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Pharmakonzern Corona-Impfstoff von Astra-Zeneca kommt auf den Prüfstand

Die Ergebnisse der Impfstoff-Studie von Astra-Zeneca werden von der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel geprüft. Zuvor waren Zweifel laut geworden.
27.11.2020 - 15:09 Uhr Kommentieren
Der mit der Universität Oxford entwickelte Impfstoff soll nach den bisherigen Studiendaten im Mittel einen 70-prozentigen Schutz vor Covid-19 bieten. Quelle: dpa
Astra-Zeneca

Der mit der Universität Oxford entwickelte Impfstoff soll nach den bisherigen Studiendaten im Mittel einen 70-prozentigen Schutz vor Covid-19 bieten.

(Foto: dpa)

London Die umstrittenen Impfstoff-Ergebnisse des Pharmakonzerns Astra-Zeneca werden im Auftrag der britischen Regierung geprüft. Dies sei ein „erster, bedeutender Schritt bei der Zulassung des Vakzins, wenn er die Sicherheits-, Wirksamkeits- und Qualitätsstandards erfüllt“, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag in London mit. Die Prüfung soll von der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel durchgeführt werden.

Zuvor waren Zweifel am Design der klinischen Studien und der hohen Wirksamkeit des Impfstoffs aufgekommen. Der schwedisch-britische Konzern plant daher zusätzliche Untersuchungen. Sie sollen die Daten „bereits vorhandener Studien ergänzen“, teilte eine Sprecherin von Astra-Zeneca der Deutschen Presse-Agentur in London mit, ohne Details zu nennen.

Der mit der Universität Oxford entwickelte Impfstoff soll nach den bisherigen Studiendaten im Mittel einen 70-prozentigen Schutz vor Covid-19 bieten. Bei spezieller Dosierung könnte die Wirksamkeit dem Konzern zufolge womöglich noch deutlich höher liegen. Berücksichtigt wurden Daten zweier klinischer Studien mit verschiedener Dosierung.

Berücksicht wurden für die Zwischenergebnisse zum einen Daten einer kombinierten Phase-II/III-Studie, bei der die Versuchspersonen zuerst eine halbe Dosis des Impfstoffs und einen Monat später eine weitere volle Dosis erhielten. Die Effektivität lag den Angaben zufolge hier bei 90 Prozent. Zum anderen wurden Ergebnisse einer Phase-III-Studie berücksichtigt, bei der Probanden zwei volle Dosen bekamen. Die bisher errechnete Effektivität lag bei 62 Prozent. Zusammengenommen ergibt sich dem Konzern zufolge eine Wirksamkeit von 70 Prozent.

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    Kritiker bemängelten die Berechnungen der Wirksamkeit auf diese Weise, da unterschiedliche Dosen gegeben worden waren. US-Forscher kritisierten zudem, dass in der Studie, die zu einem hohen Impferfolg von 90 Prozent führte, kein Teilnehmer älter als 55 Jahre war. Doch gerade Senioren gelten als besonders gefährdete Gruppe. Ein großer Vorteil des Impfstoffs: Er kann den Angaben zufolge bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad aufbewahrt werden.

    „Wir haben die Aufsichtsbehörde formell gebeten, den Impfstoff ... zu bewerten, die Daten zu verstehen und festzustellen, ob er den strengen Sicherheitsstandards entspricht“, teilte Gesundheitsminister Matt Hancock mit. „Wir arbeiten unermüdlich daran, in der bestmöglichen Lage zu sein, einen Impfstoff bereitzustellen, sobald er von der unabhängigen Aufsichtsbehörde MHRA genehmigt wird.“

    Hackerangriff aus Nordkorea?

    Anders als die vielversprechenden Vakzine der Mainzer Firma Biontech und des Pharmakonzerns Pfizer sowie der US-Firma Moderna gehört das britisch-schwedische Präparat nicht zu den mRNA-Impfstoffen. Die Wirksamkeit der Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna liegt für Doppelimpfungen nach vorläufigen Daten bei rund 95 Prozent.

    Der von Astra-Zeneca eingesetzte Wirkstoff AZD1222 beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Das Mittel soll sowohl die Bildung von spezifischen Antikörpern als auch von T-Zellen fördern - beide sind für die Immunabwehr wichtig. Insgesamt haben weltweit Länder bereits Milliarden Dosen bei Astra-Zeneca geordert.

    Unterdessen ist das Unternehmen Insidern zufolge Ziel eines Angriffs mutmaßlicher Computer-Hacker aus Nordkorea geworden. Die Angreifer hätten sich über die Plattformen Linkedin und WhatsApp an Mitarbeiter des Konzerns gewandt, der sich gerade ein Rennen mit der Konkurrenz um einen Impfstoff gegen Corona liefert, sagten zwei mit dem Fall vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Sie hätten sich als Headhunter ausgegeben und manipulierte Bewerbungsunterlagen verschickt. Diese hätten einen Code enthalten, mit dem die Angreifer auf die Computer ihrer Opfer zugreifen wollten. Dies sei allerdings offenbar nicht gelungen.

    Die nordkoreanische Vertretung bei den Vereinten Nationen in Genf erwiderte eine Anfrage für eine Stellungnahme nicht. Die Führung des weitgehend abgeschotteten Landes hatte in der Vergangenheit Vorwürfe von Cyberangriffen zurückgewiesen. Astra-Zeneca lehnte eine Stellungnahme ab.

    Mehr: Der bessere Corona-Plan: Was Deutschland von anderen Ländern lernen kann

    • dpa
    • rtr
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