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Spitzentechnologie So will Frankreich Vorreiter bei Künstlicher Intelligenz werden

Eine Business- und fünf Ingenieurschulen gründen ein neues KI-Zentrum in Paris. Unterstützt wird es von fünf großen Konzernen. Darunter: L’Oréal und Total.
15.09.2020 - 20:25 Uhr Kommentieren
Der französische Präsident fördert KI. Quelle: Reuters
Emmanuel Macron

Der französische Präsident fördert KI.

(Foto: Reuters)

Paris Frankreich legt im Wettlauf um Spitzentechnologien und Talente nach: Die Business School HEC und das Institut Polytechnique (IP) gründen ein Zentrum für Künstliche Intelligenz (KI), unterstützt von den Großunternehmen L’Oréal, Total, Kering, Capgemini und Rexel. Das Institut namens „Hi! Paris“ soll sowohl Spitzenforschung betreiben als auch Studenten ausbilden.

„Unser Anspruch ist es, bei den wichtigsten Themen der KI wie Maschinenlernen, Sprach- und Bilderkennung, neuen statistischen Methoden, Klimaforschung und Cybersicherheit auf Weltniveau mitzuspielen“, sagte IP-Präsident Eric Labaye bei einer Pressekonferenz in Paris.

Die Besonderheit von „Hi! Paris“ bestehe darin, dass in all diesen Disziplinen auch die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft erforscht werden sollen, ergänzte HEC-Chef Peter Todd. Dabei gehe es um neue Business-Modelle für Unternehmen, aber auch um möglicherweise unerwünschte Folgen bestimmter Technologien für die Gesellschaft als Ganzes. „Vieles von dem, was wir heute schon als Anwendung von KI sehen, bringt uns weiter, aber manches ist auch fragwürdig“, sagte Todd und spielte damit auf Überwachungstechniken an.

Das Zentrum werde Menschen, die Algorithmen schreiben, mit denen zusammenbringen, die Fachleute für deren Anwendung in bestimmten Wirtschaftsbereichen sind oder wissen, wie sich KI im Rechtswesen oder im Gesundheitssektor einsetzen lasse, führte Labaye aus.

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    „Hi! Paris“ soll am Anfang ein Budget von 50 Millionen Euro umfassen, das aber noch nicht ganz finanziert ist. „Wir wollen zunächst 30 Professoren von Weltklasse und 50 Doktoranden haben“, konkretisierte Todd. Im Vergleich zu dem, was die USA und China investieren, sei das wirklich nicht viel, aber es sei ein guter Anfang.

    Französische Spezialität

    Nach einer Studie des European Center for Digital Competitiveness (ESCP) ist Frankreich einer der wichtigsten Aufsteiger innerhalb der G7 bei der digitalen Transformation und hat zuletzt deutlich aufgeholt, während Deutschland zurückgefallen ist. KI ist eine französische Spezialität: Drei der fünf Top-Forscher auf diesem Gebiet bei Facebook sind Franzosen.

    Die Kooperation von IP und HEC zeigt, dass das Land weiter voranpreschen will, mit Fokus auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit von Spitzentechnologien – was die Spezialität von „Hi! Paris“ sein soll.    

    IP besteht aus fünf renommierten Ingenieurschulen: Ecole Polytechnique, Telecom Paris, Telecom Sud Paris, ENSTA und ENSAE. Die Absolventen der fünf Schulen sind in der Privatwirtschaft sehr gefragt. IP und HEC zusammen verfügen über ein Budget von 500 Millionen Euro.

    HEC bildet jährlich 4500 Studenten aus. „Hi! Paris“ wird über eine eigene Governance verfügen: „Die Entscheidungen trifft ein Gremium von Wissenschaftlern, die finanzierenden Unternehmen sind in einem beratenden Ausschuss vertreten, wir werden aber keine Auftragsforschung betreiben“, sagte Todd. Das Zentrum werde darauf bedacht sein, „exakt die Experten auszubilden, nach denen große Firmen in den weltweiten Talentpools suchen“.

    Die Ausrichtung der Schule entspricht exakt dem, was Präsident Emmanuel Macron am Vorabend des ebenfalls am Dienstag stattfindenden France Digitale Days als Stoßrichtung seiner Politik zur Förderung von Start-ups und Scale-ups formuliert hat: Es gehe um gesellschaftliche  Relevanz, nicht nur um Masse oder darum, möglichst viele Einhörner, also junge Unternehmen mit einer Bewertung mit mehr als einer Milliarde Euro, zu haben.

    25 Einhörner bis 2025

    Nicht etwa, dass Macron die Einhörner verschmäht: Er wiederholte bei einem Treffen mit Vertretern von Start-ups, 40 aussichtsreichen Scale-ups und Wagniskapitalgebern sein Ziel, bis 2025 auf 25 Unternehmen zu kommen, die mehr als eine Milliarde Euro wert sind.

    Dafür greift der Staat tief in die Tasche: Im Rahmen des Corona-Konjunkturprogramms stellt er 3,7 Milliarden Euro bereit, um die Kapitalausstattung junger Firmen zu verbessern. Außerdem soll die öffentliche Hand bei ihren Beschaffungen stärker auf Start-ups zugehen.   

    Darüber dürfe aber nicht vernachlässigt werden, dass „der digitale Wandel überall ankommen muss, sowohl in regionaler als auch in sozialer Hinsicht“, so der französische Präsident. Kämpferisch sagte Macron: „Wir feiern in diesen Tagen den 50. Jahrestag einer der wichtigsten Schriften von Milton Friedman, aber sein marktradikales Modell ist tot.“

    Sozialsysteme seien kein Kostenfaktor, sondern unverzichtbar für eine funktionierende Gesellschaft. Internationale Märkte müssten sich ändern, um soziale Werte zu integrieren.

    Die französische Tech-Community beglückwünschte Macron: „Ihr habt der Krise getrotzt und standgehalten, ohne nach Subventionen zu rufen.“ Dass dies gelungen sei, liege auch an der wachsenden Nachfrage nach digitalen Lösungen während des Lockdowns: „Corona liebt das Digitale“, meinte der Präsident.

    Wörtlich ist das nicht zu nehmen: Während im vergangenen Jahr auch deutsche Teilnehmer den France Digitale Day bestritten, konnten sie diesmal nicht wie vorgesehen teilnehmen. Bei der Rückreise aus Paris hätten sie in Deutschland 14 Tage Quarantäne riskiert.

    Mehr: Kampf gegen die zweite Welle: Spanien und Frankreich verzichten auf erneuten Lockdown.

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