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Toray Japans Leichtbau-Weltmarktführer glaubt an Flugzeuge und Brennstoffzellen

Toray ist der größte Kohlefaserhersteller der Welt. Konzernchef Akihiro Nikkaku erwartet spätestens 2023 wieder einen Boom in der Flugzeugindustrie.
01.01.2021 - 14:16 Uhr Kommentieren
Toray liefert viele Leichtbauteile für die großen Hersteller. Quelle: Reuters
Boeing-Flugzeugrumpf aus Kohlefaser

Toray liefert viele Leichtbauteile für die großen Hersteller.

(Foto: Reuters)

Tokio Selbst für einen Leichtbauspezialisten sind die Zeiten schwer. Flugzeuge fliegen nicht mehr, wochenlang wurden kaum noch Autos produziert – die Coronakrise hat den japanischen Kohlefaserhersteller Toray hart getroffen. Die Kohlefasersparte, der bisherige Gewinnmotor des Weltmarktführers beim Rohstoff für Leichtbauteile in Flugzeugen und Autos, stürzte zwischenzeitlich von einer Gewinnmarge von zehn Prozent in die Verlustzone.

Doch Akihiro Nikkaku setzt im Interview mit dem Handelsblatt auf Wachstum. „Vielleicht halten mich die Menschen für zu optimistisch, wenn ich über die Nachfrage nach Flugzeugen spreche“, sagt der Chef des Schlüssellieferanten für Leichtbauteile von Boeing und Airbus. Aber er glaube an die Flugzeugindustrie. Ab 2023 werde der Markt wieder abheben, sagt er voraus. „Die Menschen werden nach Covid-19 mehr reisen als zuvor.“

Gleichzeitig erwartet Nikkaku, dessen Kohlefasern in Deutschland von BMW und Daimler verbaut werden, mitten im Elektroautohype längerfristig einen Boom von Brennstoffzellenfahrzeugen. Für deren kleine Wasserstoffkraftwerke baut der Konzern Membrane und liefert Kohlefasern für die Wasserstofftanks. Deutschland könnte in diesem Bereich ein wichtiges Standbein des Konzerns werden, konkurriert aber mit China um Torays Investitionen.

Nikkaku ist so von seiner These überzeugt, dass er auf dem Höhepunkt der Coronakrise im Mai seinen Wachstumsplan für die kommenden drei und zehn Jahre präsentierte. Angetrieben von Kohlefasern und Spezialtextilien für Autohersteller und die japanische Modemarke Uniqlo versprach er, bis 2022 den Umsatz im Vergleich zu 2019 um 22 Prozent und den Betriebsgewinn um 38 Prozent zu erhöhen.

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    Für 2020 erwartet der Konzern, dass der Umsatz dank einer Erholung der Autoindustrie um elf Prozent auf 15 Milliarden Euro und der Reingewinn um 60 Prozent auf 270 Millionen Euro sinken wird.

    „2023 werden wir neue Nachfrage sehen“

    Nikkakus Optimismus scheint auf die Investoren etwas abzufärben. Seit Anfang November ist Torays Aktienkurs um rund 20 Prozent auf mehr als 600 Yen gestiegen. Allerdings liegt er noch immer ein Drittel unter dem Wert vom November vorigen Jahres. Denn mitten in der neuen Coronawelle ist noch nicht absehbar, wann die Fluglinien wieder Gewinne einfliegen und neue Flugzeuge bestellen werden. Stattdessen drohen weiter Verluste, Pleiten und ein Abbau von Jobs.

    Schon in Nikkakus Nachbarschaft häuften sich zuletzt die schlechten Nachrichten. In Südkorea will Korean Air seinen Lokalrivalen Asiana aufkaufen. Daheim hat Großkunde Mitsubishi Heavy, ein Zulieferer von Boeing, den Plänen für den ersten größeren, in Japan entwickelten und gebauten Passagierjet vorerst ein Startverbot erteilt. Denn die Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach dem neuen Flugzeug auf null sinken lassen.

    Der Toray-Chef sieht aber langfristig große Chancen für die Flugzeug- wie für die Autoindustrie. 2021 werde der Flugzeugmarkt wieder aktiver werden, glaubt Nikkaku, weil die Gesellschaften lernen, mit dem Coronavirus zu leben. 2022 werde die Pandemie keinen bedeutenden Einfluss mehr haben. „Und 2023 werden wir dann neue Nachfrage sehen.“

    Nikkaku erwartet zwar, dass gerade Geschäftsleute nach ihren Erfahrungen mit der Telearbeit sich Reisen genauer überlegen werden. „Aber im Ganzen gesehen wird mehr gereist werden“, ist er überzeugt. Für ihn liegt es „in der Natur des Menschen“, dass sie nach derart langer Beschränkung ihre Freiheit wieder feiern werden. „Vielleicht sagen sie es derzeit nicht, weil sie denken, dass es unsensibel sei“, meint der Toray-Chef.

