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Studie Biontech-Impfstoff wirkt offenbar auch bei der britischen Virus-Mutation

Der Biontech-Impfstoff regt die Produktion von Antikörpern an, die offenbar auch die britische Coronavirus-Mutation neutralisieren. Das zeigt eine neue Untersuchung.
20.01.2021 Update: 20.01.2021 - 15:54 Uhr 1 Kommentar
Das Mittel scheint auch gegen die britische Coronavirus-Mutation zu wirken. Quelle: dpa
Impfstoff von Biontech und Pfizer

Das Mittel scheint auch gegen die britische Coronavirus-Mutation zu wirken.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Corona-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech dürfte auch vor Sars-Cov-2-Viren mit der gefürchteten Mutation B.1.1.7 schützen, die sich zuletzt vor allem in Großbritannien stark ausgebreitet hatte. Diese Hoffnung haben Wissenschaftler des Biotechunternehmens und seines US-Partners Pfizer jetzt mit den Daten einer Laborstudie untermauert.

Dabei wurden Blutproben von 16 geimpften Teilnehmern aus früheren klinischen Studien von Biontech darauf getestet, ob die im Blut enthaltenen Antikörper auch die mutierten Virus-Varianten neutralisieren können. Man habe eine Wirkung beobachtet, die biologisch gleichwertig zu der Wirkung beim nicht mutierten Virus sei, heißt es in dem Papier der Forscher. Es sei daher sehr unwahrscheinlich, dass die britische Virus-Variante die Schutzwirkung des Impfstoffs BNT162b2 aushebeln könne.

Die Forscher verweisen zudem auch auf die relativ breite Immunisierungswirkung des Impfstoffs, inklusive einer starken Aktivierung von sogenannten T-Zellen. Selbst wenn die neutralisierende Wirkung von Antikörpern reduziert sein sollte, sei es möglich, dass die Schutzwirkung des Impfstoffs erhalten bleibe.

Die Virus-Varianten mit der Mutation B.1.1.7. sind nach Einschätzung von Virologen um 30 bis 70 Prozent ansteckender als der Sars-CoV-2-Virus in seiner ursprünglichen Form. Der Grund dafür wird darin vermutet, dass in dem Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus eine Aminosäure so verändert ist, dass der Erreger leichter an menschliche Zellen andocken und in sie eindringen kann.

Die Sorge, dass sich die neue Variante auch in Deutschland ausbreiten könnte, ist auch eine der Begründungen für die am Dienstag beschlossene Verlängerung des Lockdowns in Deutschland bis zum 14. Februar.

Biontech-Chef Ugur Sahin hatte sich in den letzten Wochen bereits zuversichtlich geäußert, dass der Impfstoff auch gegen das veränderte Virus wirkt. Dieser Optimismus basierte nicht zuletzt auf der Tatsache, dass durch die Mutationen nur etwa ein Prozent des Virus und seines Oberflächen-Proteins verändert is. Insgesamt besteht das Spike-Protein aus mehr als tausend Aminosäuren.

Die fortlaufende Veränderung des Virus mache es allerdings notwendig, den Wandel permanent zu beobachten – auch mit Blick auf die Schutzwirkung der bereits zugelassenen Impfstoffe, schreiben die Forscher von Biontech und Pfizer in ihrer Veröffentlichung.

mRNA-Firmen können schnell auf Mutationen reagieren

Das von den beiden Firmen entwickelte Vakzin zeigte in einer großen klinischen Studie eine Schutzwirkung von 95 Prozent und hatte Anfang Dezember als erster Covid-Impfstoff eines westlichen Unternehmens eine Marktzulassung in Großbritannien erhalten. Ab Mitte Dezember folgten Zulassungen in den USA und in der EU. Mittlerweile wird der Impfstoff in mehr als 45 Ländern weltweit eingesetzt.

Aktuell können die beiden Hersteller die starke Nachfrage noch nicht befriedigen. Ihre Lieferungen an Deutschland und andere europäische Länder mussten sie jüngst wegen Ausbauarbeiten in dem belgischen Werk Puurs von Pfizer sogar reduzieren. Für das Gesamtjahr dagegen planen Biontech und Pfizer dank der Kapazitätserweiterungen mit einer Produktion von zwei Milliarden Dosen des Impfstoffs. Ursprünglich hatte die geplante Produktionsmenge 1,3 Milliarden Einheiten betragen.

Neben dem Biontech-Impfstoff ist in Europa und den USA bisher auch ein ähnlicher Impfstoff der US-Firma Moderna zugelassen, in Großbritannien außerdem ein Vakzin des britischen Pharmakonzerns Astra-Zeneca. Die Produkte von Biontech und Moderna basieren auf Boten-Nukleinsäuren, sogenannter Messenger-RNA (mRNA). Das Vakzin von Astra-Zeneca besteht aus einem genmodifizierten Erkältungsvirus.

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Die weitere Mutationsrate des Virus wird unterdessen mit darüber entscheiden, inwieweit die bisher entwickelten Corona-Impfstoffe langfristigen Schutz bieten. Anders als bei Grippeimpfstoffen, die aufgrund der sich verändernden Influenza-Viren regelmäßig angepasst werden müssen, lässt sich bei Covid-Impfstoffen nach Einschätzung der Biontech-Forscher bisher noch kein Grenzwert bei der Antikörperwirkung bestimmen, der Änderungen der Impfstoffe erforderlich macht.

Sollten solche Anpassungen der Impfstoffe nötig werden, sehen sich die mRNA-Firmen mit ihrer Technologie in einer sehr guten Ausgangsposition. Denn die mRNA-Impfstoffe können im Bedarfsfall innerhalb weniger Wochen an veränderte Erreger angepasst werden. Die Reaktionszeit wäre damit deutlich kürzer als bisher bei den Grippeimpfstoffen üblich.

Mehr: Coronavirus: So hat sich die Lungenkrankheit in Deutschland entwickelt

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1 Kommentar zu "Studie: Biontech-Impfstoff wirkt offenbar auch bei der britischen Virus-Mutation"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn mich denn endlich jemand impfen würde. Ach wie beneide ich Israel. Mich würde sehr interessieren, welche Personen innerhalb der EU die "Fehlbeschaffung" zu verantworten haben. Aber bei dem Demokratiedefizit innerhalb der EU wird das wohl niemand erfahren oder? Vielleicht hat sich England doch richtig entschieden - da können solch gravierende Fehlentscheidungen wenigstens im eigenen Parlament diskutiert und aufgearbeitet werden.

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