Unbemannte Flugobjekte Afrika wird zum Testgebiet für innovative Drohnen-Projekte

Während Drohnen-Betreiber im Westen mit strengen Rechtsvorschriften kämpfen, treiben lockere Regeln in Afrika innovative Luftfahrt-Projekte an.
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Eine Drohne steht startklar auf dem Zipline-Betriebsgelände. Sie soll lebensrettende Blutkonserven zu einer entlegenen Klinik im ostafrikanischen Ruanda fliegen. Quelle: dpa
Drohnen in Afrika

Eine Drohne steht startklar auf dem Zipline-Betriebsgelände. Sie soll lebensrettende Blutkonserven zu einer entlegenen Klinik im ostafrikanischen Ruanda fliegen.

(Foto: dpa)

KigaliEs summt wie ein großer Mückenschwarm. Eine weiße Drohne zirkelt über die Landebahn, positioniert sich in der Flugschneise und wird Sekunden später von einem Netz aufgefangen. Die Lieferung einer wichtigen Blutkonserve in eine abgelegene Klinik im ostafrikanischen Ruanda ist erfolgreich abgeschlossen.

Innerhalb von Sekunden bauen Mitarbeiter des US-Unternehmens Zipline das unbemannte Flugobjekt auf einem kleinen, eingezäunten Gelände in der Stadt Muhanga im Zentrum des Landes ab. Kurz darauf surrt eine weitere Drohne mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h zum nächsten Gesundheitszentrum.

Für Zipline ist das Projekt in Ruanda nicht nur ein Weg, Leben zu retten. Die kalifornische Firma testet hier auch ihr Betriebsmodell, das sie zukünftig in den USA und anderen Ländern weltweit anbieten will. Ruanda ist aufgrund seiner lockeren Luftfahrtbestimmungen das ideale Testgebiet, erklärt Zipline-Manager Israel Bimpe. „Die Regierung ist in Bezug auf die regulatorischen Aspekte sehr offen.“

Die ehemalige deutsche und belgische Kolonie will gezielt Innovation ins Land locken, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. So dürfen Drohnen hier mit einer einfachen Erlaubnis über der visuellen Sichtlinie fliegen. Sogar hochautomatisierte Drohnen dürfen ohne Sondergenehmigungen eingesetzt werden.

Diese 10 Robotik-Start-ups wollen an die Spitze
Der Preis
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Handelsblatt und McKinsey verleihen den deutschen Digitalpreis nun bereits zum dritten Mal. Die Auszeichnung richtet sich an Start-ups, deren Ideen das Potenzial haben, ihre Branche grundlegend zu verändern. 2016 lag der Schwerpunkt auf dem Thema Industrie 4.0, 2017 auf künstlicher Intelligenz. In diesem Jahr haben wir uns auf die Suche nach den spannendsten Robotik-Konzepten gemacht, die innovativ und skalierbar sind und bereits erfolgreich getestet wurden. Aus Dutzenden Bewerbungen hat die Jury nun zehn Finalisten ausgewählt, die ihr Business am 19. September live vor der Jury präsentieren. Die Gewinner werden dann am 8. November in Berlin bekanntgegeben.

Enway GmbH
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Ein autonomes Kehrpaket aus Berlin: das ist die Geschäftsidee von Enway. Hinter der Softwareplattform, die es möglich macht, selbstfahrende Reinigungsfahrzeuge und Müllwagen auf die Straße zu bringen, steht das Gründer-Trio Bo Chen, Julian Nordt und Thanuja Ambegoda; drei junge Informatiker, die sich im Studium kennengelernt haben. Ein erster Prototyp von Enway reinigt bereits den Berliner Forschungscampus Euref. Die Maschine navigiert mit Hilfe von Kameras, Sensoren und einem Laserscanner. Die Gründer wollen mit ihrer Erfindung aber kein Reinigungspersonal arbeitslos machen, sondern diese bei ihrer Arbeit unterstützen. Daher haben die Geräte zusätzlich auch eine Follow-Me-Funktion und rollen hinter den Arbeitern her.

