Spitzbergen-Tagebuch Eisbären und Vollpension

Für die einen ist Spitzbergen nur eine Inselgruppe im Nordatlantik, für andere ist es das größte Labor der Welt: Ob Polarforschung, Astronomie oder die Erforschung des Klimawandels - die Inselgruppe ist ein Eldorado für Wissenschaftler. Handelsblatt-Redakteur Ferdinand Knauß berichtet aktuell über seine Reise durch ein Land, in dem Wissenschaft noch vor dem Tourismus die wichtigste Branche ist. Tag 1 des Spitzbergen-Tagebuchs.
  • Ferdinand Knauß
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„To see icebears“, benennt eine ältere Engländerin ihr Reisemotiv. Quelle: dpa

„To see icebears“, benennt eine ältere Engländerin ihr Reisemotiv.

(Foto: dpa)

LONGYEARBYEN. Dieser Text dürfte der nördlichste sein, der bisher auf Handelsblatt.com erschienen ist. Spitzbergen liegt etwa auf der Höhe der Nordküste von Grönland. Sein Hauptort Longyearbyen, in dem ich vor wenigen Stunden landete, ist daher mit seinen rund 2 000 Einwohnern ein Ort unzähliger Rekorde: der nördlichste Linienflughafen, der nördlichste Kindergarten, die nördlichste Schule.

Schön ist der aus Holzhäusern auf Stelzen (zum Schutz vor dem Permafrost) bestehende Ort nicht, aber seinetwegen kommt man auch nicht nach Spitzbergen. „To see icebears“, benennt eine ältere Engländerin im Flugzeug von Oslo ihr Reisemotiv. Die Eisbären dürften wenig begeistert sein. So erhaben die noch schneebedeckten, völlig baumlosen Berge und die Gletscher auch sind: Der Tourismus ist auch in der Arktis unübersehbar auf dem Vormarsch. Täglich kommt eine SAS-Maschine, Kreuzfahrtschiffe tummeln sich in den Fjorden. Wenn die Rentnerinnen Vollpension buchen können, ist die Einsamkeit auf dem Rückzug.

Wir sind in einem voll ausgestatteten Hotel untergebracht - mit Internetanschluss und Nippes-Verkauf. Das Abenteuer ist vorbei, solange man im Ort selbst bleibt. Verlassen darf man den Ort nur in Begleitung bewaffneter Führer - wegen der Eisbären, die angeblich schon so manches Opfer forderten.

Wir, das ist eine Gruppe von fünf deutschen Wissenschaftsjournalisten, die von der norwegischen Regierung eingeladen werden, die Forschungseinrichtungen der Inselgruppe kennenzulernen. Wissenschaft ist noch vor dem Tourismus die wichtigste Branche hier. Dabei geht es übrigens längst nicht nur um Polarforschung. Ich werde in den nächsten Tagen davon berichten.

Apropos: Tage sind hier in der Arktis bekanntlich im Sommer nur eine Zeiteinheit und Nächte gibt es nicht. Es ist ein Uhr, doch die Sonne scheint. Das ist verwirrender als jeder Jetlag.

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