientieren. Mit einem eingebauten Schwungarm kann er bis zu 70 Meter weit hüpfen und so erstmals an verschiedenen Orten auf einem Asteroiden Messungen vornehmen. Die vier Instrumente im Inneren des 30 mal 30 mal 20 Zentimeter großen Landers sollen unter anderem die mineralogische und geologische Zusammensetzung der Asteroidenoberfläche samt Temperatur untersuchen sowie das Magnetfeld ermitteln.

Wenn alles glatt verläuft, werden die Forscher insgesamt bis zu 16 Stunden lang Daten erhalten. Zugleich wird Mascot als Späher erkunden, wo die Hayabusa-Sonde Material einsammeln könnte.

Ist die von der französischen Raumfahrtagentur CNES beigesteuerte Batterie des Landers erschöpft, dann ist auch die Mission von Mascot beendet. Die japanische Muttersonde dagegen wird zurück zur Erde fliegen und soll dort Ende 2020 über einer Wüste in Australien eine Kapsel mit den eingesammelten Proben des Asteroiden abwerfen.

Bereits 2010 hatte die Raumsonde „Hayabusa“ (japanisch für Falke), Vorgängerin der „Hayabusa2“, weltweit erstmals Bodenproben eines Asteroiden zur Erde gebracht. Die japanischen Mitarbeiter des Projekts wurden in ihrer Heimat besonders gefeiert. Denn es ging nicht nur um die Proben, sondern auch um die eingebauten Technologien: Die Sonde sollte als Pionier den Weg für weitere Missionen wie die zu Ryugu ebnen – und Japan einen technologischen Spitzenplatz im All sichern.

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