    „Wenn die Leute in Panik sind, schauen sie genau auf das, was wirklich wichtig ist.“ Quelle: The Asahi Shimbun/Getty Images
    Toray-Chef Akihiro Nikkaku

    „Wenn die Leute in Panik sind, schauen sie genau auf das, was wirklich wichtig ist.“

    (Foto: The Asahi Shimbun/Getty Images)

    Der wachsenden Nachfrage wird in seinen Augen allerdings ein geringeres Angebot gegenüberstehen, dass dann plötzlich gefüllt werden muss. Denn die Fluggesellschaften würden jetzt in der Not ihren Flugzeugbestand um zehn bis 20 Prozent reduzieren und müssten zudem alternde Flugzeuge ersetzen.

    Nikkaku schließt daher einen Personalabbau in Japan aus. „Die Gehälter in Japan sind für uns Fixkosten“, sagt er. Statt Mitarbeiter zu entlassen, werden Verkäufer und Ingenieure zu anderen Aufgaben versetzt, damit Toray später die Nachfrage prompt bedienen kann.

    Die Krise als Katalysator für Elektroautos

    Auch im Automobilbereich erwartet Nikkaku eine Trendwende, von der Toray profitieren kann. „Der Absatz wird sich wieder normalisieren“, sagt er voraus. „Aber ich erwarte eine wichtige Veränderung: Elektro- und Brennstoffzellenautos werden stärker profitieren als Wagen mit Verbrennungsmotoren.“

    Der Grund für den beschleunigten Wandel ist für Nikkaku die Krisenerfahrung der Kunden. Das habe er schon während der Weltfinanzkrise 2008 erlebt. „Wenn die Leute in Panik sind, schauen sie genau auf das, was wirklich wichtig ist.“ Und in der Autoindustrie sind das für ihn umweltfreundliche Antriebe.

    Zuerst dürften Elektroautos davon profitieren, so Nikkaku. „Ich aber glaube, dass Brennstoffzellenfahrzeuge langfristig das Hauptprodukt werden.“ Denn lange Fahrten allein aus Akkus zu speisen bleibt für ihn eine Gewichtsbelastung. Die Betankung mit Wasserstoff gehe dabei nicht nur schneller, sondern ermögliche auch leichtere Fahrzeuge.

    Als ersten Einsatzbereich sieht Nikkaku dabei Nutzfahrzeuge wie Busse oder Lastwagen. Für Pkws erwartet er den Siegeszug von Wasserstoffhybriden, die einen relativ kleinen Akku mit einer Brennstoffzelle kombinieren. Die könnten vielleicht 100 Kilometer rein elektrisch fahren, selbst wenn der Wasserstoff im Tank zur Neige geht.

    Grafik

    Mehr elektrifizierte Autos bedeutet für die Japaner dabei höhere Absatzchancen. Denn Gewichtsreduzierung durch Leichtbau wird wichtiger, damit die Autos weiter fahren können. Allerdings hat sich das Geschäft mit der Kohlefaser langsamer entwickelt, als Toray ursprünglich gehofft hat.

    Denn bisher dauerte es nicht nur deutlich länger, Bauteile aus Kohlefaserverbundwerkstoffen als aus Stahl herzustellen. Zugleich waren sie teurer. BMWs erste großserienreife Elektroautos verbauten viel von dem leichten, aber starken Baustoff. Nur half das nicht bei den Verkäufen.

    Nikkaku erwartet daher, dass Elektroautos vorerst weiter hauptsächlich aus Stahl und Aluminium gebaut werden, während seine Produkte über die Premiummodelle in den Markt vordringen werden. „Ich denke, dass dies Zeit brauchen wird.“

    Toray setzt auf Wasserstoff – und Deutschland

    Aber auch in anderen Bauteilen wittert er Wachstum, besonders in Europa: In München hat Toray ein Forschungszentrum errichtet. In Ungarn baut der Konzern seine Produktion von Separatoren für Autobatterien sowie von Kohlefasern und Kunstharzen aus. „Aber wir sehen auch Wachstum in Brennstoffzellenfahrzeugen“, so Nikkaku. Und da ist Deutschland ein Standbein der Japaner.

    Bereits 2015 kaufte Toray die Firma Solvicore, einen kleinen Entwickler von Membranen für Brennstoffzellen, und benannte ihn in Greenerity um. Nun will Toray die Produktion hochfahren. „Wenn es gut läuft, werden wir die Kapazität verdoppeln oder verdreifachen“, kündigt Nikkaku an.

    Aber ein Selbstläufer sei es nicht, dass Deutschland zu Torays Standbein in der Wasserstoffwirtschaft wird. Nikkaku sieht einen Rivalen: China. Bis vor wenigen Jahren habe die Regierung dort auf Elektroautos gesetzt. „Aber nun gibt es eine große Veränderung“, so der Japaner.

    Wasserstoff boomt auch dort plötzlich – und damit hat Toray die Qual der Wahl. „Wir planen, unsere Kapazitäten auszubauen, aber die Frage ist wo“, sagt Nikkaku. „Wir müssen genau darüber nachdenken, ob Deutschland der richtige Platz für die Expansion von Produktionskapazitäten ist.“

    Mehr: Warum Japan ausgerechnet auf Wasserstoff aus Braunkohle setzt

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