Tiefsee-Erkundung Die Suche nach Flug MH370 klärt Schiffsunglücke aus dem 19. Jahrhundert auf

Der verschollene Flug MH370 ist eines der größten Rätsel der Luftfahrt. Durch die Suche in der Tiefsee konnten aber einige andere Unglücke aufgeklärt werden.
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Einer der beiden Havaristen hat seinen Untergang weitgehend intakt überstanden. (Foto: Western Australian Museum)
Schiffswrack am Meeresgrund

Einer der beiden Havaristen hat seinen Untergang weitgehend intakt überstanden. (Foto: Western Australian Museum)

HeidelbergIm März 2014 verschwand das malaysische Passagierflugzeug MH370 nach einem Irrflug weitab von seiner geplanten Route über dem Indischen Ozean: 239 Menschen an Bord starben, als die Maschine ins Meer stürzte. Seitdem wird in groß angelegten Aktionen nach Flug MH370 gesucht – doch bislang ohne Erfolg.

Als Nebeneffekt erhielten Meeresforscher jedoch eine Fülle an Daten über die zuvor praktisch unerforschte Tiefsee im Suchgebiet. Und es wurden einige havarierte Schiffe aufgespürt, deren Überreste in mehr als 3000 Meter Tiefe liegen. Das Schicksal von zwei Wracks haben Wissenschaftler des Western Australian Museum um Ross Anderson aufgeklärt, wie sie in einem Bericht schreiben.

Mit Hilfe von Sonardaten wurden die beiden Schiffe im Mai und Dezember 2015 nachgewiesen. Sie liegen 3700 beziehungsweise 3900 Meter unter dem Meeresspiegel auf Grund, 36 Kilometer voneinander getrennt.

Flug MH 370 endete im Sturzflug
Was geschah mit Flug MH 370?
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Die vor zweieinhalb Jahren verschwundene Malaysia-Airlines-Boeing mit der Flugnummer MH 370 ist wahrscheinlich nach einem unkontrollierten Sturzflug im Meer versunken. Zu diesem Schluss kommen australische Experten in einer neuen Analyse.

Experten untersuchen Trümmerteil
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Es ist das erste Mal, dass Experten eine klare Schlussfolgerung aus der Analyse eines der mehr als 20 inzwischen identifizierten Trümmerteile gezogen haben. Das bei Tansania angespülte Teil zeige, dass die Landungsklappen mit größter Wahrscheinlichkeit nicht ausgefahren waren. Das wäre der Fall gewesen, wenn ein Pilot versucht hätte, das Flugzeug auf dem Wasser zu landen.

Nicht auf eine kontrollierte Landung ausgerichtet
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„Dies bedeutet, dass die Maschine nicht auf eine kontrollierte Landung ausgerichtet war“, sagte Peter Foley von der australischen Behörde für Transportsicherheit (ATSB) in Canberra. „Jeder kann seine eigenen Schlüsse daraus ziehen, ob jemand das Flugzeug am Ende unter Kontrolle hatte.“

Flug MH 370
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Flug MH 370 (hier ein Archivbild aus Februar 2014) war im März 2014 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwunden.

Mögliche Route der Unglücksmaschine
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Satellitendaten legen nahe, dass die Maschine noch stundenlang Richtung Süden flog. Ermittler vermuten, dass sie im Indischen Ozean westlich von Australien abstürzte, als der Treibstoff zu Ende war.

Auf der Suche nach Flug MH 370
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Neben den Trümmerteilen wurden auch Satellitendaten neu ausgewertet. „Danach zu schließen, sank die Maschine beim Auffangen des letzten Signals mit hoher und steigender Geschwindigkeit“, sagte ATSB-Sprecher Dan O'Malley. Solche Sinkraten sind bei einer am Ende des Flugs nicht mehr kontrollierten Maschine zu erwarten.

Niemand weiß, was an Bord passierte
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Niemand weiß, was wirklich an Bord passierte. Der Kontakt zu der Maschine brach nach rund einer Stunde Flugzeit ab.

„Beide Wracks sind Handelsschiffe aus dem 19. Jahrhundert, die Kohle transportierten. Eines bestand aus Holz, das andere aus Eisen“, so Anderson. Das Holzschiff war bereits vollständig zerfallen, als es von den Bordingenieuren erfasst wurde; nur eiserne Bestandteile wie Beschläge oder Anker sowie die Kohleladung hatten die lange Zeit auf dem Tiefseeboden überstanden.

„Der größte Teil der Ladung und andere Gegenstände sind weit über den Grund verstreut und aus dem Schiffsbauch gestürzt, als der Frachter sank. Das spricht dafür, dass das Schiff wegen eines katastrophalen Ereignisses unterging. Wahrscheinlich war es unterwegs explodiert, was bei Kohleladungen häufiger vorkam“, erläuterte Anderson in einer Mitteilung des Museums.

Der zweite Havarist hatte seinen Untergang besser und weitgehend intakt überstanden. Das Schiff besaß zwei Decks und hatte ein Gewicht zwischen 1000 und 1500 Tonnen. Die Reling und Bullaugen waren teilweise noch erkennbar.

Da Seefahrtdaten aus dem 19. Jahrhundert zumindest bei Frachtschiffen nur unvollständig vorhanden sind, könne man die Schiffe nicht exakt benennen, sagt Anderson. Den Kreis potenzieller Kandidaten konnten die Wissenschaftler dennoch verkleinern. Für das Holzschiff kämen die Brigg „W. Gordon“ und die Bark „Magdala“ in Frage, beim Stahlschiff die Barken „Kooringa“, „Lake Ontario“ oder „West Ridge“. Alle Schiffe verschwanden zwischen 1883 und 1897.

Wie viele Menschen bei den beiden Schiffskatastrophen ums Leben kamen, lässt sich heute nicht mehr genau bestimmen. Jedes Schiff konnte zwischen 15 und 30 Mann Besatzung tragen; zudem nahmen viele Kapitäne auch die eigenen Familien oder die ihrer Untergebenen mit.

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