Neuer Panamakanal Schleusen auf für die Giganten der Meere

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Panamas unverzichtbare Lebensader
Die Betreiber hoffen, durch den Kanalausbau den  Frachtdurchsatz von derzeit 300 Millionen Tonnen pro Jahr künftig verdoppeln zu können. Quelle: AP
Containerschiffe im Panamakanal

Die Betreiber hoffen, durch den Kanalausbau den Frachtdurchsatz von derzeit 300 Millionen Tonnen pro Jahr künftig verdoppeln zu können.

(Foto: AP)

Unabhängig von der Kostenfrage war der Ausbau schlicht eine Notwendigkeit, um den Kanal konkurrenzfähig zu halten. Denn die Seeschifffahrt hat sich über die Jahre verändert. Die Reeder haben sich aus Kostengründen für größere Schiffe entschieden, die mehr Fracht transportieren können. „Der Trend geht schon seit Jahren zu immer größeren Schiffen, weil sie sich günstiger betreiben lassen“, sagt der stellvertretende Chef der Kanalverwaltung, Manuel Benítez.

Deshalb mussten auf beiden Seiten des Kanals neue Zufahrtskanäle ausgehoben und größere Schleusen gebaut werden. Zudem vertieften und verbreiterten Baggerschiffe die Fahrrinne. Künftig werden kleinere Schiffe die alte Route passieren, während große durch die neuen Schleusen fahren.

Zwischen 35 und 40 Schiffe werden jeden Tag durch den Panamakanal geschleust. Daran dürfte sich auch durch den Ausbau nichts ändern, doch die Schiffe werden größer. „Nach der Erweiterung können wir wieder 96 Prozent aller Schiffe weltweit schleusen“, sagt Mónica Martínez von der Kanalverwaltung. „Wir rechnen damit, dass wir den Frachtdurchsatz von derzeit 300 Millionen Tonnen pro Jahr auf 600 Millionen Tonnen verdoppeln können.“

Vom Kontrollturm in Cocolí auf der Pazifikseite überblicken die Schleusenwärter die neue Anlage mit drei Kammern. „Von hier aus lässt sich alles per Mouse-Klick steuern“, sagt Abdiel Julio von der Verwaltung. Jede Kammer ist 427 Meter lang, 55 Meter breit und 35 Meter tief. Die in Italien gefertigten Schleusentore brauchen zum Öffnen und Schließen rund fünf Minuten. Rund drei Stunden dauert es, die Schiffe rund 28 Meter auf das Niveau des Gatún-Sees anzuheben.

„Aus Sicherheitsgründen sind alle Systeme redundant angelegt. Die Schleusentore, die Motoren, die Elektrik und die Düsen“, sagt Julio. „Damit stellen wir sicher, dass wir auch bei technischen Problemen den Betrieb aufrechterhalten können.“ Komplett geschlossen wird der Panamakanal tatsächlich fast nie: Erst dreimal soll das in den vergangenen 100 Jahren vorgekommen sein.

Viel mehr als nur eine Wasserstraße

Allerdings musste der Panamakanal zuletzt wegen Wassermangels die Zahl der täglichen Passagen drosseln. Im alten System fließt nach der Schleusung das gesamte Wasser ins Meer ab. Die neuen Schleusen verfügen über neun Auffangbecken. Jedes fasst so viel Wasser wie 18 Olympische Schwimmbecken. Damit können künftig 60 Prozent des verwendeten Wasser wiederverwendet werden.

Der Ausbau des Kanals in Panama hat Auswirkungen auf die maritime Wirtschaft in der ganzen Region. Zahlreiche Städte bauen ihre Häfen aus, damit dort künftig ebenfalls Schiffe der Postpanamax-Klasse anlegen können.

Cartagena in Kolumbien investiert 800 Millionen US-Dollar, Callao in Peru 700 Millionen Dollar und San Antonio in Chile 440 Millionen Dollar.

„Der Ausbau ist bedeutend, weil er Einfluss auf die Größe und Anzahl der Schiffe hat, die die Häfen der US-Ostküste und Golfküste ansteuern“, sagt Andrew Kinsey vom Versicherungskonzern Allianz. „Derzeit müssen diese Schiffe den Suezkanal benutzen, um von Asien in die USA zu gelangen.“ Der Panamakanal ist also viel mehr als nur eine Wasserstraße: Er ist eine Abkürzung für den Welthandel.

Und für Panama die unverzichtbare Lebensader. Dank des Kanals ist das Land heute zu einem Dienstleistungszentrum geworden. Anders als in anderen Staaten der Region tragen in Panama Handel, Banken und Transport mit 80 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Exporte wie Kaffee und Bananen, mit denen die Nachbarstaaten ihre Wirtschaft am Laufen halten, spielen nur eine geringe Rolle.

Und ohne den 80 Kilometer langen Kanal wäre Panama vermutlich noch heute eine Provinz Kolumbiens. Anfang des 20. Jahrhunderts sorgten die USA für die Abspaltung Panamas vom südlichen Nachbarn und installierten in dem neuen Staate eine Regierung, damit die Wasserstraße nach US-Vorstellungen gebaut werden konnte.

Die Intervention brachte das erwünschte Ergebnis: Zwei Wochen nach der Unabhängigkeit Panamas im November 1903 erhielten die USA vertraglich das Hoheitsrecht über den noch zu bauenden Kanal zugesichert. Ein Recht, das sie erst mit der Übergabe der Kanalverwaltung an Panama am 31. Dezember 1999 aufgaben.

  • keh
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