Fairfleet GmbH
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Hinter Fairfleet verbirgt sich das Münchner Drohnen-Start-up von Gründer Eldar Gizzatov. Fairfleet vermittelt qualifizierte Drohnenpiloten über eine Online-Plattform an Kunden aus der Bau-, Medien- und Versicherungsbranche. Das Unternehmen verfügt bereits über 1600 professionelle Piloten in 42 Ländern, die sich per Knopfdruck samt Ausrüstung bestellen lassen.

Kewazo GmbH
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Kewazo bringt Roboter auf die Baustelle. Die jungen Gründer des Münchner Start-ups Sebastian Weitzel, Leonidas Pozikidis, Ekaterina Grib, Artem Kuchukov, Alimzhan Rakhmatulin und Eirini Psallida entwickeln automatisierte Arbeitshelfer für den Gerüstbau. Kewazo will damit die Installationszeit und Effizienz am Bau deutlich verbessern, etwa indem das System automatisch Gerüstteile vom Boden zum Montageort transportiert. Während für den Aufbau eines Gerüstes am Bau herkömmlich meistens drei Arbeitskräfte erforderlich sind, kann mit dieser Aufwand mit dem Kewazo-System auf zwei Personen verringert werden.

Magazino GmbH
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Das Münchner Start-up Magazino, gegründet von Nikolas Engelhard, Lukas Zanger und Frederik Brantner, baut Roboter für Logistikarbeiten. Das gezeigte Modell Soto beispielsweise kann vollkommen autonom Kartons voller Textilien in die Regale einsortieren. Mit einer 3D-Kamera erkennen die Roboter Ware, fahren mechanische Arme mit Saugnäpfen aus und ziehen die gewünschten Kartons aus dem Regal. In der Roboterbranche gibt es nur wenige einsatzbereite Roboter, die all das schon können.

Medineering GmbH
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Das Münchner Start-up Medineering bietet Roboter-Assistenz für die HNO- und Neurochirurgie an, um Ärzte von physisch anstrengenden Aufgaben zu entlasten. So können sich Chirurgen stärker auf Aufgaben konzentrieren, die ihr individuelles Können erfordern. Gegründet wurde das Unternehmen von Maximilian Krinninger und Stephan Nowatschin, die beide in Medizintechnik promoviert haben.

Micropsi Industries
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Gründer Ronnie Vuine arbeitet mit seinem Start-up Micropsi einer Software, die Roboter schnell lernfähig machen soll. Künstliche Intelligenz hilft den Industrierobotern dabei, komplexe Bewegungen durch Imitation statt durch Programmierung zu lernen. Mithilfe der Daten, die ihre Sensoren einsammeln, sind Roboter beispielsweise in der Lage, ihre Umgebung zu erkennen und zu reagieren, wenn Unvorhersehbares passiert. So könnten Menschen und Roboter bereits in wenigen Jahren Seite an Seite arbeiten, während es bislang zu gefährlichen Verletzungen kommen kann, wenn sich Roboter-Arme und Mensch in die Quere kommen.

„Wir wollen gezielt die Infrastruktur und politischen Rahmenbedingungen für die Einführung neuer Technologie schaffen, um das Leben der Menschen zu verbessern“, sagt der Minister für Informationstechnologie und Kommunikation, Jean de Dieu Rurangirwa.

Im Vergleich gibt es in Deutschland zahlreiche Auflagen, besonders für den Einsatz kommerzieller Drohnen. Abgesehen von einem Kenntnis- oder Flugkundenachweis benötigen Drohnen ab fünf Kilogramm Gewicht eine Aufstiegsgenehmigung der Landesluftfahrtbehörde. Drohnen, die höher als 100 Meter sowie außerhalb der Sichtweite ihrer Piloten fliegen, brauchen eine Ausnahmeerlaubnis.

Zudem dürfen unbemannte Fluggeräte, die mehr als 250 Gramm wiegen, nicht über Wohngebieten fliegen. Leichtere Modelle dürfen dies zwar, doch Kamerafunktion ist über Wohngebieten generell nicht erlaubt. In vielen anderen europäischen Ländern und den USA gelten ähnlich strenge Vorschriften.

