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Quantencomputing Millionen für Quantencomputer aus Europa: Darum weckt IQM so große Hoffnungen

Investoren stecken weitere 39 Millionen Euro in das Start-up des deutschen Gründers Jan Goetz. Er will München zum Ökosystem für Quantentechnologie machen.
10.11.2020 - 17:11 Uhr Kommentieren
Sie bauen Quantencomputer in Europa (von links nach rechts): der Geschäftsführer Jan Goetz, der leitende Wissenschaftler Mikko Möttönen, Technologiechef Kuan Yen Tan und COO Juha Vartiainen haben ihre Firma aus der finnischen Aalto-Universität ausgegründet.
IQM-CEO Jan Goetz und sein Mitgründer-Team

Sie bauen Quantencomputer in Europa (von links nach rechts): der Geschäftsführer Jan Goetz, der leitende Wissenschaftler Mikko Möttönen, Technologiechef Kuan Yen Tan und COO Juha Vartiainen haben ihre Firma aus der finnischen Aalto-Universität ausgegründet.

Düsseldorf Europa braucht eigene Quantencomputer, und Investoren setzen dabei auf IQM: Das Start-up mit Standorten im finnischen Espoo und München hat für seine Hardwareentwicklung 39 Millionen Euro eingesammelt. „Mit dem Geld können wir die Entwicklung unserer Maschinen beschleunigen und weitere Talente ausbilden“, sagt der deutsche Mitgründer und CEO Jan Goetz, 34, zur Finanzierungsrunde.

Insgesamt belaufen sich die von öffentlichen und privaten Geldgebern investierten Mittel in sein Start-up nun auf 71 Millionen Euro. Sie sind Ausdruck einer Hoffnung, bei der es um mehr als die Rendite geht.

Bisher ist der Kampf um die „Quantenvorherrschaft“ ein Rennen zwischen den USA und China. Zu den größten Treibern der Schlüsseltechnologie zählen US-Riesen wie Google und IBM, auch Chinas Techkonzerne Tencent, Alibaba und Huawei investieren massiv. Die Frage drängt sich auf: Kann ein kaum zwei Jahre altes Start-up da mithalten?

Fakt ist: Nicht zuletzt die Abschottung der USA bei Quantentechnologie-Fortschritten hat die hiesige Politik aufgerüttelt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will Europa zur digitalen Souveränität führen. Dafür brauchen die Mitgliedstaaten auch eigene Quantencomputer in ihren Supercomputingzentren, die viel kompliziertere Rechnungen durchführen können als herkömmliche Computer. Und IQM könnte sie bauen.

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    „IQM ist im Rennen um die Quantencomputer-Entwicklung ganz vorne mit dabei“, sagt der Münchener Deep-Tech-Investor Thomas Oehl von Vsquared, dessen Wagniskapitalfirma sich zum zweiten Mal an dem Start-up beteiligt. „Auch akademisch hat das Team in der Quantencomputerwelt unheimlich viel Strahlkraft“, sagt er. Die finnische Aalto-Universität, aus der IQM ausgegründet wurde, sei zudem eines der wenigen Quanten-Forschungsinstitute in Europa, das komplett unabhängig von Förderungen der großen US-Techunternehmen sei.

    Die vier Gründer verfolgen mit ihrer 70-köpfigen Firma einen anderen Ansatz als etwa Google oder IBM. Statt einen Quantencomputer zu entwickeln, der alle denkbaren Berechnungen durchführen kann, sollen für spezielle Anwendungen jeweils eigene Maschinen gebaut werden, erklärt CEO Goetz. Die Überlegung: „Wenn wir jeweils eigene Maschinen für Finanzprobleme, Medikamentenentwicklung und Maschinelles Lernen bauen, muss die Hardware nicht so leistungsstark sein wie ein Mehrzweck-Computer – sie erfüllt aber für die jeweilige Anwendung den gleichen Zweck.“

