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Projekt Yerka Ein Albtraum für Fahrraddiebe

Zweiräder gehören zu den begehrtesten Objekten von Langfingern, immer raffiniertere Designs sollen es Dieben schwerer machen. Drei Chilenen scheinen den Traum vom absolut diebstahlsicheren Rad nun erfüllen zu können.
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Der untere Fahrradrahmen lässt sich öffnen und mit einem Ende etwa um einen Laternenpfahl schließen. Diebe müssten so das ganze Rad zerstören, um es stehlen zu können- Quelle: dpa

Der untere Fahrradrahmen lässt sich öffnen und mit einem Ende etwa um einen Laternenpfahl schließen. Diebe müssten so das ganze Rad zerstören, um es stehlen zu können-

(Foto: dpa)

Santiago Es ist der Traum eines jeden Radfahrers – das Zweirad, das man nicht stehlen kann. Schon seit geraumer Zeit gibt es den Trend, Fahrräder zu sichern, indem Bestandteile des Drahtesels in Schlösser verwandelt werden können. So erfand eine New Yorker Designfirma „Seatylock“, einen Sattel, der etwa die Speichen blockieren kann. Und das aus Seattle stammende Design „Denny“ funktioniert kurzerhand einen abnehmbaren Handlenker zu einem Schloss um.

Doch drei Studenten aus Chile scheinen den Traum vom absolut diebstahlsicheren Rad nun tatsächlich erfüllen zu können. Ihr Prototyp „Yerka“ gibt den bisherigen Erfindungen noch einmal einen ganz neuen Dreh: Der untere Fahrradrahmen lässt sich öffnen und mit einem Ende etwa um einen Laternenpfahl schließen.

Wo Diebe am liebsten Fahrräder klauen
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Die Kette nur um Reifen und Stange gelegt, nicht das teuerste Schloss benutzt und schon steht man nackt da – zumindest im übertragenen Sinne, nämlich ohne akkurates Fortbewegungsmittel: Diese Situation kennen viele passionierte Radfahrer, jedes Jahr werden etliche zu Opfern von Fahrraddieben. In 2013 haben fast 317.000 Räder unfreiwillig den Besitzer gewechselt, wie eine aktuelle Kriminalitätserhebung des Versicherungsportals Geld.de zeigt. In den 80 größten Städten Deutschlands wurden fast 4000 Räder mehr als im Jahr 2012 gestohlen. Insgesamt schätzt Geld.de den Schaden durch die Diebstähle auf 134 Millionen Euro.

(Foto: Picture Alliance)
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Bundesweit liegt die Aufklärungsquote für Fahrraddiebstähle bei 9,6 Prozent. Viele Räder bleiben also verschwunden, die Täter werden selten geschnappt. Am schlechtesten schneiden die Polizeikräfte in den Stadtstaaten Hamburg (Aufklärung von nur 4,4 Prozent der Delikte), Berlin (4 Prozent) und Bremen (6,2 Prozent) ab. Denn am Tatort werden meist keine verwertbaren Spuren hinterlassen und die teils international agierenden Banden sind hochprofessionell organisiert. Kurz nach dem Diebstahl werden die Räder laut der Untersuchung häufig in ihre Einzelteile zerlegt und so unauffällig ins Ausland transportiert. Zwar stammen insgesamt nur 22,7 Prozent der Täter aus dem Ausland, doch die Studie benennt in Anlehnung an Polizeischätzungen einen Trend zur Bandenkriminalität aus osteuropäischen Ländern im Bereich des Fahrraddiebstahls. Die Autoren schreiben: „Das größte Problem: Die fehlenden Grenzkontrollen ermöglichen es den hervorragend organisierten Kriminellen, leicht ins Land zu kommen und wenige Stunden nach den Raubritter-Zügen Deutschland wieder zu verlassen.“

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Remscheid
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Ein weiterer Grund für die hohen Diebstahlzahlen ist neben der internationalen Bandenorganisation jedoch auch mangelnde Vorsicht: Laut Allgemeinem Deutschen Fahrradclub ist jedes vierte Rad in Deutschland nicht gesichert. Dabei ist der Faktor Zeit beim Fahrradklau entscheidend. Je schwieriger ein Schloss zu knacken ist, umso eher lässt ein Dieb die Finger davon. Doch das ist genau das Problem: Die Hersteller von Fahrradschlössern werfen zu viel schlechte Ware auf den Markt – das belegt auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Nur wenige der 37 getesteten Schlösser hielten den mit Zangen und Sägen ausgestatteten Kontrolleuren Stand – bei den meisten brauchten sie nicht einmal drei Minuten, um sie zu knacken. Bügelschlösser schnitten im Vergleich noch am besten ab.

