Nobelpreisträger Arbeit, Glück – und ein bisschen Genialität

Kommende Woche werden die Nobelpreisträger 2014 bekanntgegeben. Grund genug, einmal der Frage nachzugehen, was einen Forscher eigentlich für den begehrtesten Wissenschaftspreis der Welt qualifiziert.
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Ein Zufallsfund machte ihn zum Nobelpreisträger: Alexander Fleming, Entdecker des Penizillins. Quelle: ap

Ein Zufallsfund machte ihn zum Nobelpreisträger: Alexander Fleming, Entdecker des Penizillins.

(Foto: ap)

StockholmDer schottische Nobelpreisträger Alexander Fleming war angeblich ein fauler Kerl, der sein Labor nur selten aufräumte. Während seine Kollegen ihre Schreibtische blitzblank putzten, bevor sie in den Urlaub fuhren, ließ er die Petrischalen unordentlich auf dem Tisch stehen, das Fenster offen. Diese Schludrigkeit hat die Welt verändert. Denn dadurch entdeckte Fleming zufällig die antibiotische Wirkung von Penizillin.

Als er aus den Ferien zurückkam, fand der Schotte nämlich auf Stellen in einer seiner Petrischalen nicht die angesetzten Bakterien, sondern etwas, das die Mikroben abgetötet hatte. Er nannte seine Entdeckung Penizillin – sie hat seither Millionen Menschen das Leben gerettet.

Das Beispiel zeigt: Um einen der Wissenschafts-Nobelpreise zu bekommen, die in der kommenden Woche (6. bis 8. Oktober) wieder vergeben werden, muss ein Wissenschaftler nicht nur hartnäckig forschen. Oft gehört auch eine große Portion Glück dazu.

Die Nobelpreisträger 2013
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Physik

François Englert (Belgien) und Peter Higgs (GB) für ihre theoretische Entdeckung der Mechanismen, die notwendig sind für das Verständnis des Ursprungs der Masse subatomarer Teilchen.

Belgian physicist Francois Englert leaves his house with his wife Mira in Brussels, after he and Britain's Peter Higgs won the Nobel prize for physics
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Im Jahr 1964 erschienen von insgesamt sechs Wissenschaftlern Publikationen zu einem Elementarteilchen, nach dem tausende Physiker in den folgenden Jahrzehnten fieberhaft fahnden sollten: dem Higgs-Boson. Die erste Arbeit war von François Englert und seinem 2011 verstorbenen Kollegen Robert Brout, einige Wochen später und mit präziseren Angaben folgte Peter Higgs und schließlich noch zwei Amerikaner und ein weiterer Brite.

Das Higgs-Boson sorgt dafür, dass alle Objekte eine Masse haben. Es ist damit das absolut zentrale Elementarteilchen für das sogenannte Standardmodell – das Modell, das in der Physik etwa den Rang der Evolutionstheorie in der Biologie hat. Das Higgs-Teilchen wurde im Juli 2012 am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf entdeckt. Spätestens seitdem galten Higgs und Englert als Favoriten für den Physik-Nobelpreis.

Handout photo of theoretical physicist Francois Englert, won the 2013 Nobel prize for physics
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François Englert, der 1932 in Ettterbeek in Belgien zur Welt kam, promovierte 1995 in Brüssel in Physik. Dort war er auch von 1980 an Leiter der Abteilung für Theoretische Physik. 1998 wurde er emeritiert.

Nobel prize in physics
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Peter Higgs wurde 1929 in Newcastle upon Tyne im Nordosten von England als Sohn eines Toningenieurs der BBC geboren. Er promovierte 1954 in London. In Edinburgh schrieb er 1964 die zentrale Arbeit für seine Theorie, dort lehrte er auch bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996.

huGO-BildID: 33271361 (FILES) -- A file photo taken on July 6, 2012 shows British scientist Professor Peter Higgs posing after addressing a press con
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Der stille Forscher aus Schottland hatte den Trubel um die Preisvergabe - die Medien hatten ihn bereits seit Wochen als Nobelpreis-Favoriten gehandelt - offenbar geahnt und suchte am Tag der Verkündung im Oktober das Weite. Selbst das Nobelpreiskomitee konnte ihn zunächst nicht erreichen, um ihm die frohe Botschaft telefonisch zu überbringen. „Peter hat den Ruf, sehr scheu zu sein“, sagte sein Kollege Franz Muheim, Leiter des Instituts für Teilchen- und Nuklearphysik an der Universität Edinburgh. „Er hat beschlossen, sich zurückzuziehen.“

