Steinzeitliche Gräueltat Urzeit-Massaker am Turkanasee

Am Turkanasee müssen sich einst grausame Szenen abgespielt haben. Darauf lassen Spuren an gefundenen Skeletten schließen. Doch was löste das urzeitliche Gemetzel aus, dem sogar Kinder und Schwangere zum Opfer fielen?
Die Verletzungen weisen auf Schläge mit einem stumpfen Gegenstand hin, möglicherweise eine Keule. Quelle: dpa
Schädel eines Mannes

Die Verletzungen weisen auf Schläge mit einem stumpfen Gegenstand hin, möglicherweise eine Keule.

(Foto: dpa)

CambridgeNahe des Turkanasees im heutigen Kenia haben Forscher Hinweise auf ein steinzeitliches Massaker entdeckt. Die Opfer: Eine Hochschwangere, deren Hände und Füße möglicherweise zusammengebunden waren, sowie sechs Kinder. Die Knochen weisen auf ein schauerliches Gemetzel hin.

Insgesamt seien Überreste von mindestens 27 Menschen gefunden worden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature“. Zwölf Skelette waren demnach recht gut erhalten, zehn davon wiesen klare Zeichen von heftiger, wohl sofort tödlicher Gewalt auf.

Fortschrittliche Waffen schon vor 70.000 Jahren
Steinzeitwaffen
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Der anatomisch moderne Mensch hat sich vermutlich vor rund 100.000 Jahren in Afrika entwickelt. Unklar war allerdings, ab wann unsere Vorfahren über die Fähigkeit zum Bau von komplexen Werkzeugen verfügten. Funde in den Pinnacle Point Höhlen (Bild) an der südafrikanischen Küste könnten nun Licht in dieses Dunkel bringen.

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Bei Ausgrabungen entdeckten Forscher der Arizona State University winzige Steinklingen, die vermutlich als Teile von Waffen verwendet wurden. Ihr Alter bestimmten die Wissenschaftler auf 71.000 Jahre. Damit wären diese sogenannten Mikrolithen mindestens 6000 Jahre älter als die bislang ältesten vergleichbaren Funde.

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Viele der gefundenen Steinspitzen waren  an einer Seite abgestumpft – ein Hinweis darauf, dass sie, wie in dieser Rekonstruktion, an Holz- oder Knochenstäben befestigt wurden, um als Spitzen für Pfeile und Wurfspeere zu dienen.

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Zudem wurde das Rohmaterial offenbar vorher erhitzt, um es besser zu den kleinen Spitzen verarbeiten zu können.

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Damit verfügten die Bewohner der Pinnacle-Point-Höhlen schon vor 71.000 über vergleichsweise fortschrittliche Fernwaffen, mit denen sie auf der Jagd oder im Kampf das eigene Verletzungsrisiko minimieren konnten.

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Nach Ansicht der Forscher könnten solche Pfeile und Speere ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass sich der moderne Mensch letztlich gegen den technisch weniger beschlagenen Neandertaler durchgesetzt hat.

Eingeschlagene Schädel und Jochbeine zählten dazu, gebrochene Rippen, zertrümmerte Hand- und Kniegelenke sowie wohl von steinernen Spitzen herrührende Verletzungen, berichtet das Team um Marta Mirazón Lahr von der Universität Cambridge (Großbritannien). In einem Schädel und einem Oberkörper steckten insgesamt drei Steinspitzen: zwei aus in der Region seltenem Obsidian und eine aus Feuerstein.

Bei einigen Skeletten wies die Lage der Knochen darauf hin, dass die Opfer möglicherweise gefesselt waren. Die Getöteten seien nicht begraben worden, schreiben die Forscher. Mehrere von ihnen wurden damals offenbar in eine Lagune des Sees gefallen oder gestoßen worden, die inzwischen längst ausgetrocknet ist. Im Sediment wurden die Knochen der 21 Erwachsenen – darunter mindestens acht Frauen – und sechs Kinder bis zu ihrer Entdeckung 2012 konserviert worden. Die Überreste lagen in der Ausgrabungsstätte Nataruk westlich des Turkanasees im Norden Kenias.

Wahrscheinlich sei eine Gruppe des Jäger-und-Sammler-Volkes, vielleicht ein Familienverband, am Ufer der Lagune von einem rivalisierenden Clan angegriffen worden, mutmaßen die Wissenschaftler. Ob dies bei einem zufälligen Aufeinandertreffen oder wegen eines Streits um Ressourcen wie Land oder Nahrung geschah, ist unklar.

Die Stelle war einst wohl ein guter Platz zum Leben – mit Trinkwasser und Fischen direkt am Lager. Gefundenes Töpfergut weise darauf hin, dass Nahrungsmittel gehortet wurden, so die Forscher.

Solche Fund sind extrem selten
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