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Ocell Bestandsaufnahme der Wälder: Dieses Start-up hilft mit Bildern und Tools beim Forstmanagement

Die Forstwirtschaft hat in Sachen Digitalisierung noch viel Nachholbedarf. Das Start-up Ocell will dies ändern. Nun ist die erste größere Finanzierungsrunde gelungen.
24.06.2021 - 13:18 Uhr Kommentieren
Das Start-up nimmt mit Ultraleichtflugzeugen Luftbilder der Wälder auf, um diese dann anschließend mit weiteren Informationen anzureichern und zu analysieren. Quelle: Ocell
Waldgebiet

Das Start-up nimmt mit Ultraleichtflugzeugen Luftbilder der Wälder auf, um diese dann anschließend mit weiteren Informationen anzureichern und zu analysieren.

(Foto: Ocell)

München Wohl kaum eine Branche ist noch so wenig digitalisiert wie die Forstwirtschaft. In den meisten Wäldern gebe es noch immer nur alle zehn Jahre eine Inventur – und die basiere in der Regel auf Stichproben, sagt David Dohmen, Mitgründer des Start-ups Ocell. „Die Daten sind unvollständig und oft total veraltet.“

Die Herausforderungen aber sind in Zeiten des Klimawandels gestiegen. Und so hat sich Ocell zum Ziel gesetzt, die analog geprägte Branche zu digitalisieren.

Das Start-up nimmt mit Ultraleichtflugzeugen Luftbilder der Wälder auf. Jeder einzelne Baum wird inklusive Gesundheitszustand erfasst und vermessen. Die Daten werden mithilfe Künstlicher Intelligenz analysiert, mit anderen Daten verknüpft und in einer App zur Verfügung gestellt. Ein Waldbauer, der beispielsweise 25 Meter hohe Kiefern sucht, weiß dann genau, wo solche stehen.

Die Resonanz, berichtet Dohmen, ist positiv. „Die Skepsis ist viel kleiner, als wir erwartet hatten.“ Eine Reihe von Großwaldbesitzern habe man bereits als Kunden gewinnen können.

Auch Investoren scheinen von dem Geschäftsmodell überzeugt. An der jüngsten Finanzierungsrunde beteiligten sich unter anderem better ventures, der Seriengründer Julius Göllner, Andreas Kupke (Finanzcheck), die „Initiative for Industrial Innovators“ und die Gründer von Foodora und Kaia Health, Manuer Thurner und Konstantin Mehl. Eine konkrete Summe nennt das Start-up nicht.

Gründer profitieren von der Ausbildung in München

Ocell hat große Ambitionen. „Wir wollen ein Einhorn mit einer Milliardenbewertung werden“, sagt Dohmen. Der Markt, der bislang von Inventurdienstleistern und veralteten Software-Insellösungen dominiert wird, gebe das in jedem Fall her. „Die Forstwirtschaft ist in Sachen Digitalisierung ein schlafender Riese.“

Auch andere Unternehmen arbeiten an ähnlichen Systemen. So will das Münchener Start-up Ororatech 100 Kleinstsatelliten ins All schicken. Mit Infrarot-Aufnahmen sollen zum Beispiel Waldbrände frühzeitig erkannt werden. Für die Waldinventur seien Aufnahmen von Flugzeugen aber hilfreicher, glaubt Dohmen. „Bei Satellitenbildern ist die Auflösung zu grob.“

Sie alle wurden in München ausgebildet. Quelle: Ocell
Ocell-Gründer Felix Horvat, Christian Decher, David Dohmen (v.l.)

Sie alle wurden in München ausgebildet.

(Foto: Ocell)

Der studierte Elektro- und Informationstechniker hatte mit Mitgründer und Mechatroniker Felix Horvat bereits beim In-Ear-Kopfhörer-Spezialisten Bragi zusammengearbeitet. Hinzu kam noch Christian Decher, der Luft- und Raumfahrttechnik studiert hat.

Decher und Dohmen haben ihr Studium an der Technischen Universität München absolviert. Etliche Studierende dieser Universität sind im Anschluss in die Start-up-Szene gewechselt. Horvat stieß von der Hochschule München dazu.

„Deep Tech wird in München immer stärker. Wir sehen zunehmend Finanzierungsrunden und Investitionsinteresse in dem Bereich“, sagt BayStart-up-Geschäftsführer Carsten Rudolph. Das Investoren-Netzwerk hatte die junge Firma und Geldgeber zusammengebracht.

Inventur ist günstiger als bei herkömmlichen Anbietern

Ocell besorgt Ultraleicht-Flieger und bestückt sie mit eigenen Farb- und Infrarotkameras. Unter Umständen kommen auch noch Lidar-Sensoren hinzu, abhängig von der Kostenstruktur. Doch schon jetzt sind 3D-Modelle möglich.

Für Ocell-Kunden ist die Inventur mit weniger als zehn Euro pro Hektar deutlich günstiger als bei herkömmlichen Anbietern. Das Start-up hofft, dass die Waldbewirtschafter künftig regelmäßiger den Bestand untersuchen und mit der App „Dynamic Forest“ analysieren.

Die ersten Kunden haben die App laut Dohmen bereits tief in ihren Geschäftsablauf integriert. Entwickelt wurden auch Software-as-a-Service-Gebührenmodelle, bei denen die Kunden die Software mieten oder die Analysen regelmäßig buchen können.

Eine Reihe von Großwaldbesitzern habe man bereits als Kunden gewinnen können, erklärt das Start-up. Quelle: Ocell
Bestandsanalyse via App

Eine Reihe von Großwaldbesitzern habe man bereits als Kunden gewinnen können, erklärt das Start-up.

(Foto: Ocell)

Die Forstwirtschaft ist für Digitalisierer und Investoren zunehmend interessant geworden. Holz ist vielerorts knapp, die Preise sind zuletzt stark gestiegen. Ocell will nun zweierlei bewirken: die Bewirtschaftung effizienter gestalten und außerdem einen ökologischen Impact erzielen. „Der Erhalt unseres Planeten und die Rettung des Waldes sind Angelegenheiten, die uns sehr am Herzen liegen“, sagt Tina Dreimann von better ventures, das sich an der Finanzierungsrunde beteiligte.

Mit dem Erlös aus der Finanzierungsrunde will Ocell die Technologie weiterentwickeln und neue Märkte erobern. Vor allem die großen Waldgebiete in Skandinavien und Nordamerika bieten große Chancen. Im Folgenden könnte die intelligente Bildanalyse auch auf andere Bereiche ausgeweitet werden, etwa die Landwirtschaft oder die Verkehrsbeobachtung.

Mehr: Wie die Politik auf die steigenden Holzpreise reagiert.

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