Nobelpreise Japanischer Zellforscher erhält den Medizin-Preis

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an den Japaner Yoshinori Ohsumi. Er hat einen Mechanismus erforscht, der zur Gesunderhaltung unserer Zellen beiträgt und so Erkrankungen wie etwa Krebs vorbeugt.
Update: 03.10.2016 - 12:34 Uhr

Yoshinori Ohsumi bekommt Medizin-Nobelpreis

StockholmDer diesjährige Medizin-Nobelpreis geht an den japanischen Wissenschaftler Yoshinori Ohsumi. In der Begründung des Karolingischen Instituts heißt es, dass Oshumi die Mechanismen der Autophagie entdeckt habe. Autophagie ist ein Prozess in Zellen, mit dem sie die eigenen Bestandteile abbauen und wiederverwerten. Störungen in diesem Prozess können beispielsweise Krebs und neurologische Krankheiten auslösen.

Der Zellbiologe entdeckte bereits 1988, wie Proteine in Hefebakterien abgebaut und die einzelnen Bestandteile wieder erneuert werden. Ein ähnlicher Prozess findet auch im menschlichen Organismus statt. Wird der Autophagie-Prozess gestört, können Krankheiten wie Parkinson Krebs und Diabetes Typ 2 ausgelöst werden.

Der Abbau- und Recyclings-Prozess ist lebenswichtig, damit beschädigte Proteine abgebaut werden können. Der Begriff Autophagie stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "Selbstfressen". Die Autophagie ist seit 50-er Jahren bekannt.

Unerfüllte Nobelpreis-Träume
Nobelpreis-Verleihung
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Es ist die Krönung jeder wissenschaftlichen Laufbahn, aus der Hand des schwedischen Königs den Nobelpreis in Empfang zu nehmen. Doch damit das passiert, braucht es neben Talent und Wissen auch sehr viel Glück. Denn selbst wenn die Forschungssensation da ist, warten auf dem Weg zu der Auszeichnung noch etliche Stolpersteine. Hier eine Auswahl. (Foto: dpa)

1. Lange Wartezeit
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In der Regel müssen Forscher viele Jahre darauf warten, bis ihre Entdeckung oder Erfindung mit dem Nobelpreis geehrt wird. Dann sind sie oft schon sehr alt. Und wer stirbt, bevor er den Nobelpreis bekommen hat, hat Pech gehabt – da mag die Entdeckung noch so groß sein. Denn ein Toter kann laut Satzung der Nobelstiftung den Preis nicht bekommen.

Dag Hammarskjöld
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Allerdings gibt es eine Ausnahme von dieser Regel: Wer nach Bekanntgabe, aber vor Verleihung des Preises stirbt, bekommt ihn trotzdem. Der wohl bekannteste posthum Geehrte war der damalige UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld, dem 1961 der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde. Hammarskjöld kam drei Monate vor der Verleihungszeremonie bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

2. Forscherstreit um die Entdeckung
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Die Entwicklung der Genschere Crispr-Cas9 gilt als Jahrhundertcoup. Um das Wunderwerkzeug, mit dem Erbgut wie mit einem Skalpell verändert werden kann, liefern sich die Forscherinnen Emmanuelle Charpentier (r.) und Jennifer Doudna auf der einen Seite und der Bioingenieur Feng Zhang auf der anderen Seite bis heute einen erbitterten Patentstreit. Keine guten Aussichten für einen Nobelpreis, denn...

Nobelpreis-Jury
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...ein Gerichtsstreit um eine Erfindung ist zwar kein Ausschlusskriterium für einen Nobelpreis, doch wenn die Forscher selbst sich so uneins sind, kann die Jury kaum entscheiden, wer denn nun die Auszeichnung verdient hat.

3. Wer zuerst kommt...
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Wer hat im Rennen um eine bahnbrechende Entdeckung die Nase vorn? Das Veröffentlichungsdatum einer Studie liefert den Juroren zumindest einen Hinweis. „Man muss die wissenschaftliche Literatur gründlich lesen, um zu sehen, wer über eine Entdeckung wann eine Studie veröffentlicht hat“, sagt Nobeljuror Gunnar Ingelman.

Nobelpreis-Medaille
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Wer sich nicht genug gesputet hat, riskiert, dass der Konkurrent das Rennen macht. Aber Ingelman betont auch: „Wenn nur kurze Zeit zwischen zwei Veröffentlichungen vergangen ist, könnte es sein, dass man das als gleichzeitig ansieht und beide Forscher den Preis bekommen.“

Allerdings konnte die fundamentale Bedeutung der Autophagie für die Medizin erst durch die Forschung von Ohsumi aufgezeigt werden, heißt es in der Begründung des Karolinischen Instituts, das von einem "bahnbrechenden Experiment" spricht.

Ohsumi wurde 1945 in Fukuoka geboren. Er lehrt am Tokyo Institute of Technology. Er sei "sehr, sehr überrascht", erklärte der glückliche Preisträger im schwedischen Rundfunk. "Es ist eine große Ehre für mich, aber ich hatte es nicht erwartet". Bei seinen Kollegen galt der 71-jährige allerdings seit mehreren Jahren als heißer Kandidat für die Auszeichnung.

Skandal in Stockholm
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