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Sonde Chang’e 4 Die Mondlandung ist entscheidend für Chinas Weltmacht-Ambitionen

Mit der Landung einer Sonde auf der Rückseite des Mondes verdeutlicht China seine Ambitionen in der Raumfahrt. Sie ist Teil von Xi Jinpings Strategie.
Update: 03.01.2019 - 18:40 Uhr Kommentieren
Der Roboter wurde mit der Mondsonde „Chang’e 4“, benannt nach einer chinesischen Göttin, auf die Rückseite des Mondes befördert. Quelle: imago/ZUMA Press
Chinesisches Roboterfahrzeug auf dem Mond

Der Roboter wurde mit der Mondsonde „Chang’e 4“, benannt nach einer chinesischen Göttin, auf die Rückseite des Mondes befördert.

(Foto: imago/ZUMA Press)

PekingEin vernarbter Boden, ein kleiner Krater und viel pechschwarzes All: Auf den ersten Blick waren die Bilder, die die chinesische Raumsonde „Chang’e 4“ an die Erde sendete, unspektakulär. Doch der Aitken-Krater, den sie zeigen, befindet sich auf der Rückseite des Mondes. Dahin war bisher noch niemand gelangt: nicht die USA, nicht Russland, nicht Europa.

Die technische Höchstleistung ist ein Prestigeerfolg für China. Chinesische Staatsmedien feierten sie als „neues Kapitel in der Erkundung des Mondes“. Jim Bridenstine, Direktor der US-Raumfahrtagentur Nasa, gratulierte China zu der „eindrucksvollen Errungenschaft“. Und auch Namrata Goswami, die am Minerva Research Institute des US-Verteidigungsministeriums forscht, nannte es „eine große technische und symbolische Leistung“.

Denn zur Rückseite des Mondes gibt es keine Funkverbindung. Im Mai vergangenen Jahres bereits hatte China deshalb einen Übertragungssatelliten in Position gebracht, um die Signale aus dem Funkschatten zu senden. Erst dann durfte die Mondsonde „Chang’e 4“, benannt nach einer chinesischen Göttin, am 8. Dezember von der südchinesischen Provinz Sichuan auf ihre Mission starten.

An Bord befindet sich ein Roboterfahrzeug, das in einem nächsten Schritt das Terrain um die Landestelle erkunden soll. Geplant sind unter anderem Experimente mit niedrigen Radiofrequenzen. Zudem soll getestet werden, ob es möglich ist, Gemüse und Blumen in einem luftdichten Behälter bei niedriger Schwerkraft auf der Mondoberfläche zu kultivieren.

Die Mondpremiere ist ein wichtiger Schritt bei Chinas Aufholjagd. Staatschef Xi Jinping hat seinem Volk nach seinem Amtsantritt 2012 mit seinem „chinesischen Traum“ die Rückkehr des Landes zu einer Weltmacht spätestens bis 2049 versprochen. Teil dieses Traums ist die Eroberung des Weltraums. China will zu den traditionellen Raumfahrtnationen aufschließen.

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Während die USA und die Sowjetunion in den Sechziger- und Siebzigerjahren Hunde und Astronauten ins den Weltraum schickten und sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Vorherrschaft im All lieferten, war China mit der größten Hungersnot der menschlichen Geschichte und anschließend der Kulturrevolution beschäftigt.

Doch mit dem Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wuchs der Anspruch, nicht mehr nur die globale Werkbank für Billigprodukte zu sein, sondern Vorreiter in wichtigen Zukunftstechnologien zu werden. Mondforschung und Raumfahrt gehören zu den 16 von der chinesischen Regierung identifizierten Schlüsselindustrien.

39 chinesische Raketenstarts im vergangenen Jahr

Anders als die traditionellen Raumfahrtnationen geht China seinen eigenen Weg bei der Mondmission. Zwar kooperiert die chinesische Weltraumagentur CNSA mit Partnern wie der Europäischen Weltraumagentur (Esa), um die Kommunikation seiner Sonden zu gewährleisten, aber am Bau der einzelnen Komponenten ist ansonsten niemand beteiligt.

Die Erfolge sind beachtlich: 2003 schickte China seinen ersten Taikonauten, wie die Astronauten heißen, ins All. 2013 landete mit Chang’e 3 bereits das erste chinesische Vehikel auf dem Mond. Und im vergangenen Jahr hatte China 39 Raketenstarts – die meisten aller Nationen. Viele der Errungenschaften, meint Alan Duffy von der Royal Institution of Australia, seien Prestigeprojekte, um internationale Anerkennung zu bekommen.

„China macht offensichtlich Fortschritt. Aber sie führen keine wissenschaftlichen Missionen mit der Tiefe wie die Nasa durch“, sagt er. Pekings längerfristiges Ziel, mit den USA gleichzuziehen, könne innerhalb von zwei Jahrzehnten Wirklichkeit werden. „Bei der Monderforschung könnte es sogar nur noch ein Jahrzehnt dauern.“

Denn anders als bei der Künstlichen Intelligenz oder Robotik, wo China bereits ein ernst zu nehmender Konkurrent des amerikanischen Primus und in einigen Bereichen sogar führend ist, hinkt Peking in der Raumfahrt noch hinterher. Die USA haben bereits 1969 einen Astronauten auf den Mond geschickt. China hingegen strebt das erst 2030 an. Davor will das Land 2020 eine weitere Mondsonde losschicken, die Mondgestein zur Erde zurückbringen soll. Bis 2022 will China eine Raumstation bauen.

Den Mond als Energieversorgungsquelle nutzen

US-Forscherin Goswami zufolge sind alle diese Schritte jedoch nur ein Sprungbrett für Chinas langfristiges Ziel, „den Mond zu besiedeln und ihn als riesige Energieversorgungsquelle zu nutzen“.

Auch Malcolm Davis, der für das Australian Strategic Policy Institute als Analyst arbeitet, glaubt, dass China es vor allem auf Helium-3 abgesehen hat, das angeblich in großen Mengen auf dem Mond vorhanden sein soll und bei einer Kernfusion große Mengen an Energie freisetzt, ohne dass das umgebende Material radioaktiv wird. So stehen die Raumfahrtambitionen in direktem Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Plänen des energiehungrigen Chinas.

Auch die USA haben ihre Raumfahrtpläne wieder verstärkt. Präsident Donald Trump will wieder Astronauten zum Mond schicken, um eine Grundlage für eine Marsmission zu legen. Die Nasa hat dort bisher acht Sonden gelandet, zuletzt im November. Zudem will Trump eine „Space Force“ als Zweig des Militärs schaffen. Noch liegt das Nasa-Budget für das Jahr 2019 mit 21,5 Milliarden Dollar doppelt so hoch wie das seines chinesischen Gegenparts.

Der Nasa ist aufgrund von Sicherheitsbedenken eine Kooperation mit der CNSA untersagt. Denn während China darauf besteht, dass seine Ambitionen friedlicher Natur sind, sieht das Pentagon die Weltraumaktivitäten kritisch und in einer Reihe mit den steigenden Militärausgaben Chinas, etwa in Hightech-Waffen. Dabei kritisierte das Pentagon im vergangenen Sommer in einem Bericht auch eine stärkere militärische Ausrichtung Chinas gegenüber Taiwan.

Sonde landet erstmals auf der Rückseite des Mondes

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