Raumfahrt Russland und China wollen gemeinsam zum Mond

Den Mond im Blick, arbeitet die russische Raumfahrt an einem Netzwerk internationaler Kooperationen. Das soll Kosten reduzieren und politische Brücken schlagen.
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Russlands Raumfahrt hat den Mond ins Visier genommen. Quelle: dpa
Russischer Raumfrachter

Russlands Raumfahrt hat den Mond ins Visier genommen.

(Foto: dpa)

Moskau/PekingBei der Erforschung des Mondes setzt Russland künftig neben der Zusammenarbeit mit den USA und Europa auch zunehmend auf China. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos und Chinas CNSA hätten in einem Abkommen eine engere Kooperation bei Mond-Projekten vereinbart, teilte Roskosmos mit. Zudem hätten sich Russlands Raumfahrtchef Igor Komarow und ein chinesischer CNSA-Vertreter am Rande einer Konferenz in Tokio darauf verständigt, eine gemeinsame Datenbank für ihre Projekte zu gründen.

Nach Darstellung von Roskosmos haben Russland und China ihre Kooperation zuletzt mit mehreren Abkommen ausgeweitet. So hatten sie 2017 etwa ein Programm für die Jahre 2018 bis 2022 entworfen. Neben der Mondforschung werden darin auch der Einsatz von Satelliten und das Monitoring von Weltraumschrott genannt. Zudem regelt ein Abkommen von 2016 den Schutz der eigenen Technologien in der Zusammenarbeit zwischen Moskau und Peking.

Russland und China haben sich ambitionierte Mondprojekte vorgenommen. Moskau will mehrere Sonden zum Erdtrabanten schicken, bevor bis etwa 2030 erstmals ein Kosmonaut den Mond betreten soll.

Ein Tempel für den Mond
Ein Tempel auf dem Mond
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Wer an eine Raumstation auf dem Mond denkt, dem kommen wohl vor allem funktionale Bauten in den Sinn, die auf das Überleben unter den extremen Bedingungen des Erdtrabanten sicher stellen sollen. Jorge Rubio vom Advanced Concepts Team der Weltraumbehörde Esa hat da andere Vorstellungen: Er will Raumfahrern auch einen Ort der Kontemplation geben - und hat einen Tempel für den Mond entworfen. (Foto: Jorge Rubio/Esa)

Tempel im Sonnenlicht
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Als Standort des Kuppelbaus hat der Esa-Künstler den Rand des Shackleton-Kraters in der Nähe des Mond-Südpols ins Auge gefasst. Ein Ort, der praktisch rund um die Uhr von der Sonne beschienen wird... (Foto: Jorge Rubio/Esa)

Shackleton-Krater
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...während im Inneren des Kraters ewige Dunkelheit herrscht. (Foto: Jorge Rubio/Esa)

Blick aus dem Tempel auf die Erde
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Der Mondtempel nach den Vorstellungen Rubios wäre ein riesiger Kuppelbau mit zwei Öffnungen: Die eine gibt den Blick frei auf die ferne Erde... (Foto: Jorge Rubio/Esa)

Blick in die Tiefe des Alls
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...während die Öffnung an der Oberseite Ausblicke in die Tiefe des Alls ermöglicht. (Foto: Jorge Rubio/Esa)

Tempel auf dem Mond
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Für Rubio soll der Mondtempel den künftigen Bewohnern des Erdtrabanten eigene Möglichkeiten zur sozialen Interaktion und zur Entwicklung neuer Formen von Kult und Ritual eröffnen. „Die Besiedlung des Mondes wäre die perfekte Chane für einen Neustart an einem Ort ohne soziale Konventionen, ohne Nationen und ohne Religion“, so der Künstler. „Dieser Tempel ist gedacht als eine mythische und universelle Struktur, um die Menschen in neuer Umgebung auf neuen Wegen zusammenzubringen.“ (Foto: Jorge Rubio/Esa)

China plant zwei Mondmissionen bis 2020: Voraussichtlich bis Jahresende ist die erste Landung überhaupt auf der erdabgewandten Seite des Mondes geplant. Bei dem zweiten Flug soll die Raumsonde „Chang'e 5“ ein Roboter-Fahrzeug absetzen, Proben sammeln und diese zur Erde bringen. Es wäre das erste Mal, dass ein chinesisches Raumschiff mit Mondgestein zur Erde zurückkehrt.

Komarow habe bei der Konferenz in Tokio auch mit Partnern der Europäischen Raumfahrtagentur Esa und der US-Behörde Nasa über gemeinsame Programme beraten. Dabei sei es etwa um die Planung einer bemannten Raumstation in der Nähe des Mondes gegangen, teilte Roskosmos mit.

Im Herbst hatte Russland mitgeteilt, dass es sich am US-Projekt „Deep Space Gateway“ beteiligen will. Diese Raumstation soll um den Mond kreisen und von dort aus Landungen auf dem Erdtrabanten und Flüge tiefer ins All ermöglichen. Die Station könnte gegen Mitte oder Ende der 2020er Jahre eine Alternative zur Internationalen Raumstation ISS werden, die seit fast 20 Jahren in 400 Kilometern Höhe um die Erde kreist und deren Finanzierung nach 2024 nicht gesichert ist.

Russland arbeitet in der Raumfahrt seit Jahrzehnten eng unter anderem mit Nasa und Esa zusammen. Trotz politischer Konflikte zwischen Russland und dem Westen sagen Funktionäre auf beiden Seiten seit langem, dass die Raumfahrt Brücken schlägt. Zugleich soll die Kooperation die immensen Kosten senken.

Auch über das Milliardenprogramm ISS hinaus gibt es viele gemeinsame Projekte. Mit der Esa etwa sucht Roskosmos im Programm ExoMars nach Spuren von Leben auf dem Roten Planeten. Erst Ende Februar hatte sich Roskosmos-Direktor Komarow mit Esa-Chef Jan Wörner getroffen, um über den Start eines Rovers zum Mars zu beraten, der für 2020 geplant ist.

Auch die Esa und die Nasa haben den Mond fest im Blick. Esa-Chef Wörner wirbt für die Idee eines „Moon Village“ – einer Basis auf dem Trabanten. Allgemein sehen Raumfahrtbehörden und Experten die Mondforschung als wichtige Etappe für einen bemannten Flug zum Mars.

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