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Raumfahrt Codename Themis – Ariane arbeitet an wiederverwendbaren Raketen

Wiederverwendbare Raketenstufen hielt Arianegroup bislang für Spielerei. Doch nun will ausgerechnet die Tochter Arianeworks eine Lösung dafür finden.
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Arianeworks setze nicht auf dieselben Techniken wie der US-Konkurrent SpaceX mit seiner Space 9. Quelle: dpa
Neue Ariane-6-Rakete

Arianeworks setze nicht auf dieselben Techniken wie der US-Konkurrent SpaceX mit seiner Space 9.

(Foto: dpa)

ParisNoch im April sagte André-Hubert Roussel, Vorstandsvorsitzender der Arianegroup, zu einer Gruppe europäischer Journalisten: „Wir nehmen das ernst, sehen aber bislang kein wirtschaftliches Interesse am Bau wiederverwendbarer Teile von Raketen.“ Wenige Wochen später scheint sich die Meinung der Führungsriege des europäischen Raketenbauers geändert zu haben.

Denn es wird kräftig in Arianeworks investiert, die kleine Tochter soll eine Lösung für die Wiederverwendung von Raketen finden unter dem Codenamen Thermis. Eingebunden in diese Aufgabe sind nicht nur frühere Mitarbeiter des CNES, also der französischen Raumfahrtbehörde, sondern auch von Arianegroup.

Auf der Paris Air Show in Le Bourget wird Arianeworks ab dem 17. Juni erstmals Einblick in die eigene Arbeit geben. „Wir sind keine Jungs, die gerade von der Uni kommen“, sagt Jérôme Vila, der eine leitende Funktion beim CNES hatte. „Wir funktionieren wie eine Kommandoeinheit, suchen nach Entwicklungen und Entscheidungen, die in klassischen Strukturen viel schwieriger oder unmöglich sind“, ergänzt der Franzose. Das kleine Unternehmen erlaube es, viel schneller vorzugehen.

Derzeit arbeitet es an einem Demonstrator einer erneut zu verwendenden Stufe im verkleinerten Maßstab. Auch ein Berliner Start-up ist mit von der Partie.

Generell öffnet Arianegroup sich stärker privaten Finanziers. Denn die Gelder der ESA, also der europäischen Weltraumorganisation, fließen nicht sehr üppig und sind stets an den „Geo-return“ gebunden. Das ist die Auflage, dass jeder Staat so viel zum Projekt beitragen muss, wie er finanziell zuschießt.

Konkurrenz für Elon Musk

Arianeworks setze nicht auf dieselben Techniken wie der US-Konkurrent SpaceX mit seiner Space 9, die schon mehrfach aus dem All zurückkehrend sicher auf ihren Beinen gelandet ist, sagt Experte Vila. „Beine an einer Rakete sind kontraproduktiv“, fertigt er den SpaceX-Durchbruch ab, der den Amerikanern nach Ansicht von Fachleuten einen Vorsprung von mehreren Jahren gegenüber Ariane sichert.

Bei Arianeworks ist man davon überhaupt nicht überzeugt und führt ein Argument dafür an: „Die Beine erhöhen das Gewicht und verringern die mögliche Nutzlast, außerdem machen sie das ganze System komplexer“, heißt es.

Aber welche Alternative gibt es – Fallschirme wie bei einer Raumkapsel? Die seien gut bei vergleichsweise leichten Teilen, bei einer kompletten ersten Stufe aber eher ungeeignet. Vila will die Karten noch nicht aufdecken.

Man habe auch daran gedacht, lediglich den Motor der ersten Stufe zu bergen und das bereits ausprobiert. Der Motor gehört zu den teuersten Teilen einer Rakete. Sein Bau ist kostspielig und langwierig, doch er ist nur einige Dutzend Sekunden im Einsatz. Dabei könnte man ihn fünf- bis zehnmal so lange nutzen. Doch die Trennung vom Rest der ersten Stufe und die anschließende Bergung seien wirtschaftlich nicht interessant, deshalb verfolge man jetzt andere Möglichkeiten.

Der Motor der künftigen ersten Stufe wird das „Prometheus“-Aggregat sein, das Arianegroup gerade entwickelt. Es soll deutlich billiger sein als das derzeit und ab 2020 auch bei der Ariane 6 verwendete Vulkan-Triebwerk. Viele Teile entstehen im 3D-Druck, das beschleunigt und verbilligt die Herstellung.

„Mit Ariane 6 sparen wir schon 40 bis 50 Prozent, aber dann müssen die Kosten weiter sinken“, gibt Vila die Richtung vor. Prometheus soll nur ein Zehntel der Vulkan-Kosten verursachen. Fehlt nur noch die passende kostengünstige Lösung für die Wiederverwendung. Der Arianeworks-Mann ist sich sicher: „In ein paar Jahren wird unsere erste Stufe fliegen.“

Mehr: Die Ariane-6-Rakete sichert Europas Zukunft in der internationalen Raumfahrt.

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