Problematische Stadtentwicklung Städte wachsen schneller als ihre Verkehrssysteme

Weltweit wachsen viele Großstädte so schnell, dass ihre Verkehrsinfrastruktur nicht Schritt halten kann. Mit dem fehlenden Zugriff auf schnelle Transportwege wachsen die Gefahren für das Weltklima.
Mehr als 90 Prozent der Menschen in der französischen Hauptstadt haben Zugang zu schnellen öffentlichen Verkehrsmitteln. Quelle: AP
Metro in Paris

Mehr als 90 Prozent der Menschen in der französischen Hauptstadt haben Zugang zu schnellen öffentlichen Verkehrsmitteln.

(Foto: AP)

ParisDie Großstädte in aller Welt wachsen schneller als ihre Verkehrssysteme – und tragen damit zunehmend zur globalen Klimaerwärmung bei. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des New Yorker Instituts für Verkehr und Entwicklungspolitik (ITDP). „Die Ergebnisse waren desaströs sowohl für die Menschen als auch für den Planeten“, so ITDP-Wissenschaftler Michael Marks.

Für die Studie wurden 13 Metropolen in reichen Ländern untersucht. In den Städten selbst hatten im Schnitt mehr als zwei Drittel der Einwohner Zugang zu schnellen Transportwegen. Im Umland der Großstädte ist die Lage der Studie zufolge jedoch bedeutend schlechter: Nur knapp die Hälfte der Einwohner erreichen dort nach einem höchstens ein Kilometer langen Fußweg eine Zug-, U-Bahn- oder Bushaltestelle.

Metropolen der Nachhaltigkeit
Nachhaltiges Leben
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Nachhaltigkeit kennt viele Perspektiven: die der Menschen, der Umwelt und des Profits zum Beispiel. Die Beratergesellschaft Arcadis hat 100 Weltstädte in diesen drei Kriterien miteinander verglichen. Herausgekommen ist der Sustainable Cities Index (SCI), der die Nachhaltigkeit verschiedener Großstädte in Prozentzahlen miteinander vergleicht, die sich wiederum in verschiedene Einzelbewertungen aufschlüsseln – darunter Demografie, Einkommensverteilung, Gesundheit, Grünflächen, Müllmanagement, Tourismus und Infrastruktur. Die 15 nachhaltigsten Städte folgen im Überblick.

Platz 15: Paris
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Paris ist die Stadt der Liebe, wenngleich die Pariser bekanntlich eher eine Hassliebe zu ihrer Stadt pflegen. Dennoch zählt die französische Metropole zu den 15 nachhaltigsten Städten weltweit. Im Vergleich erzielt Paris 67,6 Prozent.

Platz 14: Kopenhagen
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Kopenhagen ist nicht nur die Hauptstadt der Dänen, sondern auch der Fahrradfahrer. Regelmäßig erzielt die Stadt den ersten Platz, wenn es um Rankings zur Fahrradfreundlichkeit geht. Im Sustainable Cities Index reicht es allerdings nur für den 14. Platz – bei einem Nachhaltigkeitswert von 68 Prozent.

Platz 13: Edinburgh
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Edinburgh gilt als eines der wichtigsten Handelszentren des britischen Königreichs – vor allem in der Kategorie „Profit“ des SCI schnitt die schottische Großstadt besonders gut ab. Mit einer Gesamtwertung von 68,1 Prozent landet Edinburgh auf Platz 13 im Ranking.

Platz 12: Genf
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Klares Wasser aus einem sauberen Brunnen unter strahlend blauem Himmel: In Sachen Umweltschutz und grüner Energie liegt Genf in der Schweiz im internationalen Vergleich ganz weit vorne. Insgesamt erzielt die Stadt eine Wertung von 68,1 Prozent – und damit Platz 12 im SCI.

Platz 11: Amsterdam
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1612 wurden die Grachten in der niederländischen Hauptstadt errichtet – und bis heute erfreuen sich Touristen an den schmalen Wassergassen Amsterdams. Wenn das kein gutes Beispiel für nachhaltiges Bauen ist. Im Ranking gibt das den elften Platz (Wertung 68,2 Prozent).

Platz 10: München
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Von den vier deutschen Städten im SCI schaffen es ganze drei in die Top Ten – am niedrigsten von ihnen wurde München platziert. Die bayerische Landeshauptstadt erzielt einen Gesamtwert von 68,6 Prozent. Punkte gab es vor allem für die günstige Bevölkerungszusammensetzung sowie eine vergleichsweise hohe Einkommensgleichheit.

In den Vororten von Paris etwa hat die Hälfte der Einwohner die Möglichkeit, nach dem zehn- bis 15-minütigen Fußweg in einen Zug, eine U-Bahn oder einen Bus zu steigen. Im Großraum Los Angeles gilt dies hingegen nur für elf Prozent der Bevölkerung.

Ohnehin schnitten die untersuchten US-Städte abgesehen von New York mit am schlechtesten ab. Angeführt wird die Rangliste von Paris gefolgt von den spanischen Metropolen Barcelona und Madrid. Dort haben mehr als 90 Prozent der Menschen Zugang zu schnellen öffentlichen Verkehrsmitteln.

Marks kritisierte, die Ausdehnung der Städte wachse schneller als die Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr. Diese Entwicklung könne „nachhaltiges und gerechtes Wachstum untergraben“. Wenn in der Nähe keine öffentlichen Verkehrsmittel führen, nutzten viele Menschen das Auto und trügen so zu einem Anstieg des klimaschädlichen Treibhausgasausstoßes bei.

Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt in Städten, diese sind für fast drei Viertel des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Dabei macht der Verkehr laut US-Umweltbehörde EPA wiederum 15 Prozent aus.

Im Jahr 2050 werden nach UN-Schätzungen zwei Drittel aller Menschen in städtischen Gebieten leben – und damit 2,5 Milliarden mehr als heute. Mit rund 90 Prozent werden die meisten neuen Stadtbewohner in Asien und Afrika hinzukommen.

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  • afp
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