    Talente mit dem Supercomputer ausbilden

    So weit ist es aber noch nicht. „Bisher kann man unsere Maschinen für zwei Dinge nutzen: zur Ausbildung neuer Talente und um in der Forschung Probleme aus der Physik und Chemie zu lösen“, sagt Goetz. Die Möglichkeit, Quantenexperten selbst auszubilden, ist wichtig: „Talente sind eine der knappsten Ressourcen auf dem Gebiet, es gibt viel zu wenig Menschen, die Quantenphysik studieren und Expertise auf dem Gebiet haben.“

    Geld einbringen sollen zunächst Verkäufe an Forschungslabore und Supercomputing-Zentren. Industriekunden sollen folgen. Aktuell sucht IQM Partner bei Konzernen und Quantensoftwarefirmen, um künftige IQM-Computer auf tatsächliche Bedürfnisse abzustimmen. Unter anderem verhandelt es mit einem deutschen Autokonzern.

    Der Ansatz hat auch in China Interesse geweckt. Techinvestor Tencent beteiligt sich nun ebenso an dem Start-up wie mehrere europäische Investoren um die MIG-Fonds, den finnischen Staatsinvestor Tesi und den finnischen Wagniskapitalgeber OpenOcean.

    „Für mich zählt Abschottung nicht zu den europäischen Werten“, sagt Goetz zu Vorbehalten gegen chinesische Beteiligungen an Schlüsseltechnologien. „Natürlich geben wir nicht die Kontrolle ab, und es gibt auch keinen Technologieabfluss, wir wollen lediglich ein Geschäft machen.“

    Tencent sei einer der größten Cloudanbieter und Quantencomputerleistung über die Cloud vermarktbar: „Wir könnten einen Computer hier in München stehen haben, mit dem wir in China Geld verdienen.“

    Goetz will München zum Quantencomputing-Zentrum machen

    Große Hoffnungen setzt IQM auch auf die Bundesregierung. Zwei Milliarden Euro stellt sie mit dem Konjunkturpaket für Quantentechnologie bereit. Forschungsministerin Anja Karliczek hatte im August verkündet: „Wir haben uns vorgenommen, dass wir im nächsten Jahr einen ersten Rechner stehen haben.“

    Bisher kann IQM nur in Finnland Maschinen produzieren. Jetzt sieht das Start-up seine Chance: „Wir haben der Bundesregierung vorgeschlagen, Quantencomputer hier in München zu bauen“, sagt Goetz.

    Bisher nutzen deutsche Wissenschaftler in der Regel US-Quantentechnologie, etwa über Cloudlösungen. Der Nachteil: „Der Wissenstransfer an die deutsche Community findet kaum statt“, sagt Goetz. „Wir wollen mit Forschern vor Ort ein System aufbauen, in dem wir das Wissen in Deutschland generieren und halten.“

    Vorbild für Goetz ist das Umfeld der Aalto-Universität. „In Helsinki gibt es seit den 1960er-Jahren Forschung zu supraleitenden Schaltkreisen, dadurch ist eine Infrastruktur entstanden mit starken Firmen und einer Produktionslinie.“ Nur weil der Staat einen Reinraum und die notwendigen Maschinen vermiete, habe sich IQM die Produktion von Prozessoren leisten können.

    Doch entscheidend für seine Ausgründung war letztlich das Personal. Nach dem Studium an der TU München wollte Goetz in Helsinki eigentlich eine Professorenlaufbahn in der Quantentechnologie einschlagen: „Wir vier Gründer hatten ein Team hinter uns, das gesagt hat: ,Wenn ihr ausgründet, sind wir dabei' – wir waren von Tag eins an zwanzig Leute“, sagt Goetz. Er will, dass sich die Geschichte für andere Wissenschaftler in München wiederholt.

    Mehr: Die Quantenoffensive: Wie Deutschland den Vorsprung der USA aufholen will.

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