Polizei rüstet digital auf Ein bisschen Robocop

Hollywood macht es seit Jahren vor. Cyber-Cops jagen mit Hightech-Ausstattung Kriminelle. Verglichen damit arbeiten deutsche Polizisten noch in der digitalen Steinzeit – doch die Polizei will aufrüsten.
High-Tech-Ausstattung für Polizeibeamte. Technisch möglich sind inzwischen Ausrüstungen, die an Cyber-Cops in Hollywoodfilmen erinnern. Quelle: dpa
Polizei der Zukunft

High-Tech-Ausstattung für Polizeibeamte. Technisch möglich sind inzwischen Ausrüstungen, die an Cyber-Cops in Hollywoodfilmen erinnern.

(Foto: dpa)

BerlinDie meisten Jugendlichen scheinen technisch besser ausgestattet zu sein als ein deutscher Polizist. Smartphone zücken, fotografieren, Bild verschicken, Antworten lesen – das ist tägliche Routine. Will ein Polizist hingegen den Besitzer eines falsch abgestellten Autos feststellen, greift er meist zum Funkgerät, wartet auf die Zentrale, sagt das Kennzeichen durch und bekommt irgendwann den Namen angesagt. Technologisch hinken Polizisten der digitalen Gegenwart weit hinterher – diesen Eindruck lässt sich zumindest aus vielen Praxisberichten gewinnen.

Doch Polizeibehörden auf der ganzen Welt bemühen sich, digital nachzurüsten. Die Welt der blitzschnellen Übertragung von Bildern und Filmen soll auch bei täglichen Einsätzen und Fahndungen genutzt werden. Möglich sind inzwischen Ausrüstungen, die an Cyber-Cops in Hollywood-Filmen erinnern und jeden Datenschützer erblassen lassen.

Die härtesten Spezialeinheiten der Welt
Unterstützung für die Bundespolizei
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Deutschland bekommt eine neue Spezialeinheit: Neben dem Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr und der GSG9 (hervorgegangen aus der „Grenzschutzgruppe 9“) der Bundespolizei soll künftig auch die BFE+ bei der Terrorismusbekämpfung helfen. Das Kürzel steht für den etwas sperrigen Namen „Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit plus“. Anders als die Elitetruppe GSG9 (Foto) solle die BFE+ für tagelange, groß angelegte Fahndungsaktionen geschult und ausgerüstet werden, berichtet die dpa. Ein Kriterium dabei war der Schutz vor Beschuss mit Sturmgewehren – bisher waren deutsche Polizisten dagegen nicht gewappnet.

GSG9 (Deutschland)
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Anders die GSG9: Gegründet auf den Erfahrungen bei der Geiselnahme elf israelischer Olympia-Teilnehmer in München 1972, ist die „ältere Schwester“ der BFE+ von vornherein darauf ausgelegt gewesen, Schwerstkriminalität wie Terrorismus zu bekämpfen. Hierfür stehen Präzisionsschützen, Einsatztaucher, Flug-Spezialisten, Sprengstoff- und Kampfmittelexperten sowie Beobachtungs- und IT-Techniker zur Verfügung. Die genaue Mitgliederzahl wird von der Bundespolizei geheim gehalten. Die Anforderungen an Bewerber sind hoch: Sie müssen beispielsweise 5000 Meter in unter 23 Minuten laufen können oder aus dem Stand über eine Weite von mindestens 2,4 Metern springen.

GIGN (Frankreich)
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Sie schützen auch Fußballspiele: die „Groupe d’intervention de la gendarmerie nationale“ in Frankreich. Auch diese Spezialeinheit wurde nach den Erfahrungen mit der Geiselnahme in München 1972 gegründet. Sie umfasst nie mehr als 90 Angehörige und ist derzeit in Satory, südlich von Versailles stationiert. Einer ihrer jüngsten Einsätze war das Attentat auf die Redaktion des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo im Januar, wo die Einheit die lebenden Geiseln befreite und die Attentäter tötete. Eine Auswahl der Anforderungen: 8000-Meter-Geländelauf mit Gepäck in maximal einer Stunde, 300 Sit-ups, 100 Liegestütze und 25 Klimmzüge müssen Bewerber absolvieren, wenn sie Teil der GIGN werden wollen.