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Doch guter Riegel hin oder her – wenn die Diebe wirklich wollen, überwinden sie die meisten Schlösser, selbst teure. Insofern scheint neben der Qualität des Schlosses doch auch die kriminelle Energie in einer Stadt entscheidend, in der ein Besitzer sein Rad abstellt. Und da zeigt das Ranking der Experten von Geld.de erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Städten und Regionen auf. Es folgt ein Überblick über die sichersten und die unsichersten Städte.

(Foto: dpa)
Müngstener Brücke
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Sicherste Städte / Rang 1: Remscheid

Ein wahres Eldorado für Fahrradbesitzer scheint Remscheid im bergischen Land zu sein – zumindest was die Sicherheit des Drahtesels angeht. Hier im Schatten der Müngstener Brücke werden laut der polizeilichen Statistiken 90 Prozent weniger Räder geklaut als im Schnitt der verglichenen 80 größten deutschen Städte. Es gab nur 59 Diebstähle pro 100.000 Einwohner, demnach gab es noch einmal 26 Prozent weniger Delikte als 2012 und zusätzlich lag die Aufklärungsquote mit 16,9 Prozent vergleichsweise hoch.

(Foto: dpa)
Opernhaus Wuppertal
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Sicherste Städte / Rang 2: Wuppertal

Das bergische Land scheint generell auf der Prioritätenliste der Diebe sehr weit unten zu stehen – ob es an den geologischen Bedingungen und den vielen Steigungen liegt? Beim Abtransport mit Lastern könnten allenfalls die steilen, engen Straßen ein Grund sein. Jedenfalls weist auch Wuppertal, die Stadt der Schwebebahn, eine recht geringe Diebstahlquote auf. Dort wurden 2013 nur insgesamt 285 Räder gestohlen, das sind 83 Delikte je 100.000 Einwohner in der nordrhein-westfälischen Stadt. Die Aufklärungsquote ist mit 10,9 Prozent mäßig.

(Foto: dpa)
Hagen
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Sicherste Städte / Rang 3: Hagen

Auch Hagen schneidet im Vergleich zu vielen anderen Städten gut ab. Während ansonsten Studentenstädte oft überdurchschnittlich betroffen sind, dürfte die Form der Fernuniversität hier der Grund dafür sein, dass dieses Phänomen nicht auf Hagen zutrifft. Nur 85 Räder je 100.000 Einwohner wurden hier 2013 ihren Besitzern entwendet, das sind 85 Prozent weniger, als im Durchschnitt der gerankten Städte. Die Zahl der Diebstähle ging gegenüber 2012 merklich um 18,5 Prozent zurück.

(Foto: Picture Alliance)

Diebe müssten so das ganze Rad zerstören, um es stehlen zu können – doch damit wäre es wertlos. Und mit dieser Überlegung spielen auch die Erfinder.

„Deshalb ist unser Motto: Ein Rad, das gestohlen wird, ist nicht länger ein Rad“, erklärt Cristóbal Cabello, der das Design für „Yerka“ mit zwei Jugendfreunden während eines Ingenieursseminars entwickelte. Und dafür gab es bereits Lob. Tony Hadland, Co-Autor eines Buches über die Geschichte des Raddesigns, nannte den Prototypen „sehr klug“.

Auch Cristóbal Galbán, ein chilenischer Doktorand an der Universität Andrés Bello von Santiago, sieht großes Potenzial in der Idee. Denn: Radfahren wird auch in Lateinamerika immer beliebter, und neue Radwege, mehr Abstellmöglichkeiten und eine wachsende Zahl von Radsharing-Anbietern locken immer mehr Pendler vom Auto aufs Zweirad.

„Das Hauptproblem in Chile und anderswo sind aber die Diebstähle, und ‚Yerka‘ könnte dabei Abhilfe schaffen“, sagte Galbán, dessen Rad kürzlich ebenfalls auf Nimmerwiedersehen verschwand.

Mitte 2015 sollen die ersten Räder zu haben sein
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