Spuren eines Massakers Massenmord in der Jungsteinzeit

Urzeitliche Gewaltorgie: Die Angreifer erschossen ihre Gegner wahrscheinlich mit Pfeilen aus Tierknochen oder erschlugen sie mit Steinbeilen. Wissenschaftler ermitteln in einem Massenmord aus der Jungsteinzeit.
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Spuren massiver Gewalt an einem Kinderschädel, der in dem Massengrab von Schöneck-Kilianstädten gefunden wurde. Quelle: dpa
Mit Steinäxten Schädel zertrümmert

Spuren massiver Gewalt an einem Kinderschädel, der in dem Massengrab von Schöneck-Kilianstädten gefunden wurde.

(Foto: dpa)

MainzForscher haben in der Nähe von Frankfurt am Main Hinweise auf ein steinzeitliches Massaker entdeckt. „Mindestens 26 Menschen wurden wahrscheinlich gefoltert, erschlagen und dann in eine Grube geworfen“, so der Erstautor der Studie, Christian Meyer. Nach Erkenntnissen der Wissenschaftler sind die menschlichen Überreste etwa 7000 Jahre alt und stammen damit aus der Jungsteinzeit.

Auffallend sei, dass vor allem Männer und 12 bis 13 Kinder begraben waren, erläuterte Meyer. Die einzigen beiden Frauen schätzen die Forscher auf über 40 Jahre. „Das kann bedeuten, dass die jungen Frauen von den Angreifern entführt wurden.“

Fortschrittliche Waffen schon vor 70.000 Jahren
Steinzeitwaffen
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Der anatomisch moderne Mensch hat sich vermutlich vor rund 100.000 Jahren in Afrika entwickelt. Unklar war allerdings, ab wann unsere Vorfahren über die Fähigkeit zum Bau von komplexen Werkzeugen verfügten. Funde in den Pinnacle Point Höhlen (Bild) an der südafrikanischen Küste könnten nun Licht in dieses Dunkel bringen.

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Bei Ausgrabungen entdeckten Forscher der Arizona State University winzige Steinklingen, die vermutlich als Teile von Waffen verwendet wurden. Ihr Alter bestimmten die Wissenschaftler auf 71.000 Jahre. Damit wären diese sogenannten Mikrolithen mindestens 6000 Jahre älter als die bislang ältesten vergleichbaren Funde.

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Viele der gefundenen Steinspitzen waren  an einer Seite abgestumpft – ein Hinweis darauf, dass sie, wie in dieser Rekonstruktion, an Holz- oder Knochenstäben befestigt wurden, um als Spitzen für Pfeile und Wurfspeere zu dienen.

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Zudem wurde das Rohmaterial offenbar vorher erhitzt, um es besser zu den kleinen Spitzen verarbeiten zu können.

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Damit verfügten die Bewohner der Pinnacle-Point-Höhlen schon vor 71.000 über vergleichsweise fortschrittliche Fernwaffen, mit denen sie auf der Jagd oder im Kampf das eigene Verletzungsrisiko minimieren konnten.

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Nach Ansicht der Forscher könnten solche Pfeile und Speere ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass sich der moderne Mensch letztlich gegen den technisch weniger beschlagenen Neandertaler durchgesetzt hat.

Das Massengrab wurde bereits 2006 im hessischen Schöneck-Kilianstädten gefunden, aber erst später genauer unter die Lupe genommen. Meyer, der damals an der Universität Mainz forschte, präsentiert die Ergebnisse zusammen mit Kollegen in den „Proceedings“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA (Pnas).

Es gebe keine erkennbaren Spuren für ein rituelles, würdevolles Begräbnis, betont Meyer. Nicht zuletzt deshalb gehen die Forscher von einem gewaltsamen Tod aus.

„An vielen Schädeln und vor allem an den Waden- und Schienbeinen haben wir Frakturen gefunden“, so der Wissenschaftler, der sich auf die Analyse alter Knochen spezialisiert hat. „Diese Knochenbrüche müssen mit einer enormen Wucht entstanden sein.“ Vergleichbar sei diese mit der Kraft eines Autos.

Selbst nach Jahrtausenden können die Forscher solche Gewalt noch nachweisen – und das, obwohl die Knochen gar nicht so gut erhalten sind und im Boden zum Teil bereits aufgelöst wurden, wie Meyer erläutert. „Wir wissen, dass viele der Menschen mit Steingeräten erschlagen wurden und wahrscheinlich an den Schädelverletzungen gestorben sind.“ Die Beinknochen seien fast systematisch zertrümmert worden.

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