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Quantensprung Elektrische Liebe bei Fischen

Elektrische Fische bauen ein Spannungsfeld auf, um sich in ihrer Umwelt zurecht zu finden. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden: Die elektrische Spannung dient auch der Partnerwahl. Anmerkungen zu einem knisternden Forschungsfeld.
  • Axel Meyer
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Vor 35 Jahren veröffentlichte der Philosoph Thomas Nagel in der Zeitschrift "Philosophical Review" einen denkwürdigen Aufsatz mit dem ungewöhnlichen Titel "What is it like to be a bat?". Es ging ihm darum, den Unterschied zwischen subjektiven und objektiven Sichtweisen zu verstehen, aber auch um Fragen des wissenschaftlichen Reduktionismus, des Bewusstseins und des Körper-Geist Problems.

Sicher hat sich die Sicht der Welt durch die moderne Wissenschaft objektiviert. So ist auch schon lange klar, dass jede Tierart in einer anderen sensorischen Umwelt, wie Jakob von Uexküll dies nannte, lebt. Hunde leben beispielsweise in einer eher schwarz-weißen (sie können weit weniger Farben unterscheiden als Menschen), geruchsbetonten Welt, und Fledermäuse bewegen sich in einer dunklen Welt des Ultraschalls. Natürlich leben Fledermäuse nur in dieser "Ultra"-Welt, weil wir diese Frequenzen nicht mehr hören; wir definieren schließlich, was "normal" und was außerhalb - eben "ultra" - unserer sensorischen Welt ist.

Manche Sinnesempfindungen fehlen unserer Art völlig, sind aber das Normalste der Welt für andere. Eines meiner Lieblingsbeispiele für eine wohl wirklich andere Umwelt sind die elektrischen Fische. Ihre Augen sind fast vollkommen reduziert, da sie in den trüben Gewässern ihres Lebensraums sowieso unnütz wären. Mit umgebauten Muskelzellen bauen diese Fische ein elektrisches Feld um sich herum auf. Sie nutzen ihre Fähigkeit, Veränderungen in ihrer elektrischen Umwelt wahrzunehmen, um Beute zu finden, sich zu orientieren oder miteinander zu kommunizieren. Manche Arten, wie der Zitteraal im Amazonas, können Spannungen von bis zu 1 000 Volt erzeugen und damit sogar Beute betäuben.

Ein Forscherteam um Ralph Tiedemann von der Universität Potsdam berichtet nun in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Biology Letters", dass die elektrischen Signale auch zur Partnerwahl benutzt werden. Die Tiere konnten sogar zwischen den elektrischen Signalen zweier sehr nahe verwandter Arten unterscheiden.

Bei anderen elektrischen Fischen des Amazonas hat man sogar unterschiedliche innerartliche Dialekte gefunden. So ist es denkbar, dass sozusagen die elektrische Mundart zur selektiven Partnerwahl und damit schließlich zur Artbildung führen könnte.

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