Nocs (Italien)
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Scharfschützen, Sprengstoffspezialisten, Taucher, Fallschirmspringer: Auch die italienische „Nucleo Operativo Centrale di Sicurezza“ ist auf den Kampf mit Terroristen ausgelegt. Daneben zählen auch Geiselbefreiungen und der Kampf gegen die Organisierte Kriminalität zu den Aufgaben der Spezialeinheit. Aufgestellt wurde sie 1978 auf dem Höhepunkt des Terrors durch die Roten Brigaden. Nur fünf Prozent der Bewerber überstehen die harten Tests während der sechsmonatigen Grundausbildung – wer danach noch eine zweijährige Probezeit mit Vollausbildung absolviert, gehört dazu.

US Navy Seals (USA)
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Eingesetzt werden sie auf Wasser, zu Land und in der Luft – daher der Name „Seal“ (Sea, Air, Land). Die Ausbildung der vermutlich bekanntesten US-Spezialtruppe ist hart: 26 Wochen Kampfschwimmer-Ausbildung, fünfwöchige Fallschirmschule und eine sogenannte „Höllenwoche“, bei der die Bewerber mit Schlafentzug und gleichzeitigem Training für eine Woche bis an ihre Leistungsgrenzen gebracht werden. Kein Wunder also, dass die Durchfallquote für Bewerber rund 70 bis 80 Prozent beträgt.

Bordo Bereliler (Türkei)
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Sie sind „diejenigen mit den bordeauxroten Baretten“: die türkische Spezialeinheit Bordo Bereliler. Wer Mitglied werden will, muss zunächst einen anspruchsvollen Fitness- und Wissenstest über sich ergehen lassen – nicht alle bestehen schon diese erste Hürde. Auch ideologisch werden die Soldaten geschult. Seminare über Kemalismus und die politische Geschichte der Türkei ergänzen das allgemeine Gefechtstraining für Luftlande- und Bodenstreitkräfte. Oft operiert die Bordo Bereliler hinter feindlichen Linien, um Informationen zu gewinnen.

Joint Task Force 2 (Kanada)
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Nur wenig ist über die kanadische Spezialeinheit JTF2 bekannt. Was bekannt ist, wird von der kanadischen Regierung nicht kommentiert. Doch Einsätze der Elitesoldaten werden in Bosnien, Afghanistan, Haiti und im Irak vermutet. Auch in Libyen soll die JTF2 mit britischen Spezialkräften zusammengearbeitet haben. Klar ist: Ihr Aufgabengebiet ist der Kampf gegen den Terror – im Verborgenen, wenn möglich.

Peter Damerau ist Vertriebsdirektor bei Motorola Solutions, einer US-Firma, die weltweit Funkgeräte an Polizeibehörden, Flughäfen und Rettungsdienste verkauft und Funknetze aufbaut. In einem Firmensitz im Berliner Norden greift Damerau zu einer verspiegelten Brille. Integriert ist eine kleine Kamera, auch ein Mikrofon kann angeschlossen werden. Außerdem ist ein kleiner Bildschirm eingebaut.

Die Brille ist drahtlos mit einem Smartphone verbunden und reagiert auf verschiedene Sensoren, etwa an der Halterung für Pfefferspray oder an einem Pistolenhalfter. Zieht man die Waffe, klickt die Kamera. Auf einem Laptop erscheinen die Fotos. Das funktioniert auch mit Filmen statt Fotografieren, inklusive Tonübertragung.

Sogenannte Bodycams, also kleine Digitalkameras an der Uniform der Polizisten, die Einsätze aufzeichnen, werden schon in manchen Bundesländern getestet – wobei die Filme derzeit nur zur späteren Auswertung gespeichert werden. Mit solchen Kameras sei aber auch eine Live-Übertragung technisch kein Problem, erklärt Damerau. Ein Polizist kann so jederzeit die Zentrale alarmieren, wo die Kollegen in Echtzeit den Einsatz mit ansehen.

„Lagebilder kann die Leitstelle dann sofort wieder rausschicken, etwa zur Fahndung“, sagt Damerau. „Auch Infos aus den sozialen Netzwerken könnten mit Hilfe spezieller Software gefiltert und sofort an die Polizisten vor Ort weitergeleitet werden.“ Die Polizisten bräuchten dafür spezielle Smartphones, behördeneigene Apps und gesicherte Mobilfunknetze.

Auf den Bildschirmen ihrer Telefone könnten sich Spezialkommandos die Standorte aller Kollegen anzeigen lassen. Gleichzeitig könnte die Zentrale Landkarten, Grundrisse und Raumpläne von Gebäuden an die SEKs schicken. „Alle sehen in Echtzeit, was gerade passiert“, sagt Damerau. „Einsatzgruppen lassen sich so vielleicht leichter steuern.“

Auch ein Polizist hat ein Anrecht auf seine Daten
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