Seiner Freude über die Ehrung ließ der Forscher dann durch die Universität Edinburgh Ausdruck verleihen. „Ich bin überwältigt, diesen Preis zu bekommen und danke der Königlichen Akademie in Schweden“, ließ Higgs über die Universität mitteilen. „Ich möchte auch all denjenigen gratulieren, die zur Entdeckung dieses neuen Teilchens beigetragen haben.“

Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) wins
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Friedensnobelpreis 2013

Nach der EU geht der Friedensnobelpreis auch 2013 an eine Institution: Mit dem Preis an die Organisation zum Verbot von Chemiewaffen, der OPCW, will das Nobelkomitee „zur Zerstörung von Chemiewaffen beitragen“. Die Würdigung der Arbeit der Kontrolleure verband der Nobelkomitee-Vorsitzende mit Kritik an Washington und Moskau. „Manche Staaten sind immer noch keine OPCW-Mitglieder. Einige Staaten haben die Frist nicht beachtet, die für April 2012 festgesetzt war, ihre Chemiewaffen zu zerstören“.

Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW) wins
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Zuletzt waren OPCW-Mitarbeiter vor allem in Syrien aktiv, wo sie nach dem verheerenden Giftgaseinsatz im August 2013 die Bestände Assads erfassen und zerstören. Die OPCW hat bereits mehr als 5000 Inspektionen in 86 Ländern vorgenommen. Nach eigenen Angaben hat sie 100 Prozent der Arsenale, die von den Ländern offiziell gemeldet wurden, überprüft und inventarisiert. Nach der OPCW-Statistik wurden inzwischen 81,1 Prozent der gemeldeten Arsenale nachweislich zerstört.

„Fleming war nicht der Typ, der die meisten Stunden im Labor verbracht hat“, sagt der Direktor des Stockholmer Nobel-Museums, Olov Amelin. „Aber er war ein sehr cleverer Kerl, der die richtigen Schlüsse ziehen konnte. Das Glück kommt selten zu den Unvorbereiteten. “

„Ein Nobelpreisträger hat in der Regel mindestens zehn Jahre seines wissenschaftlichen Lebens damit verbracht, sehr hart an etwas zu arbeiten“, sagt Astrid Gräslund, Ständige Sekretärin des Nobelkomitees für Chemie. Kein Wunder, dass nur wenige Forscher den Nobelpreis gleich am Anfang ihrer Karriere bekommen. „Es ist kein Jugendpreis“, sagt Gräslund.

Auch Fleming war schließlich gezielt auf der Suche nach einem Weg, Bakterien zu töten. Trotzdem hatte er das Quäntchen Glück, auf das andere erfolgreiche Wissenschaftler ihr Leben lang hoffen.

„Wir vergeben keine Preise für das Lebenswerk“, sagt Gräslund. „Viele Wissenschaftler haben große Beiträge zur Forschung geleistet – aber sie sind an nichts festzumachen, das wirklich die Welt verändert hat. Dann bekommen sie den Preis nicht.“ Wenn die Nobelkomitees für Physik, Chemie und Medizin wissenschaftliche Veröffentlichungen auf der Suche nach den nächsten Nobelpreisträgern durchackern, stöbern sie nach einem „Türöffner“ – einer wegweisenden Entdeckung.

Den ersten Physik-Nobelpreis für einen solchen „Türöffner“ bekam Wilhelm Conrad Röntgen 1901. Beim Experimentieren entdeckte er Strahlen, die den Körper durchdringen konnten – die Röntgen-Strahlen. Doch ganz zufällig kam auch diese Entdeckung nicht. Vor allem war Röntgen ein hartnäckiger Forscher, der „wochenlang in seinem Labor sowohl schlief als auch aß“, wie der Autor Lars-Åke Skagegård in einem Buch über den Nobelpreis schreibt.

Die einsamen Genies werden seltener
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