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Orientierung Delfine mit Elektrosinn

Meeressäuger finden sich unter Wasser perfekt mit Hilfe ihres Echolots zurecht. Einer südamerikanischen Art reicht das aber noch nicht: Sie setzt auch auf Elektrizität.
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Delfine nutzen nicht nur ihre Augen und ihr Echolot, um Beute aufzuspüren. Quelle: dpa

Delfine nutzen nicht nur ihre Augen und ihr Echolot, um Beute aufzuspüren.

(Foto: dpa)

Heidelberg Viele Fische und Amphibien setzen auf die Wahrnehmung elektrischer Felder, um sich zu orientieren und vor allem um Beute zu machen: Elektrorezeptoren in ihren so genannten Seitenlinienorganen empfangen elektrische Reize und leiten sie ans Hirn weiter.

Unter Säugetieren ist diese Art der Sinneswahrnehmung hingegen extrem selten und konnte bislang nur bei den Kloakentieren – Schnabeligel und Schnabeltier – nachgewiesen werden. Nun haben Nicole Czech-Damal von der Universität Hamburg und ihre Kollegen jedoch entdeckt, dass auch Sotalia-Delfine (Sotalia guianensis) die Fähigkeit zur passiven Elektrorezeption besitzen und damit nicht nur auf ihr Echolot und ihre Augen setzen, um Nahrung zu finden.

Die dafür nötigen Nerven sitzen in den heute unbehaarten Vertiefungen auf der Schnauze der Tiere, die bei ihren evolutionsgeschichtlichen Vorfahren noch die Schnurrhaare trugen. Darin befinden sich von Nerven durchzogene bauchartige Strukturen, die anatomisch den ampullären Elektrorezeptoren anderer Arten ähneln.

Es sind also nicht nur verkümmerte Körperteile, wie bislang vermutet wurde. Stattdessen handelt es sich um die echte Weiterentwicklung eines Sinnesorgans, das ursprünglich mechanische Reize erfasst hat.

Experimente mit einem im Zoo Münster lebenden Sotalia belegten, dass die Tiere elektrische Felder von mindestens 4,6 Mikrovolt pro Zentimeter wahrnehmen können – ein Wert, der der Sensibilität der Elektrorezeptoren von Kloakentieren entspricht, aber unter demjenigen von Elektrofischen liegt. Diese erkennen noch Felder im Nanovoltbereich.

Wahrscheinlich nutzen die Delfine diese Fähigkeit, um Beute aufzuspüren: Sie wühlen häufig im Schlamm am Meeresboden nach Fressbarem und trüben dabei das Wasser, was die Sicht merklich beeinträchtigt.

  • Daniel Lingenhöhl
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