Sentinel-Satellit startet in Kourou Grollend in den Tropenhimmel

Vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou schickt die EU seit Jahrzehnten ihre Satelliten ins All – so auch den neusten Erdbeobachter Sentinel-2B. Bei aller Routine bleiben solche Starts selbst für Experten aufregend.
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Durch ESA – Fünfter europäischer Erdbeobachtungssatellit gestartet

KourouUm 22.49 Uhr Ortszeit (2.49 Uhr deutscher Zeit) steigt ein Feuerball auf. Für etwas mehr als zwanzig Sekunden breitet sich das gleißende Licht aus am nördlichen Horizont, steigt höher, dann verschwindet die Vega-Rakete hinter der tropischen Wolkendecke – Europas neuer Erdbeobachtungs-Satellit „Sentinel-2B“ ist auf dem Weg ins All.

Zum Abschied schickt die Rakete ein tiefes Donnergrollen zur Erde. Erst mit gut einer halben Minute Verzögerung erreicht der tiefe Ton die Zuschauer in mehr als zehn Kilometern Entfernung auf der Terrasse des Kontrollzentrums am europäischen Weltraumbahnhof Kourou.

Russlands Stolz – das Kosmodrom in Wostotschny
Weltraumbahnhof Wostotschny
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Der Stolz der russischen Ingenieure ist 52 Meter hoch: ein mobiler Versorgungsturm auf Schienen für den Abschuss der ersten Rakete von Russlands neuem Kosmodrom Wostotschny. Wie ein gewaltiger Schrank soll der Gerüstturm künftig vor Starts um die Raketen geschoben werden. Bei Temperaturen zwischen minus 50 Grad Celsius und 40 Grad plus im Osten Sibiriens könnten die Spezialisten so geschützt arbeiten.

Rakete Sojus-2.1a
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Die Bewährungsprobe für den neuen Weltraumbahnhof stand im April 2016 an. Präsident Wladimir Putin war selbst anwesend, als eine Rakete vom Typ Sojus-2.1a mit drei Satelliten an Bord vom neuen Kosmodrom abhob.

Modell des neuen Weltraumbahnhofs
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Wostotschny im Gebiet Amur – rund 8000 Kilometer östlich des Machtzentrums Moskau – wird Russlands neues Fenster zu den Sternen. Hier will die stolze Raumfahrtnation bis 2030 ihren ersten Kosmonauten zum Mond schicken, ein Flug zum Mars soll folgen. (Foto: Wikipedia/Vitaly Kuzmin/CC BY-SA 3.0)

April 2013: Präsident Putin besucht die Baustelle
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Für den Ausbau eines früheren Militärgeländes haben Tausende Arbeiter eine 700 Quadratkilometer große Schneise - eine Fläche etwa so groß wie Hamburg - in die Taiga geschlagen. Schnellstraßen, Eisenbahn und Seehäfen in der Nähe machen den Standort attraktiv. Und die russische Führung erhofft sich vom neuen Kosmodrom weitere Impulse für die Entwicklung der Region sowie neue Arbeitsplätze.

Baupfusch, Korruption und nicht gezahlte Löhne
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Ganz ungetrübt ist das Bild des Prestigeprojekts allerdings nicht. Baupfusch und Streit über nicht gezahlte Löhne haben den ursprünglich für Dezember 2015 geplanten Start verzögert. Millionen Euro versickerten, mehrere Funktionäre kamen wegen Korruptionsverdacht ins Gefängnis, Arbeiter vor Ort klagten über ausstehende Gehälter.

Kritik vom Präsidenten
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Die Zustände auf der Baustelle sorgten auch bei Wladimir Putin für Ärger. „So mit staatlichem Geld umzugehen, ist absolut unzulässig“, sagte der Präsident, als die Verantwortlichen vor Ort die Verschiebung des ersten Starts verkünden mussten.

Roskosmos-Direktor Igor Komarow
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Allen Problemen zum Trotz ist Russlands Raumfahrtelite aber vom Erfolg des Milliardenprojekts Weltraumbahnhof überzeugt. „Wostotschny ist eindeutig das beste (Kosmodrom)“, sagte Roskosmos-Direktor Komarow. In vielen Punkten setze die hochmoderne Raketenbasis weltweit Maßstäbe, sei es bei der Automatisierung oder in Technologiefragen.

Die Rakete mag unterwegs sein: Für gelösten Jubel im Kontrollraum „Jupiter“ ist es aber noch zu früh. Selbst Profis stehen bei solchen Starts unter Strom. „Die Spannung kann uns keiner nehmen“, sagt der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Johann-Dietrich Wörner.

Bei „Sentinel-2B“ wird es noch einmal besonders aufregend: Das Sonnensegel, das für die Energieversorgung im Orbit nötig ist, fährt erst mit Verzögerung aus. Wörner atmet tief durch. Jedes Mal stehen Millionen auf dem Spiel, wenn eine Rakete von Kourou in Französisch-Guyana abhebt.

Entsprechend sorgfältig hat die Europäische Union den Standort ihres Tors zum All gewählt. Im äußersten Nordosten Südamerikas, oberhalb von Brasilien, liegt das 750 Quadratkilometer große Gelände.

Hier, wo Urubu-Geier über dampfenden Mangroven-Wäldern kreisen, liegt Frankreich nur wenige Hundert Kilometer vom Äquator entfernt. Tropenstürme sind nicht zu fürchten und in Abschussrichtung erstrecken sich tausende Kilometer menschenleerer Ozean.

Blitzschlag fürchten die Raketenexperten besonders
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