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Schneller schlau Was macht der „Borborygmus“ mit uns?

Aus der Tiefe – Schneller schlau, die tägliche Portion Wissen.
  • Jan Osterkamp
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Wenn der Magen grummelt, helfen manchmal nur Verzweiflungstaten. Quelle: Reuters

Wenn der Magen grummelt, helfen manchmal nur Verzweiflungstaten.

(Foto: Reuters)

Das Magengrummeln von Hungrigen weckt schon seit der Antike das Interesse der Wissenschaft: Bereits klassisch-griechische Forscher untersuchten das Bauchgrollen und bezeichneten es lautmalerisch als Borborygmus. Heute wissen wir, dass das Geräusch zunehmend vernehmbar wird, wenn Magen und Dünndarm nach einer längeren Zeit ohne Nahrungsaufnahme weitgehend geleert sind. Dies führt dazu, dass die typischen Geräusche, die wir mit der stetigen Eingeweidetätigkeit dauernd produzieren, weniger stark gedämpft werden - das Grummeln hallt lauter als im Normalfall.

Die meisten Geräusche sind dabei zunächst einmal direkte Folge der so genannten Peristaltik: Die mehr oder weniger schlauchförmigen Organe von Magen und Darm werden durch eine zentimeterweise über das Organ wandernde, ringförmige Einschnürung in Richtung Dickdarm ausgepresst – eine Kontraktion von Ringmuskulatur, die allerdings auch dann abläuft, wenn der Verdauungstrakt schon ziemlich leer gepresst ist. Durch die ringförmige Kontraktion werden Nahrungsbrei und dazwischen gefangene Gase vermischt – und genau dabei entstehen blubbernde oder grollende Geräusche. Etwas lauter kann das Ganze durch ein Mehr an Eingeweidegas werden. Es entsteht zum Beispiel dann, wenn der Verdauungstrakt bestimmte Nahrungsbestandteile nicht vollständig abbauen kann – das können etwa Hülsenfrüchte und Molkereiprodukte sein oder glutenreiche Getreideprodukte.

Die peristaltische Kontraktion der Eingeweide-Muskulatur muss natürlich gut organisiert ablaufen. Entscheidend ist dafür ein rhythmisch an- und absteigendes elektrisches Potenzial, das für eine ordentliche Choreografie der glatten Muskulatur sorgt. Dieses Potenzial entsteht durch eine konzertierte Aktion des gesamten in den Eingeweideoberflächen integrierten Nervensystems. Letztlich sorgt dieser Taktgeber für Kontraktionswellen, die regelmäßig alle drei beziehungsweise zwölf Minuten über Magen- beziehungsweise Darmwand laufen.

Hormonelle und nervöse Reize können die Frequenz und Kraft der peristaltischen Kontraktion zusätzlich erhöhen – dies passiert zum Beispiel kurz nach einer Nahrungsaufnahme. Ist der Verdauungstrakt aber rund zwei Stunden lang geleert gewesen, so setzt ein zusätzlicher Mechanismus ein: Rezeptoren in den Magenwänden signalisieren die offenkundige Abwesenheit von Nahrungsbestandteilen und lösen ihrerseits neuronale Aktivität im umliegenden Nervengeflecht aus, die so genannten myoelektrischen Motorkomplexe (MMC, migrating myoelectric complexes).

Diese Signalwellen wandern über Magen und Darm und lösen „Hunger-Kontraktionen“ aus, die stets im unteren Magenabschnitt beginnen und sich über den gesamten Dünndarm bis zu dessen Endabschnitt, dem Krummdarm, fortsetzen. Sinn dieser Kontraktionswellen ist es, den Darm von allen verbliebenen Inhalten – Magenschleim, Nahrungsresten und Bakterien – möglichst zu leeren und zu verhindern, dass sich solche Reste an einer Stelle des Verdauungstraktes sammeln und dort Schaden anrichten.

Diese Sanitär-Kontraktionsarbeit geht mit Vibrationen und damit auch gelegentlich gut hörbaren Rumpelgeräuschen einher. Einmal angelaufen, dauern diese Kontraktionen zwischen zehn und zwanzig Minuten an und werden alle zwei Stunden wiederholt – bis wieder Nahrung aufgenommen wird. Damit klingen die MMCs ab – und alle in der Leere der Eingeweide hallenden Geräusche werden gedämpft durch die Bestandteile etwa eines leckeren Abendessens.

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