Sex unter Urmenschen Schlechte Karten für den Neandertalermann

Neandertaler-Gene in unserem Erbgut verraten, dass es in grauer Vorzeit zu sexuellen Kontakten zwischen Mensch und Neandertaler gekommen sein muss. Der Neandertaler-Mann hatte dabei aber die schlechtesten Karten.
Die Nachbildungen einer Neandertalerin (r.) und eines Neandertalers. Neandertalermänner und Menschenfrauen waren offenbar nicht völlig kompatibel miteinander und konnten wohl keinen fruchtbaren Nachwuchs zeugen. Quelle: dpa
Neandertaler

Die Nachbildungen einer Neandertalerin (r.) und eines Neandertalers. Neandertalermänner und Menschenfrauen waren offenbar nicht völlig kompatibel miteinander und konnten wohl keinen fruchtbaren Nachwuchs zeugen.

(Foto: dpa)

HeidelbergMensch und Neandertaler lebten in Europa und Asien nicht nur zeitweilig nebeneinander, sondern hatten gleichzeitig auch fruchtbaren Sex. Davon zeugen Überbleibsel des Neandertalergenoms in unserem Erbgut.

Richtig fruchtbar war allerdings wohl nur die Liaison zwischen männlichen Homo sapiens und weiblichen Homo neanderthalensis, während die umgekehrte Geschlechterverteilung wohl Schwierigkeiten hatte, Nachwuchs zu erzeugen. Zu diesem Schluss kommen Fernando Mendez von der Stanford University und seine Kollegen nach einer ausführlichen Analyse der DNA des Y-Chromosoms eines Neandertalermannes, der vor rund 50.000 Jahren im spanischen El Sidrón gelebt hat.

Fortschrittliche Waffen schon vor 70.000 Jahren
Steinzeitwaffen
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Der anatomisch moderne Mensch hat sich vermutlich vor rund 100.000 Jahren in Afrika entwickelt. Unklar war allerdings, ab wann unsere Vorfahren über die Fähigkeit zum Bau von komplexen Werkzeugen verfügten. Funde in den Pinnacle Point Höhlen (Bild) an der südafrikanischen Küste könnten nun Licht in dieses Dunkel bringen.

Steinzeitwaffen
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Bei Ausgrabungen entdeckten Forscher der Arizona State University winzige Steinklingen, die vermutlich als Teile von Waffen verwendet wurden. Ihr Alter bestimmten die Wissenschaftler auf 71.000 Jahre. Damit wären diese sogenannten Mikrolithen mindestens 6000 Jahre älter als die bislang ältesten vergleichbaren Funde.

Steinzeitwaffen
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Viele der gefundenen Steinspitzen waren  an einer Seite abgestumpft – ein Hinweis darauf, dass sie, wie in dieser Rekonstruktion, an Holz- oder Knochenstäben befestigt wurden, um als Spitzen für Pfeile und Wurfspeere zu dienen.

Steinzeitwaffen
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Zudem wurde das Rohmaterial offenbar vorher erhitzt, um es besser zu den kleinen Spitzen verarbeiten zu können.

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Damit verfügten die Bewohner der Pinnacle-Point-Höhlen schon vor 71.000 über vergleichsweise fortschrittliche Fernwaffen, mit denen sie auf der Jagd oder im Kampf das eigene Verletzungsrisiko minimieren konnten.

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Nach Ansicht der Forscher könnten solche Pfeile und Speere ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass sich der moderne Mensch letztlich gegen den technisch weniger beschlagenen Neandertaler durchgesetzt hat.

Moderne Menschen weisen etwa ein bis drei Prozent Neandertalergene in ihrem Erbgut auf, doch findet sich nichts davon auf unserem Y-Chromosom, was die Studie erneut bestätigt. Das Y-Chromosom wird ausschließlich vom Vater zum Sohn weitergegeben.

Die Auswertung lege nahe, dass Neandertalermänner und Menschenfrauen nicht völlig kompatibel miteinander waren und entsprechend keinen fruchtbaren Nachwuchs zeugen konnten. Zudem hatten die Neandertaler womöglich am Ende ihrer Existenz nur noch eine schlechte Spermienqualität oder produzierten davon keine ausreichenden Mengen mehr, um sich artübergreifend fortzupflanzen.

Der El-Sidrón-Mann könnte den Grund hierfür liefern: Er wies Mutationen in drei Immungenen auf – darunter auch bei einem, dass Antigene produziert, die wiederum Immunreaktionen bei schwangeren Frauen auslösen. In der Folge stoßen diese männliche Föten mit dieser Genausstattung ab oder erleben Fehlgeburten, weswegen allenfalls sehr wenige männliche Nachkommen aus dieser Verbindung hervorgingen.

Womöglich beschleunigten diese Mutationen auch den Niedergang der Neandertaler allgemein, so die Forscher: Ähnliche Mutationen im Erbgut heutiger Homo sapiens sorgen vielleicht auch dafür, dass die Organe von Männern bei der Transplantation vom weiblichen Körper abgestoßen werden.

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