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Schneller schlau Wie viele Spinnen braucht man für einen Teppich?

Die spinnen, diese Forscher – Schneller schlau, die tägliche Portion Wissen.
  • Jan Guldner
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Dieses Netz besteht aus Spinnenseide. Daraus lässt aber noch mehr machen, wenn man Geduld hat. Quelle: dpa

Dieses Netz besteht aus Spinnenseide. Daraus lässt aber noch mehr machen, wenn man Geduld hat.

(Foto: dpa)

Das Stück Stoff ist auf den ersten Blick unscheinbar. 3,30 Meter auf 1,20 Meter ist es groß, mit langen Fransen an den Enden. Auffällig ist lediglich die golden schimmernde Farbe. Würde es einfach so auf dem Boden liegen, man würde sich vermutlich die Füße daran abstreifen und weitergehen, ohne den Teppich eines Blickes zu würdigen. Damit würde man dem Exponat im New Yorker Museum of Natural History aber nicht die Aufmerksamkeit schenken, die es verdient hat.

Denn der goldene Teppich ist ein Unikat, nie gab es etwas Vergleichbares. Er ist komplett aus Spinnenseide gefertigt, ein Projekt, das die Wissenschaftler Simon Peers und Nicholas Godley in Madagaskar betreuten. Vier Jahre hat die Herstellung dieses einen Stückes Stoff aus dem seltenen Material gedauert. Eine Million Spinnen wurden in dieser Zeit um den kostbaren Faden erleichtert, mit dem sie sonst ihre Netze weben. Allein 70 Menschen sammelten täglich Seidenspinnen der Gattung Nephila ein. Das war ausschließlich während der Regenzeit möglich, denn nur in den Monaten von Juni bis Oktober produzieren die Spinnen ihre golden schimmernde Seide.

Etwa 25 Meter Seidenfaden produzierte jede Spinne, bevor sie wieder in die Freiheit entlassen wurde. Ein Problem: 14.000 Spinnen braucht es, um eine Unze - ungefähr 30 Gramm - Seide herzustellen. Der fertige Teppich sollte aber mehr als ein Kilogramm wiegen. "Die Zahlen sind verrückt", sagte der Seiden-Experte Godley. Die Projektleiter mussten sich also etwas einfallen lassen, um möglichst effektiv an das Material zu kommen.

Deshalb baute Simon Peers eine Maschine nach, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts zum Einsatz kam um den Faden zu entnehmen. Der Missionar Jacob Paul Camboué arbeitete damals bereits in Madagaskar mit den Seidenspinnen. Er konstruierte eine handbetriebene Maschine, die die Seide von bis zu 24 Spinnen gleichzeitig extrahieren konnte, ohne diese zu verletzen.

Seit langem schon versuchen Wissenschaftler die Spinnenseide im Labor herzustellen. Geschafft hat das noch keiner. Dabei wäre es extrem nützlich den Stoff im großen Stil herzustellen, denn das Material ist robust. Die Spinnenseide kann um bis zu 40 Prozent überdehnt werden ohne zu reißen. Eigenschaften, die sie stärker und flexibler machen als Stahl oder Kevlar, die derzeit für schusssichere Westen verwendet werden.

Das Exponat kann jetzt im Museum of National History in New York bestaunt werden. Bilder finden Sie auch auf der Internetseite des Museums.

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