„Rosetta“-Mission „Ritt auf dem Kometen“

„Rosettas“ Komet Tschuri erreicht am Donnerstag den sonnennächsten Punkt: Indes wird die Flugbahn der Esa-Sonde ständig der Aktivität des Kometen angepasst – und muss bis zu 122.000 Stundenkilometern folgen.
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Foto aus dem Weltraum: Im luftleeren Raum geht es rasant zu. Quelle: REUTERS/ESA
„Rosetta“ fotografiert Tschuri

Foto aus dem Weltraum: Im luftleeren Raum geht es rasant zu.

(Foto: REUTERS/ESA)

KölnDer Zielkomet der europäischen „Rosetta“-Mission hat es eilig in diesem Tagen: 122.400 Stundenkilometer wird der kurz Tschuri genannte Komet 67P/Tschurjumov-Gerasimenko schnell sein, wenn er am Donnerstag den sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn erreicht.

Das Datum markiert einen weiteren Meilenstein des historischen "Rosetta"-Projekts, mit dem die Europäische Weltraumagentur ESA wissenschaftliches Neuland betreten hat und das „Rosetta“-Flugdirektor Andrea Accomazzo in einer Zwischenbilanz als "extrem spannend und erfolgreich" beschreibt.

Tschuri wird der erste Komet sein, den Forscher auf der Erde bei seiner größten Annäherung an die Sonne aus allernächster Nähe beobachten können: Mit der „Rosetta“-Muttersonde im Orbit und dem kleinen Landeroboter „Philae“ auf seiner Oberfläche befindet sich der Komet nun unmittelbar vor dem „Wendepunkt“ seiner Bahn – anschließend wird er sich mit seinen irdischen Begleitern wieder langsam von der Sonne entfernen, um erst nach rund sechseinhalb Jahren wieder in die Nähe unseres Zentralgestirns zurückzukehren.

Aufstrebende Weltraumnationen
HAYABUSA PROBE
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Japan

Die Anfänge der japanischen Weltraumforschung reichen zurück bis in die 1960er Jahre. Standen zunächst vor allem Projekte zur Grundlagenforschung – etwa im Bereich der Röntgenastronomie – im Mittelpunkt des Interesses, so ist Japan inzwischen auch mit eigenen Trägersystemen, zahlreichen Satelliten im All sowie ehrgeizigen Raumsonden-Projekten zu einer wichtigen Raumfahrtnation geworden.

Seit Oktober 2003 koordiniert die japanische Raumfahrtagentur Jaxa – ein Zusammenschluss aus drei bis dahin unabhängigen Instituten – Japans Aktivitäten im All. Zu den spektakulärsten Jaxa-Missionen zählte die Sonde Hayabusa (Bild), die 2010 Staubpartikel eines Asteroiden zur Erde brachte. Für die Zukunft plant die Jaxa unter anderem die Errichtung einer Roboter-Basis auf dem Mond.

Indien startet erste unbemannte MondmissionMondmission
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Indien

Seit 1969 verfügt Indien mit der Indian Space Research Organisation über eine eigene Weltraumagentur. Wurde der erste indische Satellit 1975 noch mit einer sowjetischen Rakete ins All gebracht, so besitzt das Land inzwischen eigene Trägersysteme für den Transport von Nutzlast in den erdnahen Weltraum.

Größter Erfolg des indischen Raumfahrtprogramms war der Start der eigenen Mondsonde Chandrayaan-1 im Oktober 2008 (Bild). Für 2013 ist die Nachfolgemission Chandrayaan-2 geplant.

Raketen-Explosion in BrasilienRaketenstart
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Brasilien

Seit 1961 erkundet Brasilien mit der INPE (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais = Nationales Institut für Weltraumforschung) das All. Neben die eher forschungsorientierte Behörde trat 1994 die Agencia Espacial Brasileira zur Koordinierung der Raumfahrtaktivitäten des Landes. Ein Jahr zuvor hatte eine US-Rakete den ersten brasilianischen Satelliten ins All befördert.

Die Entwicklung eines eigenen brasilianischen Trägersystems stand bislang unter keinem guten Stern. Am 22. August 2003 explodierte eine Rakete des Typs VLS-1 an ihrem Startplatz auf der Luftwaffenbasis Alcantara im Norden des Landes. 21 Menschen kamen dabei ums Leben, die Katastrophe warf das brasilianische Raumfahrtprogramm um Jahre zurück. Nach derzeitigem Planungsstand ist frühestens 2013 mit einem neuen Teststart zu rechnen.

Rakete vom Weltraumbahnhof Naro in Südkorea gestartetRakete Südkorea
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Südkorea

Dem Ziel, Südkorea bis 2015 zu einer führenden Weltraumnation aufsteigen zu lassen, hat sich das 1989 gegründete Kari (Korea Aerospace Research Institute) verschrieben. Neben erfolgreichen Satellitenstarts (unter anderem Arirang-1 im Jahr 1999) kann das Land inzwischen auch auf den ersten Start eines eigenen Trägersystems zurückblicken: Am 25. August 2009 hob die erste Rakete des Typs Naro-1 vom Naro Space Center im südkoreanischen Goheung ab (Bild).

Zur Verwirklichung seiner ehrgeizigen Raumfahrtpläne setzt Südkorea auf eine enge Zusammenarbeit mit Russland. So basiert die Naro-Rakete in wesentlichen Teilen auf dem russischen Angara-System. Den guten Weltraum-Beziehungen beider Länder verdankte die koreanische Astronautin Yi So-yeon auch ihren Platz in einem Sojus-Raumschiff, das sie 2008 als erste Südkoreanierin ins All brachte.

The Safir (ambassador) satellite-carrier rocket is seen before launch at Iran's space centre in Tehran
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Iran

2004 nahm die iranische Weltraumagentur ihre Arbeit auf. Ein Jahr später brachte eine russische Kosmos-3-Rakete den ersten iranischen Satelliten ins All. Inzwischen verfügt das Land mit der "Safir" über ein eigenes Trägersystem zum Transport von Satelliten. Für die Zukunft sind auch bemannte Missionen geplant, spätestens 2019 soll die erste verwirklicht werden.

Shavit
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Israel

Mit der Etablierung einer eigenen Weltraumbehörde bekundete Israel 1983 seinen Willen, dem Club der Weltraumnationen beizutreten. 1988 war es soweit: Mit Ofeq-1 startete der erste israelische Satellit zu seiner Reise ins All. Inzwischen verfügt das Land mit der Shavit-Rakete über ein zuverlässiges System zum Transport von Satelliten in den erdnahen Weltraum.

Auf Tschuris Anflug zur Sonne haben die Missionswissenschaftler seit Monaten beobachten können, wie der wenige Kilometer große Brocken aus Eis, Staub und gefrorenen Gasen durch die zunehmende Sonnenenergie langsam aktiv wurde.

Denn wenn sich Kometen der Sonne nähern, bilden die als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems geltenden Himmelskörper Schweife und eine charakteristische Hülle um ihren Kern aus, die sogenannte Koma.

Je aktiver Tschuri wurde, desto schneller mussten die Wissenschaftler am Boden auf Veränderungen an dem Kometen reagieren und die Umlaufbahn der „Rosetta“-Sonde um Tschuri anpassen.

„Die vom Kometen ausströmenden Staubteilchen können die Sternensensoren von 'Rosetta' stören“, sagt Accomazzo im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP – mit der Folge, dass sich die seit einem Jahr um den Kometen kreisende Sonde nicht mehr am Sternenhimmel orientieren kann.

„Da wird es noch manche Überraschung geben“
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