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Neues Recyclingverfahren erregt Aufsehen bei Fahrzeugherstellern Autoschrott liefert wertvolle Rohstoffe

Revolution in der Abfallbranche: Das sächsische Sekundärrohstoff-Verwertungszentrum Schwarze Pumpe (SVZ) in Spreetal gewinnt aus Kunststoffteilen verschrotteter Autos den Rohstoff Methanol – und hat so eines der schwierigsten Recycling-Probleme gelöst.
  • Dennis Kremer (Handelsblatt)
Neues Recyclingverfahren erregt Aufsehen bei Fahrzeugherstellern

Neues Recyclingverfahren erregt Aufsehen bei Fahrzeugherstellern

HB DÜSSELDORF. Mit dem Verfahren, das die Spreetaler gemeinsam mit der Hannoveraner Firma Tecpol und der Brüsseler Association of Plastic Manufacturers in Europe im vergangenen Jahr entwickelt haben, lässt sich erstmals die so genannte Shredderleichtfraktion der Autos wiederverwerten. Dabei handelt es sich beispielsweise um Stoßstangen, Armaturenbretter und Türverkleidungen, die durchschnittlich etwa 20 % des Autogewichts ausmachen. Die Techniker des SVZ mischen die zerkleinerten Teile mit einer kleinen Menge Braunkohle und erhitzen das Gemisch auf bis zu 1 600 Grad. Aus dem Autoschrott gewinnen sie so zunächst Synthesegas, das sie dann zu Methanol verarbeiten – dem wichtigsten Grundstoff für die Chemieindustrie.

Auch bei den Kraftfahrzeug-Produzenten stößt die neue Technik auf Interesse: „Wir stehen mit allen großen deutschen Automobilherstellern in Verhandlung“, sagt SVZ-Geschäftsführer Hans-Joachim Sander. Als „eine interessante Verwertungsmöglichkeit“, bezeichnet eine Sprecherin der Daimler-Chrysler AG das Verfahren : „Für uns ist das eine mögliche Option, da sich Methanol auch als Kraftstoff für Brennstoffzellen einsetzen lässt.“

Das Interesse der Autoindustrie hat einen einfachen Grund: Die Technik der Spreetaler ist in Europa fast ohne Konkurrenz. Die Ostdeutschen sind das einzige Unternehmen, das schon heute die neuen Anforderungen der EU-Altautorichtlinie erfüllen kann. Diese verlangt von den Abfallbetrieben, dass sie ab 2006 mindestens 80 % und ab 2015 mindestens 85 % eines Altautos wiederverwerten. „Diese Quoten sind ohne das von uns entwickelte Verfahren kaum zu erreichen“, sagt Sander.

Damit dürfte er Recht haben. Bisher brauchte sich die Entsorgungsbranche um die Quoten nicht zu kümmern: Die zum Teil hoch giftige Shredderleichtfraktion wurde einfach verbrannt oder deponiert. Das ändert sich: Denn die EU-Richtlinie schränkt das Verbrennen von Altautos stark ein. Zudem ist es ab 2005 in Deutschland verboten, Abfälle unbehandelt auf Deponien zu lagern.

Zwar arbeiten auch Volkswagen und ein Schweizer Forschungsteam an Techniken zum Recycling der Shredderleichtfraktion, doch diese werden frühestens 2006 Marktreife erlangen. Das SVZ-Management will seinen Vorteil nutzen: Bis 2010 werden die Gesellschafter rund 100 Mill. Euro in das Verwertungszentrum investieren, der Umsatz soll von bisher 60 Mill. Euro auf über 100 Mill. Euro wachsen. Das Unternehmen peile damit eine führende Rolle auf dem deutschen Markt für Altautorecycling an, sagt Hans-Joachim Sander. „Auch in den europäischen Markt setzen wir große Hoffnungen.“

Die Chancen der SVZ stehen gut. „Das Verfahren ist das derzeit modernste und umweltfreundlichste auf dem Markt, weil die Shredderleichtfraktion zu 100 Prozent verwertet wird“, sagt Bernd Meyer, Professor für Energieverfahrenstechnik im sächsischen Freiberg. Er schätzt den Entwicklungsvorsprung des SVZ auf zehn Jahre. Einziger Nach-teil sind laut Meyer die hohen Kosten für die Anlagen: In den vergangenen Jahren investierte das SVZ 320 Mill. Euro. Aber die Kosten sind für Meyer nicht entscheidend: „Durch die Technik werden knappe Ressourcen nachhaltig geschont.“

Als nachhaltig dürften sich darum auch die Investitionen in das SVZ erweisen. Im kommenden Jahr wollen die Spreetaler 140 000 Tonnen recyceln – das entspricht der Shredderleichtfraktion von etwa 700 000 Autos. Damit ist der Markt längst nicht ausgereizt: Zehn Millionen Fahrzeuge warten jedes Jahr in der EU auf ihre Entsorgung.

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