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Nasa-Manager von Puttkamer „Das Ende der Shuttles empfinde ich als Fehler“

Die US-Spaceshuttles werden eingemottet. Im Interview spricht Jesco von Puttkamer, Nasa-Manager und langjähriger Mitarbeiter Wernher von Brauns, über die Vergangenheit und Zukunft der US-Raumfahrt.
08.07.2011 - 12:35 Uhr Kommentieren
Hält die Entscheidung gegen die Spaceshuttles für vorschnell: Nasa-Manager Jesco von Puttkammer. Quelle: dpa

Hält die Entscheidung gegen die Spaceshuttles für vorschnell: Nasa-Manager Jesco von Puttkammer.

(Foto: dpa)

Herr von Puttkamer, wie bewerten Sie den Spaceshuttle am Ende seiner Ära?

Wie bei jedem Transportsystem müssen wir es von der technischen und der wirtschaftlichen Seite bewerten. Technisch gesehen ist der Shuttle trotz seiner Schwachstellen, die sich auf die Dauer zeigten, die beste und komplexeste Maschine, die Ingenieure je gebaut haben.

Sie hat Menschen und große Nutzlasten ins All getragen und wieder zurückgebracht. Sie hat das mächtige Hubble-Raumteleskop gestartet und seine wiederholte Instandsetzung erlaubt – heute die beste PR-Maschine der Nasa. Astronauten konnten vom Shuttle in den freien Weltraum aussteigen und tätig sein. Das vermag kein anderes Raumtransportsystem auf der Welt.

Und die wirtschaftliche Seite?

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    Sie ist der Hauptsinn der Wiederverwendbarkeit eines Raumfahrzeugs – wie bei jedem anderen Fahrzeug. Dazu ist von vornherein eine bestimmte Einsatzrate erforderlich, und die von uns Ende der 1960er Jahre errechnete Startfolge für ein nachhaltig gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis erschien damals als so realistisch und erreichbar, dass Präsident Richard Nixon 1971 grünes Licht für die Shuttle-Entwicklung gab.

    Zehn Jahre später, als der Shuttle zu fliegen begann, zeigte sich bald, dass die nötige Startfrequenz nicht eingehalten werden konnte. Zum einen lag es daran, dass wir nicht genügend Nutzlasten erhielten – erstens weil deren Entwicklung ja ebenfalls Geld gekostet hätte, das potenzielle Kunden nicht hatten. Und zweitens wurden kommerzielle Nutzlasten später aus dem Frachtraum verbannt. Zum anderen konnte der Shuttle im Gegensatz zu unseren Erwartungen nicht wie ein Flugzeug nach jedem Einsatz in kurzer Zeit wieder flugbereit gemacht werden.

    Der Shuttle sah in all den Jahren immer gleich aus. Anders als bei Autos oder Flugzeugen schien es keine Weiterentwicklung gegeben zu haben

    Das trifft nur auf das Äußere zu. Daher trügt der Schein, denn im Inneren wurde die Fähre zigmal runderneuert – mit neuen Computern, einem Glascockpit mit Digitaltechnik, wo sich früher ein ganz normales Flugzeugcockpit befand, neuen Brennstoffzellen und Bremsen und noch einigem mehr.

    Wir haben immer das Allerbeste eingebaut – aber nicht das Neueste, weil es anfällig ist. Wohlgemerkt: Alte Technik ist gut, denn man kennt sie durch und durch. Deshalb haben wir beispielsweise ältere, weil vertraute Computer an Bord, da die moderneren Ausführungen sich noch nicht über lange Zeit bewährt haben.

    War die Explosion der Challenger 1986 für die Nasa so etwas wie die Hindenburg-Katastrophe für die Luftfahrt mit Zeppelinen?

    So kann man es wohl sehen. Nur dass beim Hindenburg-Unglück erheblich mehr Menschen ums Leben kamen. Jeder Flugzeugabsturz kostet gewöhnlich mehr Menschenleben als unsere sieben Astronauten in der Challenger – oder unsere sieben auf der Columbia, die 2003 bei dem Rückflug zerbrach.

    Natürlich wurden wir danach viel vorsichtiger, aber vom Bewusstsein her hat sich in Amerika nichts geändert. Hier heißt es immer: weitermachen. Ja, Challenger und Columbia waren Traumata für uns, doch wir wussten, dass die Raumfahrt Opfer kostet – und dass es trotzdem weitergeht.

    "Jetzt ist der Zug abgefahren"
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