Kein Wunder, dass sich Entwickler, die neue Projekte vorantreiben wollen, gern auf Afrika konzentrieren, wo Drohnen mittlerweile in den Bereichen Tourismus, Gesundheit, Tierschutz, Sicherheit, Klimawandel und Landwirtschaft eingesetzt werden.

Drohnen verfolgen Umweltsünder und Wilderer

Die marokkanische Firma Atlan Space hat beispielsweise Software mit künstlicher Intelligenz entwickelt, mit der Drohnen in westafrikanischen Gewässern Umweltstraftaten wie illegale Fischerei und Ölverschmutzungen erkennen und in Echtzeit an Behörden melden können. Sobald eine Drohne gesetzwidrige Aktivitäten entdecke, gäbe sie den Standort und Identifikationsnummer des Schiffs per Satellit an die Behörden weiter, erklärt Atlan-Space-Geschäftsführer Badr Idrissi.

In Südafrika, Simbabwe, Botsuana und Malawi helfen ähnlich programmierte Drohnen, Wilderer zu sichten. Die mit Infrarot-Kameras ausgestatteten Fluggeräte halten nachts nach Menschen in Tierreservaten Ausschau und alarmieren bewaffnete Sicherheitskräfte. „Unsere Statistiken zeigen, dass Vorfälle von Wilderei erheblich sinken, wenn unsere Drohnen in der Gegend sind“, sagt Otto Werdmuller Von Elgg, der Leiter des Air-Shepherd-Programms.

Im südafrikanischen Malawi liefern Drohnen außerdem Blutproben für HIV-Tests aus abgelegenen Teilen des Landes in ein Labor. Das bitterarme Land, das eine der höchsten HIV-Infektionsraten weltweit hat, kann damit die Wartezeit auf das Testergebnis deutlich reduzieren. Denn der Transport über Land ist aufgrund schlechter Straßen und hoher Benzinkosten langsam und mühselig.

Auch der von jahrzehntelanger Dürre und Hungersnöten heimgesuchte Sudan setzt Drohnen ein. Die einheimische Firma Massive Dynamics hat Drohnen gebaut, die Samen von Akazienbäumen gezielt in Gegenden abwerfen, in denen Wüstenbildung droht.

Gleichzeitig können die unbemannten Fluggeräte aus der Luft den Gesundheitszustand zahlreicher Pflanzen diagnostizieren. Die gesammelten Informationen ermöglichen es Landwirten, Forschern und Hilfsorganisationen, Ernteschäden zu reduzieren.

Archäologen entdecken alte Kulturen

Im westafrikanischen Nigeria haben Archäologen mit Hilfe von Drohnen Fundstätten in der altertümlichen Stadt Ile-Ife, der Wiege der Yoruba-Zivilisation des 10. bis 12. Jahrhunderts, kartiert. „Mit Hilfe der Luftaufnahmen entscheiden wir, wo wir ausgraben und auf welche Bereiche wir uns konzentrieren“, sagt Adisa Ogunfolakan, der Direktor des nigerianischen Naturhistorischen Museums. Auf diese Weise wurden zuvor unbekannte Stadtmauern, verlassene Siedlungen, Töpferhütten und zeremonielle Gruben in Ife-Ife gefunden.

Wie sehr Drohnentechnologie Abläufe verbilligen, vereinfachen und beschleunigen kann, wird auf dem Zipline-Betriebsgelände in Ruanda deutlich. Wenn Patienten eine dringende Bluttransfusion benötigen, kann Gesundheitspersonal per Textnachricht eine Bestellung aufgeben. Innerhalb von Minuten ist die Drohne gepackt.

Statt vieler Stunden oder sogar Tage dauert es nur rund 30 Minuten, bis die lebensrettende Ware per Fallschirm an einer entlegenen Klinik abgeworfen wird. Zipline sendet im Schnitt 30 Drohnen pro Tag durchs Land, die bald auch mit Medikamenten und Impfstoffen beladen werden. „Wenn man Leben retten will, zählt jede Sekunde“, sagt Ruandas Gesundheitsministerin Diane Gashumba. „Drohnen sind für uns die Lösung.“

  • dpa
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