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Straßenverkehr in Tokio

Flugautos könnten die Verkehrsprobleme der Megacitys lösen.

(Foto: Bloomberg)

Mobilität Japan will zu einem Vorreiter bei Flugautos werden

Die Japan AG bündelt ihre Kräfte, um das Land zu einem Marktführer bei Flugautos zu machen. Sogar Airbus, Boeing und Uber machen mit.
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Tokio Große Pläne brauchen fotogene Symbole. Das hat sich die japanische Regierung wohl bei der ersten Sitzung ihres „Rats für die Mobilitätsrevolution in der Luft“ am Mittwoch gedacht: In der Mitte des Sitzungssaals in Tokio steht eine etwa drei Meter breite Transportdrohne des japanischen Technikkonzerns NEC.

Fast vier Meter ragt die fliegende Rettungsboje empor, die irgendwann einmal autonom Menschen von Dächern, Bergen oder dem Meer bergen könnte. Dabei hätte das Gremium das optische Beiwerk gar nicht nötig. Schon die Zusammensetzung des Rats macht klar, dass es hier um ein strategisch wichtiges Projekt geht.

Hier sitzen die Vertreter der zuständigen Ministerien und Akademiker in einer Reihe, dort die der Industrie. 15 Unternehmen waren vertreten, viele davon Start-ups, aber auch der Fahrdienst-Vermittler Uber, die Flugzeugbauer Airbus und Boeing sowie die japanischen Fluglinien ANA und JAL.

Uber hat sogar seinen Chef für das unternehmenseigene Luftfahrtprogramm Eric Allison eingeflogen, um zu beobachten, was hier passiert. Denn die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe hat in ihrer Investitionsstrategie 2018 ein großes Ziel vorgeben: Japan will zu einem Pionier bei Flugautos werden.

Die Aufgabe des Rates ist nun, die Bedingungen dafür zu schaffen. Ganz oben auf der Tagesordnung stehen der Entwurf von Zertifizierungsverfahren und Regeln für den erdnahen Flugverkehr der neuen Minikopter, die neben Gütern auch Menschen transportieren sollen. Und das sehr rasch. „Bis Ende des Jahres wollen wir einen konkreten Zeitplan erarbeiten“, sagt Keita Arakaki, Chef der Abteilung für Flugsicherheit im Transportministerium, dem Handelsblatt.

Das Potenzial für fliegende Elektroautos ist groß, glauben die Planer und die Industrie. Quelle: AP
Airbus-Entwurf eines Flugautos

Das Potenzial für fliegende Elektroautos ist groß, glauben die Planer und die Industrie.

(Foto: AP)

Die Zeit drängt, das wissen die Anwesenden. Das Potenzial für fliegende Elektroautos ist groß, glauben die Planer und die Industrie. Autos verstopfen die Straßen in den Megacitys. Aber auch auf den kleinen, oft mit harschen Geschwindigkeitsbegrenzungen versehenen Landstraßen ist das Reisen zeitaufwändig.

Die Regierungsbeamten rechnen vor, dass elektrifizierte Flugtaxis Menschen billiger transportierten könnten als heutige Taxis, wenn die Geräte sich selbst fliegen können. Doch Japan leidet an einem Problem: Ausgerechnet der Pionier bei Drohnen fliegt sowohl bei kleinen Fluggeräten wie auch -taxis hinter den globalen Spitzenreitern hinterher.

Japaner vertrauen auf ihre Stärken

Bei Minidrohnen für Endkonsumenten dominieren chinesische Firmen wie DJI den Markt. Und im Lufttransport droht Uber zuerst an den Himmeln der USA einsame Kreise zu ziehen. Ab 2020 will das Unternehmen einen Mitflugdienst in Los Angeles und Dallas demonstrieren.

Für 2023 wird dann der Start kommerzieller Flugdienste in den beiden amerikanischen Metropolen angepeilt, danach deren globale Verbreitung, referiert Uber-Manager Allison. „Wir wollen die Zukunft des Ridesharings in der Luft schaffen.“

Die Japaner nehmen Ubers Pläne nicht als Luftnummer wahr. Die kommenden fünf Jahre werden darüber entscheiden, ob Japan zu den Siegern oder den Verlierern in der neuen Industrie gehört, beschwört ein Start-up-Vertreter das Gremium. Immerhin vertrauen die Japaner auf ihre Stärken. „Wir müssen aufholen, aber wir können es schaffen“, sagt Kotaro Chiba, der Gründer des japanischen Risikokapitalgebers Dronefund.

Er ist so stolz, Japaner zu sein, dass er in Tracht und mit traditionellen Sandalen auftritt. Auch seine Mission ist national. Bisher hat er in Drohnenprojekte investiert. Seit August besteht auch ein zweiter Fonds speziell für Luftautos und -taxis. Mit dem will er seinen Teil zur Aufholjagd beitragen. „Unser größtes Problem ist, dass unsere Investitionen zu klein sind.“

Sein Investitionsfonds Nummer zwei ist auf 50 Millionen Dollar ausgelegt. „Aber das ist zu wenig für die Luftmobilität“, sagt der Investor. Umso wichtiger ist für ihn die Arbeit des Rats. Japan habe jetzt eine Chance, durch die schnelle Regulierung der neuen Industrie einen großen Markt zu schaffen, sagt er. „Wenn wir die Regeln haben, wird das Geld folgen.“

„Es ist ein guter Zeitpunkt für eine Aufholjagd“

Auch technisch sei Japan gut gerüstet, Uber einzuholen, meint Hiroji Fukui, der Gründer des Startups Temma. Er will einen Luftbus weltweit auf den Markt bringen, der acht bis zehn Kunden bis zu 300 Kilometer weit fliegen kann. „Wir haben sehr gute Materialhersteller in Japan“, sagt er.

Doch das größte Plus ist für ihn die Stärke der Autoindustrie. Denn gerade elektrische Luftautos benötigen neue Produktionsverfahren, die Flugzeughersteller oft nicht haben, wohl aber die Autobauer.

Auch mit Japans Behörden ist er zufrieden. „Die Regulierung ist vernünftig“, meint Fukui. Sein einziger Kritikpunkt ist, dass die Beamten derzeit noch zu sehr auf die Pionierarbeit der US-Flugsicherheitsbehörde schauen, die Regeln für die neue Kategorie der Flugautos entwickelt. Er könne aber nicht warten, bis die Japaner dann vielleicht die Ideen übernehmen, sagt er.

So entwickelt seine Firma in Japan, aber sitzt im Silicon Valley, um möglichst rasch die Zertifizierung für seinen Luftbus zu erhalten und mit dem Markt abzuheben. Mit seinem Engagement daheim will er nun verhindern, dass andere seinen Beispiel folgen müssen. Denn von einem ist er fest überzeugt: „Es ist ein guter Zeitpunkt für eine Aufholjagd.“

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