Rocketlab Billigrakete Electron bringt Satelliten ins All

Die neuseeländische Electron-Rakete hat erstmals Satelliten im All ausgesetzt. Hersteller Rocketlab will künftig den Markt für Kleinsatelliten aufmischen: Ein Start der Electron kostet nur fünf Millionen US-Dollar.
  • Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Start der Rocketlab-Mission "Still Testing". (Foto: Rocketlab)
Billigrakete Electron

Start der Rocketlab-Mission "Still Testing". (Foto: Rocketlab)

BerlinIn der Nacht zum Sonntag ist zum zweiten Mal eine Electron-Rakete der neuseeländischen Firma Rocketlab gestartet. Acht Monate nach dem misslungenen Startversuch im Mai 2017 setzte die Rakete zwei Lemur-2 Cubesats und einen Dove Satelliten aus. Ursprünglich sollte der Start schon im Dezember stattfinden, aber in der Hitze des Sommers auf der Südhalbkugel stieg die Temperatur des flüssigen Sauerstoffs in der Rakete stärker als erwartet, was zum Abbruch führte.

Mehr als einen Monat später glückte nun der zweite Start der Mission „Still Testing“, nachdem am Samstag zuvor noch ein Boot im Sperrgebiet von Rocketlabs privatem Weltraumbahnhof Mahia den Start verhindert hatte. Anders als beim problemgeplagten ersten Flug verliefen alle Flugphasen reibungslos. Die erste Stufe flog ohne Rotation vollkommen stabil, auch die Stufentrennung verlief ohne Verlust der Lagekontrolle.

Mit einem Startgewicht von nur zehn Tonnen ist die Electron eine der kleinsten aktiven Raketen für Satellitenstarts. Anstatt der drei Cubesats, die beim Flug „Still Testing“ gestartet wurden, kann die Rakete auch etwa 200 Kilo schwere Nutzlasten in den gleichen Orbit bringen. Ausgelegt wurde die Rakete aber, um eine Nutzlast von 150 Kilo in den anspruchsvolleren sonnensynchronen Orbit in einer Höhe von 500 Kilometern zu bringen.

Diese neuen Raketen sollen bald ins All fliegen
Bloostar
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Die zwei Meter große Rakete Bloostar von Zero 2 Infinity startet von einem Ballon in der Stratosphäre aus ins All. Sein erster Start ist für 2019 geplant. Ein Start kostet vier Millionen Dollar. Ihre Nutzlast: 0,08 Tonnen.

RocketLab Electron
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Die Electron wurde von Rocket Lab teilweise per 3-D-Druck hergestellt. Sie soll noch 2017 das erste Mal starten - für 4,9 Millionen Dollar. So viel kostet ein Start der Electron. Ihre Größe: 17 Meter. Ihre Nutzlast: 0,15 Tonnen.

SpaceX
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Wohl eine der bekanntesten unter den neuen Raketenmodellen ist die Falcon Heavy von SpaceX. Sie soll ebenfalls 2017 das erste Mal an den Start gehen. Obwohl sie wiederverwendbar ist, kostet ein Start 90 Millionen Dollar. SpaceX will die 70 Meter große Rakete mit einer Nutzlast von 64 Tonnen 2018 mit einem Raumschiff gekoppelt zum Rundflug um den Mond schicken.

Recycling-Rakete
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Das Interplanetary Transport System gehört ebenfalls zum Portfolio von SpaceX und ist deshalb ebenso wiederverwendbar. Sie soll nach ihrem ersten Start 2025 100 Menschen zum Mars bringen können. 62 Millionen Dollar kostet ein Start der 122 Meter großen Rakete, die eine Nutzlast von 450 Tonnen bietet.

Launcher One
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Die Launcher One von Virgin Galactic fliegt von einem Boeing-Jet aus ins All. Ihr erster Start wird 2018 anvisiert und soll weniger als 10 Millionen Dollar kosten. Größe: 70 Meter. Nutzlast: 0,23 Tonnen.

Blue Origin
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Die Rakete New Glenn von Blue Origin soll den wiederverwertbaren Raketen von SpaceX Konkurrenz machen. Sie soll 2020 zum ersten Mal starten und dann eine Landefähre zum Mond fliegen. Was ein Start der 95 Meter hohen Rakete dann kosten könnte, gibt das Unternehmen bislang nicht bekannt. Nutzlast: 45 Tonnen.

Ripple Aerospace
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Eine Besonderheit bietet die Sea Serpent One von Ripple Aerospace. Diese 36 Meter große Rakete startet aus dem Meer, braucht also keinen Weltraumbahnhof um abzuheben. Was ein solcher Start kostet, ist nicht bekannt. Die Nutzlast dieser Rakete: 2,6 Tonnen.

Der übernächste Flug soll noch wesentlich weiter gehen: Die Firma Moon Express will mit Hilfe einer Electron-Rakete eine Mission zum Mond fliegen und versuchen, den Google Lunar X Prize zu gewinnen. Dazu muss die Rakete im ersten Quartal des Jahres starten. Zuvor ist noch ein weiterer Start mit 16 Satelliten geplant.

Die Triebwerke der Electron werden von batteriebetriebenen elektrischen Treibstoffpumpen betrieben, von denen die Rakete auch ihren Namen hat. Der Leistungsbedarf der Pumpen von Raketentriebwerken ist so groß, dass Flüssigraketentriebwerke nach der Art der Treibstoffversorgung klassifiziert werden. Die 18 Treibstoffpumpen der ersten Stufe haben mit 666 Kilowatt zusammen mehr als die dreifache Leistung eines Formel-E-Rennwagens. Bei größeren Triebwerken erreichen sie Leistungen von bis zu 170 Megawatt.

Elektrische Pumpen sind im Aufbau wesentlich einfacher und effizienter als herkömmliche Turbopumpen, sind aber auf Batterien angewiesen. Diese haben nicht nur eine geringere Energiedichte als herkömmlicher Treibstoff, sie verlieren während des Fluges auch keine Masse, die sonst als Abgas ausgestoßen wird.

Um nicht die gesamte Batteriemasse mit in den Orbit bringen zu müssen, wurde nach der Hälfte des Fluges der zweiten Stufe eine ihrer zwei Batterien abgeworfen. Bisher erwähnte das Unternehmen dieses Detail nicht, weshalb die Abtrennung einige Beobachter des Starts überraschte.

Rocketlab ist nach SpaceX das zweite Privatunternehmen, das erfolgreich eine selbstgebaute Orbitalrakete startete. Mit nur fünf Millionen US-Dollar Startkosten bietet die Electron derzeit den niedrigsten Einstiegspreis in den Start von Satelliten mit einer Rakete. Bisher wurden solche kleinen Satelliten hauptsächlich als Sekundärnutzlast gestartet, mit sehr eingeschränkten Möglichkeiten, Ziel und Zeitpunkt des Starts selbst festzulegen. Mit dem Start ist Rocketlab die derzeit erfolgreichste Firma einer ganzen Reihe neu gegründeter Unternehmen, die diesen Markt mit kleinen Raketen bedienen wollen.

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