Sichere Identifikation Hirnwellen als Alternative zum Fingerabdruck

Was uns im Kopf vorgeht, ist wahrhaft einzigartig. So einzigartig, dass man per Hirnscann eine Person darüber identifizieren könnte – mit einer Zuverlässigkeit wie beim klassischen Fingerabdruck.
  • Jan Dönges
Die Hirnaktivität eines Menschen ist so einzigartig wie sein Fingerabdruck. Quelle: dpa
Messung von Hirnwellen

Die Hirnaktivität eines Menschen ist so einzigartig wie sein Fingerabdruck.

(Foto: dpa)

HeidelbergDie Hirnaktivität eines Menschen ist so einzigartig wie sein Fingerabdruck. Das haben sich Wissenschaftler nun zu Nutze gemacht, um einen „Brainprint“ zu erzeugen: Sie spielten Versuchspersonen 500 Bilder unterschiedlichster Inhalte vor und erfassten währenddessen ihre Hirnaktivität mit Hilfe eines EEGs. Anhand der Daten konnte das Team dann bei erneuten Tests eine Person mit einer Genauigkeit von 100 Prozent wiedererkennen.

Das Team um Sarah Laszlo von der Binghamton University hofft, das Verfahren im Ultrahochsicherheitsbereich einsetzen zu können. Es könnte beispielsweise sicherstellen, dass ausschließlich Berechtigte Zugang zu Nuklearwaffen bekommen.

Zehn Mythen rund um das menschliche Gehirn
Der Mythos: Alkohol tötet Gehirnzellen ab
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Die Wahrheit: Mit einem Schluck Wein ist noch keine Gehirnzelle verloren. Es braucht schon einen Rausch, um Schaden anzurichten – und selbst dann sterben keine Zellen ab, sondern die Verbindungen zwischen ihnen werden gekappt. Schon nach einigen Drinks kann es zum Gedächtnisverlust kommen, der umso größer ist, je mehr getrunken wurde. Und exzessives Trinken über einen langen Zeitraum kann das Gehirn nachhaltig beschädigen.

Der Mythos: Wir haben 100 Milliarden Gehirnzellen
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Die Wahrheit: Auch das stimmt nicht. Tatsächlich sind es rund 86 Milliarden, wie Wissenschaftler 2009 herausfanden. Das macht einen enormen Unterschied: Schließlich können die übrigen 14 Milliarden Zellen das Gehirn eines anderen Lebewesens ausmachen.

Der Mythos: Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns
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Die Wahrheit: Wir nutzen nie unser komplettes Gehirn auf einmal - trotzdem ist es stets komplett bei der Arbeit. Viele Prozesse laufen automatisiert ab und entziehen sich unserer Aufmerksamkeit. Auch der Neanderthaler setzte seinen Kopf bereits strategisch ein, er musste jedoch große Teile seines Hirnes allein auf die Sehkraft und Koordination des großen Körpers verwenden, für komplexe Denkprozesse waren deshalb nur noch geringe Kapazitäten frei.

Der Mythos: Wir haben nur fünf Sinne
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Die Wahrheit: Bei den Sinnen spricht man von Fühlen, Hören, Sehen, Riechen, Schmecken. Dabei gibt es noch zahlreiche weitere Sinne - etwa der Sinn fürs Gleichgewicht, das Zeitgefühl oder die räumliche Wahrnehmung von Lage, Bewegung und Entfernungen.

Der Mythos: Mozart-Musik steigert die Intelligenz
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Die Wahrheit: Diesen Mythos verdanken wir US-Wissenschaftlern um Frances Rauscher. Sie veröffentlichte 1993 ihre Studienergebnisse, wonach Studenten, die zehn Minuten lang Mozarts Sonate für zwei Klaviere in D-Dur (KV448) hörten, in einem Intelligenztest durchschnittlich acht bis neun IQ-Punkte besser abschnitten. Allerdings hielt die Leistungssteigerung nur etwa zehn bis 15 Minuten an. Außerdem schafften es Folgestudien nicht, die Ergebnisse zu bestätigen.

Der Mythos: Es kommt auf die Größe an
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Die Wahrheit: Menschen haben nicht das größte Gehirn - weder absolut noch im Verhältnis zu ihrer Körpergröße. Mit dem größten Gehirn überhaupt ist der Pottwal unterwegs, verglichen mit der Körpergröße hat das Spitzhörnchen das größte Gehirn. Soll heißen: In Sachen Intelligenz kommt es nicht auf die Größe des Gehirns an.

Der Mythos: Manche Menschen nutzen überwiegend eine Gehirnseite
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Die Wahrheit: Eine Unterteilung wie bei Linkshändern und Rechtshändern gibt es bei der Nutzung des Gehirns nicht. Dabei wird kreativen Menschen zwar zugeschrieben, eher die rechte Seite ihres Gehirns zu nutzen, bei logisch-rational denkenden Menschen ist es eher die linke Seite, die hier in ihren wichtigsten Verknüpfungen nachgestellt ist. Studien zeigen, dass auch dies ein Mythos ist. Zwar sind je nach Aufgabe unterschiedliche Hirnbereiche aktiv, allerdings gibt es keinen Hinweis darauf, dass es vom Individuum abhängt, welche Gehirnseite eher genutzt wird.

Die Technik misst unwillkürliche Reaktionen der Probanden – es genügt, sich der Bilderflut auszusetzen. Das „Cognitive Event-RElated Biometric Recognition“ (CEREBRE) getaufte Verfahren betrachtet dann, wann und wo eine Abbildung oder ein geschriebenes Wort eine entsprechende Reaktion im Gehirn auslöst.

Ihre aktuelle Studie sehen die Forscher um Laszlo zunächst als Nachweis der prinzipiellen Machbarkeit. Die so genannten ereigniskorrelierten Potenziale, die sie mit ihrem EEG erheben, taugten als Eigenschaft, um Personen sehr genau zu identifizieren – zumindest in ihrem Versuch mit 50 Freiwilligen.

Es könne sich daher lohnen, weiter an der Sache zu forschen, so die Wissenschaftler. Denn anders als Fingerabdrücke oder Netzhaut lasse sich ein „Brainprint“ nicht stehlen.

Und im unwahrscheinlichen Fall, dass ein Hacker doch eine Möglichkeit findet, den „Gehirnabdruck“ einer Person nachzuahmen, bestehe die Möglichkeit, mit einer neuen Bildkombination einen neuen Brainprint im System anzulegen – ähnlich, wie man ein Passwort ändert. Eine alternative Fingerkuppe hingegen könne sich keiner wachsen lassen.

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