Streng geschützter Stubenhocker Der Stuttgart 21-Käfer

Schon seit langem streiten Umweltschützer und Deutsche Bahn darüber, ob mit der Fällung der Bäume im Schlosspark gegen das Artenschutzrecht verstoßen wurde. Grund für die Auseinandersetzung ist der seltene und durch Artenschutz-Richtlinien geschützte Juchtenkäfer, auch bekannt als Eremit
Update: 17.12.2011 - 11:34 Uhr 1 Kommentar
Der streng geschützte Juchtenkäfer ( Osmoderma eremita) ist ähnlich groß wie ein Mistkäfer und fühlt sich besonders in jahrhundertealten Bäumen mit großen Höhen wohl. Quelle: dpa

Der streng geschützte Juchtenkäfer (Osmoderma eremita) ist ähnlich groß wie ein Mistkäfer und fühlt sich besonders in jahrhundertealten Bäumen mit großen Höhen wohl.

(Foto: dpa)

STUTTGART. Er ist knapp drei Zentimeter groß, riecht ein bisschen merkwürdig und lebt in modrigen, feuchten Baumhöhlen, die er nur selten verläßt: Der Eremit (Osmoderma eremita) ist wohl der seltenste Großkäfer Deutschlands. Als sogenanntes "Urwaldrelikt" lebt die Art im Stuttgarter Schlosspark in uralten Bäumen, welcher einstmals der Stuttgarter Bevölkerung vom König "zum Zwecke der Erbauung" überlassen wurde.

Der Eremit gehört zu den Blatthornkäfern. Sein Panzer ist glänzend schwarz mit einem metallischen Schimmer, die Art besitzt kräftige, gezähnten Grabbeine. Die Männchen verströmen einen unverkennbaren Duft, der an Aprikosen oder Juchtenleder erinnert.

Die erwachsenen Käfer leben mit den Larven gemeinsam in den Brutbäumen, besiedeln fast ausschließlich geräumige, nicht zu feuchte Höhlen in uralten Laubbäumen. Die Bruthöhlen liegen meist in größerer Höhe, in Bodennähe werden die Juchtenkäfer von anderen Arten verdrängt.

Die Eremiten-Larven fressen Holzmulm, morsche, verpilzte Holzpartien und allerlei mehr oder weniger unappetitliche organische Reste, zum Beispiel Federn und Haare aus Vogelnestern, oder Fledermauskot. Nur eine ordentlich große, mulmgefüllte Höhle in einem entsprechend alten und mächtigen Baum kann eine Population der Juchtenkäfer beherbergen, und hier liegt auch der Schlüssel für ihre Seltenheit: Alte, anbrüchige Bäume in Laubwälder, Alleen und Parks sind Mangelware, werden von Förstern abgeräumt, von städtischen „Baumpflegern“ saniert. Oder zur Herstellung der sogenannten „Verkehrssicherheit“ gleich ganz umgesägt.

Eremiten sind sehr standorttreu und wenig ausbreitungsfreudig: Die erwachsenen Tiere verlassen nur an besonders heißen Sommertagen überhaupt ihre Höhle und fliegen dann meist nur kurze Strecken herum. Ansonsten sitzen die Tiere am Höhleneingang der Brutbäume oder laufen auf dem Stamm entlang.

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