Polarstation Neumayer III Forscher ernten Gemüse in der Eiswüste

Erntezeit in der Antarktis: Polarforscher auf der Station Neumayer III können frisches Gemüse aus eigenem Anbau genießen. Ein Vorbild auch für Astronauten.
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Salatpflanzen wachsen in einem speziellen Gewächshaus in der Antarktis. In der Zukunft könnte solch ein Bau auch Astronauten auf dem Mond oder dem Mars versorgen. Quelle: dpa
Gemüse im Antarktis-Gewächshaus

Salatpflanzen wachsen in einem speziellen Gewächshaus in der Antarktis. In der Zukunft könnte solch ein Bau auch Astronauten auf dem Mond oder dem Mars versorgen.

(Foto: dpa)

BremenIn der eisigen Einöde der Antarktis sprießen seit einiger Zeit Gurken, Tomaten und Salat. Dutzende Kilogramm frisches Gemüse konnten Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einem neuartigen Gewächshaus ernten, das nahe der deutschen Polarforschungsstation Neumayer III steht.

Das Grünzeug soll nicht nur den Speiseplan der Besatzung bereichern, sondern auch Erkenntnisse für künftige Missionen zum Mond und Mars liefern. Denkbar wäre auch, solche Gewächshäuser für den Anbau von Gemüse in unwirtlichen Regionen wie Wüsten zu nutzen.

In dem Gewächshaus gedeihen die Pflanzen auf einer Anbaufläche von 13 Quadratmetern ohne Erde, Tageslicht und Pestizide. Alle paar Minuten werden die Wurzeln computergesteuert mit einer Nährstofflösung besprüht. Luft und Wasser werden recycelt.

Gärtnern im ewigen Eis
Ein Gewächshaus für die Antarktis
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Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben mit dem Aufbau eines neuartigen Gewächshauses in der Antarktis begonnen. Das in Spezialcontainer integrierte Gewächshaus war per Schiff am 3. Januar im ewigen Eis angekommen.

Mit Pistenbullys zum Ziel
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Mit Pistenbullys wurde es dann von der Schelfeiskante rund 20 Kilometer bis zur Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) geschleppt.

Gewächshaus für die Antarktis
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Dort wurden die Container auf ein Gerüst gesetzt. Nun beginnt die Einrichtung im Inneren.

Ähnliche Bedingungen wie auf einem Raumschiff
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In dem Gewächshaus sollen Gemüse und Kräuter unter ähnlichen Bedingungen gedeihen, wie sie auch an Bord eines Raumschiffs herrschen würden.

Pflanzen ohne Erde
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Aeroponik ist das Zauberwort für die Gärtnerei unter antarktischen Bedingungen. Dabei werden Pflanzen ohne Erde steril kultiviert und deren Wurzeln computergesteuert mit einem Wasser-Nährstoffgemisch besprüht sowie die Blätter mit Spezial-LEDs optimal beleuchtet. (Illustration: DLR)

Gewächshaus für die Antarktis
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„Die Luft im Gewächshaus passen wir ebenfalls den Bedürfnissen der Pflanzen bestmöglich an“, so Daniel Schubert, Leiter des Forschungsprojekts mit dem Namen Eden-ISS. „So wird der CO2-Gehalt gesteigert und wir reinigen mit speziellen Filtern die Luft von Pilzspuren und Keimen bis hin zur Luftsterilisation mittels UV-Strahlung, womit eine rein biologische Züchtung ohne Insektizide und Pestizide möglich ist.“

Testlauf für Reisen zu Mond und Mars
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Eden-ISS gilt als Testlauf für bemannte Missionen zu Mond und Mars. Die Versorgung von Raumfahrern mit frischen Nahrungsmitteln ist ein Schlüsselproblem bei längeren Missionen fernab der Erde.

Im Februar hatte Raumfahrtingenieur Paul Zabel die ersten Pflanzen ausgesät. Seitdem konnte er 39 Kilogramm Salat, 35 Kilo Gurken, 17 Kilo Tomaten, 7 Kilo Kohlrabi und 4 Kilo Radieschen ernten. „Wir haben Gemüse in Hülle und Fülle“, sagte Projektleiter Daniel Schubert. „Das hat unsere Vorstellungen bei weitem übertroffen.“ Besonders gut würden die Gurken gedeihen. Schwieriger sei es mit Paprika und Erdbeeren.

Eine Herausforderung sind die Extreme in der Antarktis: Zurzeit herrscht Polarnacht mit Temperaturen von bis zu minus 45 Grad, was auch ein Härtetest für die Technik ist. Zabel hatte schon mit verschiedenen Ausfällen zu kämpfen.

Im Juni hinderte ihn ein Sturm drei Tage lang daran, die 400 Meter von der Forschungsstation durch den Schnee zum Gewächshaus zu stapfen. In der Zeit musste das Kontrollzentrum in Bremen die Systeme im Gewächshaus steuern. Dadurch habe das Team viel lernen können, meinte Zabel: „Ein zukünftiges Gewächshaus auf einem anderen Planeten soll auch durchgehend in Betrieb sein.“

Von dem Experiment profitieren auch die Polarforscher der Neumayer III-Station: Sie bekommen nun regelmäßig frisches Gemüse auf den Teller. Im antarktischen Winter sind sie von der Außenwelt abgeschnitten und müssen normalerweise monatelang von Vorräten leben.

Das Gemüse und die Kräuter aus dem Gewächshaus seien eine echte Bereicherung, die die Forscher nicht mehr missen möchten, sagte Stationsleiter Bernhard Gropp. Das Projekt läuft noch bis Ende des Jahres.

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  • dpa
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