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Nasa-Experten in Sorge Wie sicher sind die Raumanzüge auf der ISS?

Nur mit schützenden Raumanzügen können Menschen im All überleben. Die Anzüge auf der Raumstation ISS wurden vor Jahrzenten entwickelt. Experten sorgen sich um ihre Zuverlässigkeit.
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Die Raumanzüge, die von Nasa-Raumfahrern (hier die US-Astronautin Peggy Whitson) und ihren europäischen Kollegen auf der ISS getragen werden, sind in die Jahre gekommen. Quelle: dpa
Außeneinsatz an der ISS

Die Raumanzüge, die von Nasa-Raumfahrern (hier die US-Astronautin Peggy Whitson) und ihren europäischen Kollegen auf der ISS getragen werden, sind in die Jahre gekommen.

(Foto: dpa)

BerlinRaumanzüge sollen die Bewohner der Raumstation ISS eigentlich schützen, wenn sie die Station für Wartungsarbeiten oder das Anbringen neuer Bauteile und Instrumente verlassen müssen. Doch für den italienischen Astronauten Luca Parmitano wäre solch ein Hightech-Anzug beinahe zur Todesfalle geworden.

Bei einem Außeneinsatz im Jahr 2013 funktionierte zunächst ein Kohlendioxid-Sensor nicht mehr, dann sammelte sich Wasser im Astronautenhelm – Parmitano drohte im eigenen Helm zu ertrinken. Sofort wurden die Raumfahrer zurück in die Station beordert, die Raumanzüge im Anschluss genau untersucht.

Zwar wurde die Ursache für den Zwischenfall – eine verstopfte Pumpe – rasch gefunden. Der Unfall offenbarte aber den kritischen Zustand der US-Raumanzüge, die auch von europäischen Raumfahrern wie Parmitano oder dem Deutschen Alexander Gerst für Außeneinsätze genutzt werden.

Modenschau fürs Weltall
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Die Nasa entwickelt ihre Weltraumanzüge kontinuierlich weiter. Das Modell Z-2 ist bislang nur ein Prototyp. Die Entwürfe, über die Nutzer jetzt abstimmen können, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen ILC und der Philadelphia University. Das erste Design bezeichnet die NASA als „Trends in Society“.

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Das Design „Trends in Society“ soll wiedergeben, wie Mode in nicht allzu ferner Zukunft aussehen könnte. Dabei überlegten sich die Designer, wie Sportkleidung in Kombination mit tragbaren Technologien – sogenannten Wearable Technologies – aussehen könnte.

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Auffällig sind beispielsweise die Nähte und die eckigen Muster.

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Das zweite Design nennt die NASA „Biomimicry“. Es soll vom Leben in den Ozeanen inspiriert sein – dort sei das Leben ähnlich rau wie im Weltall.

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Ein Merkmal des „Biomimicry“-Designs: Es stellt die Schuppenstruktur vieler Meeresbewohner nach.

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Eine Besonderheit: Die leuchtenden Aufnäher sollen helfen, die einzelnen Crew-Mitglieder zu identifizieren.

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Der Entwurf „Technology“ ist nach Angaben der NASA eine Hommage an bisherige Weltraumanzüge, soll aber auch dezente Elemente der Zukunft enthalten.

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„Die Raumanzüge, die die Astronauten derzeit auf der ISS benutzen, wurden vor mehr als 40 Jahren entwickelt und haben ihre eigentlich auf 15 Jahre angelegte Design-Lebensdauer weit überschritten“, urteilte ein Experten-Team der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

„Das Leben der Astronauten hängt von Raumanzügen ab, die es ihnen ermöglichen, sicher in extremen Umgebungen zu arbeiten“, heißt es in dem Untersuchungsbericht des Nasa-Generalinspektors. Je älter die derzeitigen Raumanzüge werden, desto größer seien auch die Risiken.

Doch rascher Ersatz ist nicht in Sicht: Die Nasa entwickelt derzeit zwar neue Anzüge, bis diese einsatzbereit sind, kann es noch Jahre dauern.

Russland setzt neue Anzüge ein

Jeder Außeneinsatz-Raumanzug, inklusive Handschuhe und Helm, wiegt rund 127 Kilogramm auf der Erde – in der Schwerelosigkeit des Alls spüren die Astronauten das Gewicht nicht. Die Anzüge aus High-Tech-Material schützen die Astronauten gegen die extremen Temperaturen. Im Weltraum kann es zwischen minus 160 kalt und mehr als 120 Grad heiß werden.

Die Anzüge sind weiß, um das Sonnenlicht zu reflektieren. Zum Schutz vor gefährlicher Strahlung bestehen sie aus mehr als einem Dutzend Schichten besteht.

Entsprechend schwer fällt das Anziehen: Rund eine Dreiviertelstunde benötigt ein Raumfahrer, um in seinen Anzug zu „schlüpfen“. Ohne Unterstützung der Kollegen wäre das Anlegen der klobigen Schutzkleidung unmöglich.

Derzeit gebe es vier Raumanzüge an Bord der ISS, sagt Nasa-Sprecher Kyle Herring. „Von der Größe her können sie an jeden Astronauten angepasst werden. Sie stammen aus der Ära der Space Shuttles und werden nach jedem Außeneinsatz gereinigt, getestet und wiederverwendet.“

Die Russen setzen inzwischen auf ein neuwertiges Modell. Beim letzten Außeneinsatz wurden die ersten „Orlan-ISS“-Anzüge eingesetzt. Sie besitzen ein automatisches Kühlsystem. Ein Warnsystem zeigt an, wenn Flüssigkeiten austreten.

Zudem sollen neue Materialien den Raumanzug länger haltbar machen, verspricht die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos. Im kommenden Jahr wird ein weiterer russischer Anzug zur ISS geliefert.

Mit den hochmodernen Anzügen schützen sich auch die beiden Kosmonauten Oleg Kononenko und Sergej Prokopjew, für die am heutigen Dienstag ein Außeneinsatz an der ISS auf dem Plan steht. Für beide ist es keine Premiere, sie absolvierten bereits mehrere dieser sogenannten Weltraumspaziergänge.

Diesmal allerdings haben sie eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe: Sie sollen ein Leck an einer Raumkapsel untersuchen, die derzeit an der Station andockt. Die Sojus-Kapsel hatte vor einigen Monaten einen Druckabfall auf der ISS verursacht. In wenigen Tagen soll sie Alexander Gerst und zwei seiner ISS-Kollegen sicher zur Erde zurückbringen.

  • tt
  • dpa
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